Bluttat in Eilshausen: am Donnerstag Prozessauftakt vor dem Landgericht Bielefeld
Welche Rolle spielt der anonyme Brief?

Hiddenhausen (WB). Es wird wohl ein langwieriger Indizienprozess: Von Donnerstag an müssen sich die Brüder Ismet A. (31) aus Herford und Ferhan A. (33) aus Lüdinghausen vor der I. Strafkammer des Bielefelder Landgericht wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge verantworten. Bis zum 1. April sind 14 Fortsetzungstermine anberaumt, da eine Vielzahl von Zeugen angehört wird.

Mittwoch, 18.12.2019, 17:29 Uhr
Der Tod des Deutsch-Libanesen – hinten ist eine libanesische Flagge zu sehen – hatte große Anteilnahme ausgelöst. Angehörige und Freunde hatten viele Blumen am Tatort abgelegt. Foto: Weege

Die Angeklagten sollen für den Tod des 32 Jahre alten Raschad A. verantwortlich sein. Er war am Vatertag (30. Mai) an der Bünder Straße niedergestochen worden und seinen Verletzungen erlegen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Brüder wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt . »Wir gehen von niedrigen Beweggründen aus«, begründete dies die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse. Das Landgericht Bielefeld will den Brüdern jetzt aber nur wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge den Prozess machen.

Streit um Geld

Sie werden von den Bad Oeynhausener Anwälten Tobias Diedrich und Martin Lindemann verteidigt. Für sie spielt ein anonymer, handschriftlich verfasster Brief eine wichtige Rolle, der nach der Tat den Ermittlern auf dem Postweg zugesandt worden war. Das Landeskriminalamt hat ihn untersucht, um mögliche Hinweise auf die Urheberschaft zu ermitteln. Wie berichtet, werden in dem Brief die Angeklagten entlastet. Der anonyme Verfasser nimmt sämtliche Schuld auf sich. Doch kann man dem Bekennerschreiben Glauben schenken? Anwalt Diedrich sagt ja. „Ich halte die Aussagen für zutreffend, deshalb wird der Brief in dem Prozess sehr wichtig sein.“

Das spätere Opfer soll am Tag vor der Tat Ismet A. mit einem kräftigen Schlag das Nasenbein gebrochen haben. Dazu habe er einen Quarzsandhandschuh benutzt. Es ging um Geld: Raschad A. soll dem Türken etwa 1200 Euro geschuldet haben. Aus Wut über die Attacke sollen die Angeklagten beschlossen haben, sich an dem Deutsch-Libanesen zu rächen. Am Abend des folgenden Tages soll Ferhan A. das spätere Opfer zwecks Aussprache telefonisch zu einem Treffpunkt in der Nähe dessen Wohnung in Eilshausen bestellt haben.

20 Mal zugestochen

Die Anklage geht davon aus, dass die Brüder dort auf ihr Opfer zunächst eingeschlagen, dann eingestochen haben – 20 Mal. Laut des anonymen Briefes soll das Opfer das Messer aber selbst zum Tatort mitgebracht und gezückt haben. Beim Streit sei es ihm dann aus der Hand geschlagen worden – und erst so zur Tatwaffe des späteren anonymen Briefschreibers geworden.

„Die Anklage geht jedoch davon aus, das Raschad A. unbewaffnet zum Tatort kam. Das ist unwahrscheinlich, wenn man weiß, dass es am Tag zuvor eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen den Streitparteien gegeben hat“, meint Verteidiger Diedrich. Deshalb sei der Brief von zentraler Bedeutung. Auch für die Staatsanwaltschaft ist nicht klar, welcher der beiden Angeklagten letztlich das Messer geführt haben soll. „Die Beweislage ist dünn“, sagt Diedrich. Er kündigte an, dass sich die Brüder vorerst nicht zu den Vorwürfen einlassen werden.

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