Bluttat in Eilshausen: Raschad A. (31) wurde mit 23 Messerstichen getötet Brüder wegen Mordes angeklagt

Hiddenhausen (WB). Die Bluttat sorgte am Vatertag für Entsetzen: Ein 31-Jähriger wurde in Eilshausen auf offener Straße brutal niedergestochen. Jetzt hat die Bielefelder Staatsanwaltschaft die beiden mutmaßlichen Täter angeklagt – wegen gemeinschaftlichen Mordes.

Von Moritz Winde
Nach der Bluttat haben Angehörige und Freunde des Opfers Blumen und Kerzen an der Bünder Straße in Eilshausen abgelegt.
Nach der Bluttat haben Angehörige und Freunde des Opfers Blumen und Kerzen an der Bünder Straße in Eilshausen abgelegt. Foto: Kathrin Weege

»Die Anklage geht von niedrigen Beweggründen aus«, sagte die ermittelnde Staatsanwältin Claudia Bosse auf Anfrage dieser Zeitung. Sie wirft den Brüdern vor, das Verbrechen zusammen geplant zu haben – offenbar eine Racheaktion.

Raschad A. wurde niedergestochen.

Am 1. Juni war Haftbefehl gegen einen jesidischen Kurden (30) mit türkischer Staatsbürgerschaft erlassen worden, sechs Tage später gegen dessen Bruder (32). Zwei Tage vor dem Mord hatte das spätere Opfer, Raschad A., dem 30-Jährigen im Streit um Geld die Nase gebrochen. A. soll dem Türken etwa 1200 Euro geschuldet haben.

Am Abend des 30. Mai sollen die Brüder Raschad A. dann unter einem Vorwand aus seiner Wohnung in der Nähe des Hiddenhauser Rathauses nach draußen und zum Backhaus Hensel an die Bünder Straße gelockt haben. Claudia Bosse: »Sie gaben vor, sich versöhnen zu wollen.«

Mordplan oder Affekthandlung?

Bei dem 30-Jährigen soll es sich um den eigentlichen Täter, bei dem 32-Jährigen um den Anrufer handeln, der nicht selbst zugestochen, die Tat aber zumindest gebilligt haben soll. Aus Ermittlerkreisen ist zu hören, die Attacke muss einem regelrechten Gemetzel geglichen haben.

Ein Gerichtsmediziner stellte später fest, auf Raschad A. wurde hinterrücks 23 Mal eingestochen. Ein Messerstich ging einmal quer durch den Körper. »Da hat es jemand verdammt ernst gemeint«, hatte ein Polizist der Mordkommission »Eilshausen« damals gesagt. War es tatsächlich ein gezielter Anschlag oder eine Affekt-Handlung? Haben Drogen oder Alkohol eine Rolle gespielt? Gibt es einen dritten Tatbeteiligten? »Das ist zumindest nicht auszuschließen«, sagt Staatsanwältin Bosse.

Spannend wird sein, ob den Brüdern der Mord während der Hauptverhandlung am Landgericht Bielefeld tatsächlich nachzuweisen sein wird. Denn es gibt keine Zeugen, niemand hat den Angriff mit eigenen Augen gesehen.

Wo ist das Messer? Trotz viereinhalbmonatiger Ermittlungen bleibt das Tatwerkzeug nach wie vor verschwunden. Auch die blaue Mercedes A-Klasse (Baujahr 2001) konnte nicht gefunden werden. Ein solches mit mehreren Personen besetztes Auto soll sich am Tatabend auffällig schnell von der Bünder Straße entfernt haben.

Verteidiger: »Wir streben einen Freispruch an«

Am Tatort wurde allerdings ein Feuerzeug mit einer DNA-Spur gefunden. Die Analyse im Labor ergab, dass dieser genetische Fingerabdruck einem der Männer zugeordnet werden kann. Das lässt den Schluss zu, dass derjenige tatsächlich am Tatort gewesen sein könnte. Trotzdem läuft es auf einen Indizienprozess hinaus. In der Untersuchungshaft haben sich die Brüder nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Dr. Tobias Diedrich und sein Kollege Martin Lindemann aus Bad Oeynhausen verteidigen die Brüder. »Die Beweislage ist völlig unklar. Die Indizien, also das gefundene Feuerzeug, reichen für eine Verurteilung nicht aus. Wir streben einen Freispruch an. Es gibt keine Anhaltspunkte für einen Mord«, sagt Diedrich.

Die Chance auf eine vorzeitige Entlassung aus dem Gefängnis haben die Rechtsanwälte aber offenbar auch nicht gesehen. Einen Antrag auf Haftprüfung stellten sie nicht.

Der Prozess, in dem die Opferfamilie von drei Anwälten vertreten wird, muss noch vor Ende des Jahres beginnen, geplant ist kurz vor Weihnachten. Anfang 2020 wäre die Sechs-Monats-Frist – so lange dürfen mutmaßliche Straftäter in U-Haft ohne Beginn einer Hauptverhandlung bleiben – abgelaufen.

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