Georg-Heinz Rolf (80) war mehr als vier Jahrzehnte als Dirigent tätig
Ein Leben für den Chorgesang

Hiddenhausen (WB). Musik ist sein Leben. Besonders der Chorgesang liegt Georg-Heinz Rolf am Herzen. 43 Jahre hat er als Chorleiter die heimische Musikszene wesentlich mitgeprägt. Der 80-jährige Schweichelner blickt zufrieden auf das Erlebte zurück.

Samstag, 03.08.2019, 01:03 Uhr aktualisiert: 03.08.2019, 01:10 Uhr
Georg-Heinz Rolf mit seinem wichtigsten Arbeitsgerät, der Stimmgabel, in seinem Büro voller Noten und CDs. ­

Rolf ist in einfachen Verhältnissen in Herford aufgewachsen. In seiner Familie hatte Musik einen hohen Stellenwert: »Mich fesselte von Anfang an die Chormusik. Mit Vater und Bruder sang ich im Männerchor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde.«

An die klassische Musik herangeführt wurde er durch den Chor der Philharmonie. »Als ich 1958 dort eintrat, haben wir Orffs ›Carmina Burana‹ gesungen. Das Werk hat mich total fasziniert«, blickt Rolf zurück. Als Textilkaufmann bei Teppich Pasch in Bielefeld kam er 1960 mit dem dortigen Theater in Kontakt. Bis 1964 sang der Bariton nebenberuflich im Extrachor der Städtischen Bühnen.

Studium in Münster

Die Begeisterung für die Chormusik wuchs so stark, dass Rolf neben seinem Beruf – mittlerweile bei einer privaten Versicherung – an der Westfälischen Schule für Musik in Münster zu studieren begann. »Ich hatte ein gutes Gedächtnis für Texte und Melodien, aber der fachliche Hintergrund fehlte mir.« Er lernte Dirigat, allgemeine Musiklehre, Instrumentenkunde, Orchesteraufbau, Komponieren und Gesang.

Sein Wissen wandte er erstmals 1974 als Leiter des Chores »Deutsche Eiche« in Kirchlengern an. Danach war er sieben Jahre Chorleiter in Bad-Oeynhausen-Lohe, wo er einen Kinderchor gründete und 50 Jungen und Mädchen seine Begeisterung für Musik weitergab. Im Anschluss widmete er sich vier Jahre lang dem Männerchor Stift Quernheim.

Chorleiter in Obernbeck

Stolze 18 Jahre – mit einer Un­terbrechung durch ein Gastspiel in Westerenger – prägte er den Männerchor Löhne-Obernbeck, der mit einem Mädchenchor aus Willich am Niederrhein kooperierte, der als Meisterchor ein hohes Niveau hatte. »Ich habe immer viel Wert auf die Stimmbildung, gute Texte und Komponisten gelegt und mit den Männern Ausschnitte aus Musicals, Opern und Operetten wie ›Schwarzwaldmädel‹ einstudiert«, blickt er zurück.

»Mich hat die Arbeit mit Männergesangvereinen stets interessiert. Ich wollte beweisen, dass sie mehr können als Volkslieder singen. Schließlich gibt es auch in Opern viele gute Männerchöre.« So kam es im Laufe der Jahre zu großen Aufführungen mit andern Chöre, Solisten und Orchestern. Besonders gerne erinnert sich Rolf an ein Konzert, bei dem er die Sänger und 21 NWD-Musiker dirigieren durfte.

Juror bei Meisterkonzerten

Eine besondere Ehre war es für den Schweichelner auch, als er mit seinen Löhner Sängern und dem gemischten Chor Westerenger für den damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau auftreten durfte. Die Reise, die er mit seinem Chor 1988 nach Sachsen unternahm, wird er ebenfalls nicht vergessen. »Wir haben dort mit dem gastgebenden Chor deutsche Volkslieder gesungen. Das hat die Leute so angerührt, dass sie Tränen in den Augen hatten.«

Parallel zu seiner Arbeit als Chorleiter war Rolf auch im Deutschen Allgemeinen Sängerbund (DAS) engagiert. Er besuchte dort zunächst selbst Fortbildungen. »Später holte mich der Verband in den Prüfungsausschuss. Dort bestimmte ich als Juror für Chormusik mit, welche Gesangvereine sich Meisterchor nennen durften«, erzählt Rolf stolz. »Ich war der einzige aus Ostwestfalen-Lippe, der bei Meisterkonzerten jurierte.« Hier bekam er zum ersten Mal »vernünftige Spesen«. 

Elf Jahre Kreischorleiter

Im Laufe der Jahre war Rolf immer besser vernetzt: Wenn ein Jubiläum anstand oder der Chorleiter einmal kurzfristig verhindert war, wurde er um Hilfe gebeten: »Ich erinnere mich an einen riesigen Männerchor in Sieker, den ich ein paar Stunden vor dem Konzert übernahm. Aber es funktionierte.«

So war es nicht verwunderlich, dass der Versicherungsexperte von 1993 bis 2004 auch die Position des Kreischorleiters innehatte, in der er für die Beratung und Betreuung, die Planung von Konzerten und Schulungen für 19 DAS-Mitgliedschöre zuständig war.

Interessen im Wandel

In seiner Heimatgemeinde war Rolf ebenfalls aktiv: als Aushilfe beim Chor Freundschaft und vier Jahre lang als Leiter des Chores des Heimatvereins Eilshausen. 2010 legte der Vater dreier Kinder sein Amt als Chorleiter nieder.

Heute singt er im Kirchenchor des Bezirks Schweicheln-Sundern und besucht jedes Chorkonzert im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern, das ihn interessiert. Rolf bedauert indes, dass es kaum noch qualitativ hochwertige nicht-kirchliche Chöre gebe: »Die Interessen der Menschen haben sich gewandelt. Mit den Lokalitäten sind auch die Gesangvereine verschwunden.«

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