Bühnenmalerin Mona Selje stellt Arbeiten in der Hiddenhauser Rathausgalerie aus
Kunst und Handwerk vereint

Hiddenhausen (WB). Mona Selje steht mitten drin in ihrem Bild. Mit einem langen Pinsel malt sie auf das große, auf dem Boden fixierte Laken.

Sonntag, 07.04.2019, 22:00 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 07:46 Uhr
In der Toskana hat Mona Selje diese Statue gesehen und sie dann nachgemalt. Dabei hat sie im Stehen mit einem verlängerten Pinsel gearbeitet. Sie stellt bis zum 9. Mai acht großformatige Arbeiten in der Hiddenhauser Rathausgalerie aus. Foto: Daniela Dembert

Zur Eröffnung der Ausstellung »Malerei ist keine Hexerei« präsentierte Christian Grube den Besuchern der Galerie im Rathaus am Freitagabend eine Kurzdokumentation des WDR über die Arbeit der Bühnenmalerin. »Kulissenmalerei ist kein Hexenwerk, das kann man lernen«, betont die Bielefelderin. Als Tochter der Puppenbühnenbetreiberin Dagmar Selje hat sie das Kulissengestalten mit der Muttermilch eingesogen.

Die acht zwei mal drei Meter großen Bilder, die Selje bis zum 9. Mai im Rathaus ausstellt, sind Übungsstücke, die sie während ihrer Ausbildung am Bielefelder Stadttheater gefertigt hat. Damals habe sie die Tricks und Kniffe des großformatigen Malens erlernt. Sie verstehe sich viel mehr als Handwerkerin denn als Künstlerin. Und eben dieses Zusammenspiel aus Kunst und Handwerk liebe sie an diesem Beruf. »Wir arbeiten nach den Vorgaben des Bühnenbildners und setzen dessen Skizzen in Groß um. Das alles geschieht unter Zeitdruck und muss präzise ablaufen.«

Doku-Film gezeigt

2015 hatte der WDR die Doku über die Auszubildende der Bühnenmalerei gedreht. Anlass war die Abschlussprüfung. »Der Beruf ist selten. Dass eine Abschlussprüfung in Bielefeld abgenommen wird, war daher etwas Besonderes«, blickt die 28-Jährige zurück, die inzwischen auch eine Ausbildung zur Raumausstatterin absolviert hat, nebenberuflich aber noch für das Theater arbeitet.

Ob Landschaften, Architektur, großflächiges Mauerwerk oder Kunstwerke alter Meister, Selje hat schon vieles auf die Leinwand gebracht. »Für eine Inszenierung habe ich die Mona Lisa kopiert. Die war in Normalgröße und ich habe vor der Leinwand sitzend gearbeitet«, erzählt sie. Ansonsten heißt es im Malsaal: stehen. Nur so kommt die Kulissenmalerin an jeden Winkel der zig Quadratmeter großen Bühnenbilder. Um das Werk im Ganzen zu betrachten, steigt sie in die Galerie des Malsaals und schaut von oben herab.

Malen mit dem Schrubber

Mit Stoffmalfarben oder stark verdünnten Acrylfarben wird lasierend gearbeitet. Wolle man Strukturen erzeugen, sei ein pastoser, dickflüssiger Auftrag sinnvoll. »Bei großen Flächen arbeite ich mit einem breiten Pinsel, der fast wie ein Schrubber aussieht auf dem feuchten Untergrund«, berichtet Mona Selje.

Neben Gemälden stellt die Malerin kleinformatigere Materialimitationen aus, für die neben Farbe auch andere Werkstoffe zum Einsatz kommen. »Wenn für ein Theaterstück ein Marmorfußboden gebraucht wird, dann wird der natürlich nicht verlegt, sondern ebenfalls auf ein großes Stück Stoff gemalt, das über den Bühnenboden gespannt wird«, verrät Selje. Neben den Imitationen präsentiert sie Auszüge ihres Arbeitsbuches, in denen die Techniken zur jeweiligen Materialnachahmung erläutert sind.

Zahreiche Techniken

Bei der Ausstellungeröffnung war Fabian Wellner, heute Malsaalvorstand des Theaters Osnabrück, anwesend, der Selje in ihrer Ausbildung betreut hatte. Er steuerte mit Gitarre und Gesang die musikalische Begleitung bei und berichtete auch – ergänzend zum Film – über die Komplexität der Ausbildung. Dabei ging er noch einmal auf das Thema der Ausstellung ein: »Was auf Laien wie Hexerei wirkt, beruht auf zahlreichen Techniken, die man mit Schweiß – und etwas Talent – erlernen kann.«

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