Amerikanerin Tabea Lent (17) lebt für ein Jahr bei Gastfamilie Müller/Classen
Herzlicher Empfang in Hiddenhausen

Hiddenhausen (WB). Tabea Lent ist 17 Jahre jung. Sie kommt aus Rockdale im Bundesstaat Georgia in den USA und hat eine Reise über den großen Teich angetreten. Für ein Jahr lebt sie nun bei den Müller/Classens in Hiddenhausen.

Dienstag, 05.03.2019, 10:12 Uhr aktualisiert: 05.03.2019, 10:20 Uhr
Die beiden Teenager haben Spaß zusammen: die Amerikanerin Tabea Lent (17, rechts) und ihre Hiddenhauser »Gastschwester« Merle Müller (16).»In der Familie fühle ich mich sehr wohl«, sagt Tabea. An ihren Deutschkenntnissen arbeitet sie noch. Foto: Stefan Wolff

Dabei ist ihre Gastfamilie etwas ganz Besonderes: Bereits vor rund 30 Jahren hatten die Eltern des Gastvaters Rasmus Müller eine Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschafts-Programms zwischen dem Deutschen Bundestag und dem US-amerikanischen Kongress aufgenommen. Damals war dieses Programm noch recht neu. »Die Erfahrungen, die alle Beteiligten miteinander gemacht haben, waren ausgesprochen gut und herzlich, der Kontakt zu der damaligen Gastschülerin aus Minnesota besteht noch heute«, erzählt der Hiddenhauser. Da fiel die Entscheidung, auch jetzt für ein Jahr eine Schülerin aus den Vereinigten Staaten aufzunehmen, nicht schwer, ergänzt Gastmutter Yvonne Classen.

Horizont erweitern

Tabeas Aufenthalt in Deutschland begann mit einem Deutschkurs. »Das war ganz hilfreich, denn meine Mutter stammt zwar aus Deutschland, in der Familie wird aber ausschließlich englisch gesprochen«, berichtet die Schülerin. Im Deutschkurs haben Tabea und die weiteren Stipendiaten auch viel über das politische System, die Geschichte und Kultur des Gastlandes erfahren.

Dann ging’s nach Hiddenhausen. Ihre Gasteltern hatte sie im Vorfeld über E-Mail-Kontakte bereits ein wenig kennengelernt. »Das Programm ist eine tolle Sache, weil auch wir dabei unseren Horizont erweitern können«, sagt Gastvater Rasmus Müller. Und Tabea passe gut in die Familie, sie sei sehr angenehm und man habe keine Probleme, zum Beispiel beim Essen. Allerdings, so sagen die Gasteltern, hätten sie sich etwas bessere Deutschkenntnisse bei der Stipendiatin gewünscht.

Unterschiedliche Schulsysteme

Aktuell blieben intensive Gespräche noch ein wenig auf der Strecke. Doch daran arbeitet die junge Amerikanerin. Sie besucht das Ravensberger Gymnasium in Herford. Zum ersten Mal in ihrem Leben erlebt sie eine öffentliche Schule mit mehreren hundert Schülern. Für Tabea das totale Kontrastprogramm, denn zuhause in den USA geht sie auf eine Privatschule in die 10. Klasse, die aus nicht mehr als fünf Mädchen und einem Jungen besteht.

In der Schule hat Tabea natürlich längst über die Unterschiede zwischen den Schulsystemen in beiden Ländern berichtet und darüber, wie das Lernen an einer American High School funktioniert.

Auffallend ist für Tabea, »dass die Jugendlichen in Deutschland grundsätzlich viel mehr Freiheiten haben als in den USA. Es ist toll, dass hier Kinder und Jugendliche mit dem gleichen Respekt behandelt werden wie Erwachsene. Bei uns heißt es nicht selten: Lass das mal, das kannst du noch nicht, du bist noch ein Kind.«

Den Tag frei gestalten

Auch sei das Leben in Deutschland ganz anders organisiert, der Tagesablauf könne viel freier gestaltet werden. In den ersten Wochen war Tabea deshalb froh, dass sie viel Hilfe von ihren neuen Mitschülern bekommen hat. Und sie findet es bemerkenswert, »dass man hier als Jugendliche Streichhölzer oder Feuerzeuge kaufen kann und mit einem Discobesuch nicht erst warten muss, bis man 21 Jahre alt ist.«

Inzwischen hat Tabea schon viel gesehen – in Deutschland und darüber hinaus. Sie war bereits in Bochum, Dortmund und Amsterdam. »Mein absolutes Highlight war in der Adventszeit der Besuch von acht verschiedenen Weihnachtsmärkten«, schwärmt sie. Und bevor sie im Sommer wieder die Heimreise nach Georgia antritt, möchte sie noch viel von Europa sehen und außerdem steht noch ein Hauptstadtbesuch in Berlin an – mit Stippvisite im Bundestag.

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