Nadja Kruse kommt vor allem als Improvisationskünstlerin gut an
Vom fiesen Zwilling und einer U-Boot-Tour auf der Werre

Hiddenhausen (WB). Nadja Kruse ist die ersten 14 Jahre ihres Lebens in Schweicheln-Bermbeck aufgewachsen. Sie kann ihren Auftritt auf der Kleinkunstbühne der Gemeinde also mit gutem Recht als »Heimspiel« bezeichnen. Es wurde auch ganz lustig. Teilweise.

Sonntag, 03.03.2019, 22:45 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 23:00 Uhr
Da guckst du, was? Nadja Kruse gibt ihren »bösen Zwilling« Karin Renner, die fieseste aller fiesen Rüstungslobbyisten. Und die sind ja bekanntermaßen sehr fies, wie auch Kruse auf der Kleinkunstbühne x-mal verdeutlicht. Foto: Raphael Steffen

Die 42-Jährige arbeitet heute als Schauspielerin und Kabarettistin. Normalerweise pendelt sie zwischen Sachsen und Belgien – wie praktisch, dass die alte Heimat in Hiddenhausen quasi auf dem Weg liegt. Auch wenn sie das Bindestrich-Dorf mit 14 verlassen hat, um in eine Metropole zu ziehen: »Ja, ich durfte einige Jahre in Herford wohnen.« Der Raum der Kleinkunstbühne in der Olof-Palme-Gesamtschule ist gleichwohl am Freitagabend gut gefüllt.

Ein fieser Zwilling

Kruses Programm trägt den Titel »Bombenerfolg«. Das hängt mit einer ihrer Figuren zusammen. »Karin Renner« ist Rüstungslobbyistin und vertritt die Interessen eines Panzerbauers. Das Verhältnis zwischen ihr und Renner sei noch ungeklärt, erläutert Kruse vorab: »Vermutlich ist sie mein böser Zwilling.« Sagt’s und zieht eine satansrote Bluse über. Damit auch jeder merkt, dass es wirklich ein richtig, richtig böser Zwilling ist.

Waffenexporte sind Thema

Der Kabarettteil bleibt denn auch etwas plump und ermüdend. Klar, es geht um deutsche Waffenexporte. Um ehemalige Minister, die jetzt in Vorständen von Rüstungskonzernen sitzen. Und natürlich die USA, die »ohne Kriege doch gar nicht mehr existieren können«. Dann noch ein bisschen Korruption, hier und da allgemeine Kapitalismuskritik, sicher ganz nett und wichtig, aber doch nichts, was man nicht schon zehnmal – und oft besser – gehört hätte.

Improvisationskünstlerin

Als Improvisationskünstlerin dagegen zeigt Kruse ihr ganzes Können. Auch wenn sich das ostwestfälische Publikum naturgemäß schwertut und sich keiner als Freiwilliger zu ihr auf die Bühne traut. Auf Zuruf eine Figur konstruieren? Das klappt schon eher. So entsteht Kalle Meyer, 55, Maurer, angeklagt des Verbrechens, seine Schwiegermutter gemeuchelt und eingemauert zu haben.

Nadja Kruse gibt ihm ein Gesicht und eine Stimme, das Publikum gibt die Stichworte, und so steht am Ende die irrwitzige Geschichte vom Kalle Meyer, der mit einem U-Boot die Werre runterschippert und unter dem Applaus von Pinguinen seine ruchlose Tat vollbringt.

Hier ist Nadja Kruse tatsächlich gewitzt. Die Besucher honorieren es mit Lachen und Klatschen. Vielleicht wäre der Abend sogar perfekt, wenn jemand Kruse gesagt hätte, dass auch politisches Kabarett lustig sein sollte.

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