Eine ländliche Idylle – Gemeinde Hiddenhausen hat Anwesen gekauft
Geschichte des Hofes Dunkelau

Hiddenhausen (WB). In der Gemeinde Hiddenhausen gab es einst zahlreiche in ihrer architektonischen Substanz wertvolle Höfe. Die meisten sind beseitigt oder so umgestaltet worden, dass sie nicht mehr wiederzuerkennen sind. Nun steht ein weiteres kleines Hofgebäudes zur Disposition: der Hof Dunkelau.

Freitag, 01.03.2019, 09:00 Uhr
Das Foto aus dem Jahre 1908 zeigt Hermann Dunkelau, den Bruder des Bäckers, mit seinem Sohn Wilhelm, der später den Hof übernahm. Dieser ließ den Giebel unter Denkmalschutz stellen.

Das Anwesen an der Löhner Straße ist jüngst von der Gemeinde Hiddenhausen aufgekauft worden. Laut Bürgermeister Ulrich Rolfsmeyer ist geplant, die Ackerfläche zu verpachten. Bebaut werden soll der Grünstreifen zwischen Hof und den Häusern östlich des Sportplatzweges. Das Hofgebäude soll einer angemessenen Nutzung zugeführt werden.

Bauherr war Heuerling

Der Hof Dunkelau Nr. 37 gehört nicht zu den mittelalterlichen, sondern zu den jüngeren Höfen in Hiddenhausen. Johann Peter Dunkelau, Heuerling bei Dedert in Eilshausen Nr. 5, kaufte dem Colonen (Bauern) Casper Henrich Lindkamp in Eilshausen Nr. 14 im Jahre 1822 zwei Grundstücke ab. Der Preis betrug 780 Taler und 20 Silbergroschen.

Vier Jahre später errichtete er darauf ein kleines Bauernhaus, das sich mit geringen Veränderungen über die Jahre erhalten hat. Im Torbogen heißt es: »Im Jahre 1826 haben die beiden Eheleute Peter Dunkelau und seine Hausfrau Anna Mari Ilsebein Halemeiers dieses bauen lassen und den 24. Mei aufgerichtet durch Gottes Hülfe und Gnade – Meister Vorndamme«.

Kleine Landwirtschaft

Woher hatte ein Heuerling so viel Geld? Da kann man nur Vermutungen anstellen. Zu der Zeit ließ sich durch fleißiges Spinnen und Weben von Flachs Geld verdienen. Hinzu kamen oft Erbteile.

Johann Peter Dunkelau wurde als »Neuwohner«, später auch als »Neubauer« bezeichnet. Er betrieb seine kleine Landwirtschaft und hatte sechs Kinder. Der Jüngste, Caspar Henrich Dunkelau, erhielt 1856 den Hof Nr. 37 von seinem Vater übertragen, nachdem dieser mit den älteren Kindern »geschichtet«, das heißt, diese ausbezahlt hatte und eine neue Ehe eingegangen war.

Lukrativer Flachshandel

Caspar Henrich heiratete im Jahr darauf Anne Marie Ilsabein Hempe. Er war ein gewitzter Bauer und Geschäftsmann. Neben der Landwirtschaft betrieb er einen lukrativen Flachshandel. 1896 konnte er von Bauer Wortmann in Hiddenhausen eine dritte Parzelle hinzukaufen.

Von den insgesamt neun Kindern überlebten drei. Dem ältesten Sohn Wilhelm richtete er nebenan eine Bäckerei ein. Tochter Anne Marie Luise heiratete den Schneidermeister Kleymann, der direkt nebenan eine Schneiderei eröffnete. Dem Jüngsten, Hermann, wurde 1895 der Hof Nr. 37 von seinem Vater übertragen. Hermann heiratete im Jahr darauf Henriette Luise Welling. Sie hatten zwei Kinder, Auguste und Heinrich. Nach dem Tod der Mutter im Jahre 1901 mussten die Kinder versorgt werden, so dass ein zweites Mal geheiratet wurde. Aus dieser Beziehung stammte Wilhelm Dunkelau, der den Hof von seinem Vater nach dessen Tod übernahm und bis zum Jahre 1990 im traditionellen Stil führte.

Ein Stück Kultur

Selbstverständlich gehörten zwei Kühe, einige Schweine, ein Pferd, Hühner und Gänse dazu. Es war eine ländliche Idylle mit absolut ökologischer Landwirtschaft.

Dem alten Bauernhaus fühlte sich Wilhelm sehr verbunden. 1989 ließ er den Giebel unter Denkmalschutz stellen und renovieren. Sogar der alte Geckpfahl oben auf der Firstspitze, der ganz verfault war, wurde wiederhergestellt. Er plante, den schönen Torbogen mit Inschrift und den Ornamenten überarbeiten zu lassen. Diese Maßnahme wurde nicht mehr durchgeführt, weil Wilhelm ein Jahr darauf verstarb. So steht nun für den zukünftigen Besitzer die Aufgabe an, ein Stück alter regionaler Kultur zu erhalten.

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