Befristete Verträge laufen aus – 330 Mitarbeiter weiter im Betrieb Brigitte baut fast 100 Stellen ab

Hiddenhausen (WB). Mitten in den Vorbereitungen zur A30-Küchenmeile haben die Mitarbeiter des Hiddenhauser Küchenherstellers Brigitte am Dienstag schlechte Nachrichten erhalten: Das Unternehmen will fast 100 Arbeitsplätze abbauen. Dabei handelt es sich ausschließlich um befristete Verträge.

Von Ruth Matthes
Der Küchenmöbelhersteller Brigitte an der Boschstraße in Hiddenhausen hat angekündigt, fast 100 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Grund sei ein Restrukturierungsprozess. Brigitte hatte nach dem Aus von Wellmann zahlreiche Mitarbeiter übernommen.
Der Küchenmöbelhersteller Brigitte an der Boschstraße in Hiddenhausen hat angekündigt, fast 100 Arbeitsplätze abbauen zu wollen. Grund sei ein Restrukturierungsprozess. Brigitte hatte nach dem Aus von Wellmann zahlreiche Mitarbeiter übernommen. Foto: Ruth Matthes

»Nach der Insolvenz des Küchenproduzenten Wellmann, der im Oktober 2017 400 Mitarbeiter freigestellt hatte, übernahm Brigitte Küchen zahlreiche Mitarbeiter des Engeraner Konkurrenten und ein Teil der Aufträge«, schildert Frank Branka von der IG Metall die Lage. »An diesem großen Brocken, der da zur Verfügung stand, hat sich die Firma verschluckt.« Die Gründe für die Probleme seien vielschichtig, so der Gewerkschaftssekretär. Zu schnelles Wachstum sei oft der Grund, wenn solide Unternehmen, die gute Qualität produzierten, in Schwierigkeiten gerieten.

Sand im Getriebe

Die Firma selbst schreibt in ihrer Pressemitteilung zur Küchenmeile, dass »durch geraume Zeit zurück liegende Entscheidungen und Weichenstellungen« sowie durch » eine Rasterumstellung und Anpassungen an die Anforderungen des Marktes in Bezug auf Produktion und Stückzahlen« leider in jüngerer Vergangenheit »etwas Sand ins Getriebe geraten« sei. Um das Unternehmen wieder in das richtige Fahrwasser zu bringen, seien grundlegende Veränderungen unabdinglich gewesen.

Nachdem im Mai Geschäftsführer Klaus Windhövel ausgeschieden war, hat sich der geschäftsführende Gesellschafter Rolf Frickemeier zwischenzeitlich »für umfassende Restrukturierungsmaßnahmen externe und professionelle Unterstützung gesichert«. Erste Maßnahmen seien bereits umgesetzt und eingeleitet, so das Unternehmen. Die Finanzierung der Restrukturierung werde durch Gesellschafter Rolf Frickemeier und die Hausbank sichergestellt.

Beitrag der Belegschaft

»Die motivierte Belegschaft ist ebenfalls bereit, ihren Beitrag zu leisten«, heißt es in der Mitteilung. Der im Herbst 2017 in der Produktion eingeführte Zweischichtbetrieb soll optimiert und nur noch in Teilbereichen gefahren werden. »Die notwendige Anpassung der Mitarbeiterzahl wird über auslaufende Zeitverträge umgesetzt«, so die Firmenleitung.

»Diese notwendige Anpassung betrifft fast 100 Mitarbeiter, die ohnehin schon in prekären Arbeitsverhältnissen tätig sind«, betont Frank Branka, der als Gewerkschafter ohnehin kein Freund befristeter Verträge ist.

Tarifverhandlungen

Zurzeit befänden sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter in Verhandlungen um einen Restrukturierungstarifvertrag. Branka ist mit den Gesprächen bisher zufrieden: »Wir haben eine vernünftige Basis gefunden, wie die restlichen 330 Arbeitsplätze erhalten werden können«, erklärt er.

Die Firmenleitung verweist ihrerseits auf wichtige IT-Maßnahmen, die derzeit durchgeführt würden. Sie sollen das Fundament für eine erfolgreiche Zukunft bilden. »Alles steht derzeit auf dem Prüfstand und wird im Laufe der weiteren Restrukturierungsmaßnahmen sukzessive Verbesserungen unterzogen«, so das Unternehmen. Eine neue, überarbeitete Produkt- und Preisliste mit einem veränderten Preisgefüge wird zur Hausmesse den Kunden vorgestellt.

Inhaber zuversichtlich

Rolf Frickemeier ist zuversichtlich, dass die eingeleiteten Maßnahmen greifen und will an die Erfolge der Vergangenheit anknüpfen. Der eingeschlagene Weg zur Modernisierung soll weiter fortgesetzt werden. »Die qualifizierten und motivierten Mitarbeiter unterstützen ihren Inhaber auf diesem Weg nach allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften«, heißt es abschließend.

Ein Kommentar von Ruth Matthes

Die früheren Wellmann-Mitarbeiter, die froh waren, bei Brigitte eine Perspektive zu haben, stehen nun erneut einer ungewissen Zukunft gegenüber. Leicht dürfte es nicht sein, einen Job zu finden. Der Aufwind in der Küchenbranche ist abgeflaut.

Nun kann man der Firmenleitung vorwerfen, zu viel gewollt und auf befristete Verträge gesetzt zu haben. Doch hätte sie nicht gehandelt, wären die Mitarbeiter womöglich schon viel früher arbeitslos gewesen. Zudem engagiert sich auch der Gesellschafter mit erheblichen finanziellen Mitteln, um das Unternehmen zu stärken.

Bleibt zu hoffen, dass das Getriebe bald wieder läuft und zumindest die restliche Belegschaft von der Restrukturierung profitiert.

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