Karsten Otte versucht Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu minimieren Obsthof steht in voller Apfelblüte

Hiddenhausen (WB). »Das sind jetzt echte Agrarsportwochen«, sagt Karsten Otte mit Blick übers idyllische Blütenmeer. Der Obstbauer weiß kaum, was er zuerst tun soll. »Am 10. April hatten die Pflanzen noch einen Entwicklungsrückstand von zehn Tagen gegenüber dem Vorjahr. Jetzt sind sie zehn Tage voraus«, erzählt Otte.

Von Daniela Dembert
Karsten Otte kontrolliert, welche Insekten in den Kontrollfallen gefangen sind. Mit einer genauen Überwachung der Schädlingsbestände und des Krankheitsaufkommens versucht er, den Anbau so ökologisch wie möglich zu halten.
Karsten Otte kontrolliert, welche Insekten in den Kontrollfallen gefangen sind. Mit einer genauen Überwachung der Schädlingsbestände und des Krankheitsaufkommens versucht er, den Anbau so ökologisch wie möglich zu halten. Foto: Daniela Dembert

Eigentlich hätte der Schnitt an den gut 60.000 Gehölzen (Apfel, Kirsche und Pflaume) längst erledigt sein sollen. Im Februar sei aber an anderer Stelle viel Zeit investiert worden, die jetzt, da die Natur sich so rasant entwickle, natürlich fehle. Also hat der Chef bei etwa 10.000 Bäumen auch selbst Hand angelegt.

Im vergangenen Frühjahr hatte der späte Frost immense Schäden an der Blüte und damit am Ertrag von Obstbäumen und Erdbeerpflanzen verursacht. »Das ist in diesem Jahr in solcher Ausprägung nicht zu erwarten. Bodenfrostgefahr besteht zwar Anfang Mai, Luftfröste sind allerdings nicht mehr in Sicht«, sagt der Landwirt und ergänzt: »Wenn dennoch Frost käme, würden wir die Pflanzen beregnen, so dass sich eine schützende Eisschicht um die Blüten legt.«

Bienen sind geschwächt

Die nahezu sommerlichen Temperaturen der letzten Tage und ausreichende Niederschläge haben den Wuchs ordentlich angekurbelt. »Die Obstbäume stehen in voller Blüte, die Zwetschgen sind sogar schon damit durch«, sagt Otte. Bei den Erdbeeren sei aufgrund der ausgeprägten Blüte das Wachstum des Grüns ein wenig zu kurz gekommen. Das müsse sich in den nächsten Wochen noch entwickeln, damit die Pflanzen kräftig genug für die vielen zu erwartenden Früchte seien.

»Eine gute Blüte heißt noch lange keine gute Ernte«, weiß Karsten Otte aus Erfahrung. Viele Faktoren spielten eine Rolle. Hier ein Beispiel: »Die Honigbienen haben den Winter sehr schlecht überstanden. Gegen Saisonende haben sie kaum Fressen gefunden und waren geschwächt. Die frühen Warmphasen des Jahres haben die Tiere immer wieder aufwachen lassen, Nahrung gab es aber noch nicht«, berichtet der Obstbauer, der einige Bienenvölker auf seinem Areal beherbergt. Umso wichtiger werden für die Bestäubung Wildbienen, Hummeln und andere Insekten sein.

Möglichst ökologisch

Kommen die Nützlinge aus ihren Verstecken, tun das auch die Schädlinge. »Momentan bin ich mehr Biologe als Obstbauer und muss meine Augen überall haben«, sagt Otte und gibt Beispiele: »Wie ist es mit Schädlingen? Gibt es Krankheiten? Was macht das Wetter?« Durch Monitoring – also genaues Überwachen von Schädlingsbeständen und Krankheitsaufkommen – versucht er, seinen Anbau möglichst ökologisch zu halten. Einige wenige Insektenfallen hängen in den Plantagen. Regelmäßig wird kontrolliert, wer sich in den Fallen findet.

»Wir gehen nach dem Schwellenprinzip vor und schauen, wie viele Schädlinge wie Blattwespen und Apfelblütenstecher wir tolerieren können und wie viele Nützlinge wie Blumenwanzen und Marienkäfer dem gegenüber stehen«, erläutert Karsten Otte. Pflanzenschutzmittel seien nicht unvermeidbar. Von Mehltau befallene Triebe beispielsweise würden einfach entfernt. Momentan habe er aber keinen Grund zur Sorge.

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