Gerhard Schäper beobachtet seit vier Jahren das Vogel-Paar Störche lieben Lippinghausen

Hiddenhausen (WB). Nach dem frostigen Februar und dem erneuten Wintereinbruch Mitte März wünschen sich die Windfriedstörche jetzt frühlingshaftes Wetter. Das Weißstorchpaar bewohnt seit April 2014 den Horst an der Milchstraße in Lippinghausen.

Von Daniela Dembert
Trotz der wärmenden Sonnenstrahlen schützen die Störche ihren Schnabel immer noch vor der Kälte und halten ihn wie im eisigen Februar in ihren Federn verborgen. Darum sieht dieser Teil des Gefieders auch leicht angeschmutzt aus.
Trotz der wärmenden Sonnenstrahlen schützen die Störche ihren Schnabel immer noch vor der Kälte und halten ihn wie im eisigen Februar in ihren Federn verborgen. Darum sieht dieser Teil des Gefieders auch leicht angeschmutzt aus. Foto: Gerhard Schäper

Gerhard Schäper wohnt im Drosselweg, ist Nachbar des Storchenhorstes und dokumentiert das Geschehen in luftiger Höhe seit Jahren. In dieser Zeit ist das Ehepaar Schäper zu echten Fans der edlen Vögel geworden und hat sich durch Beobachtung und Recherche ein fundiertes Wissen angeeignet. »Störche sind so faszinierend«, sagt Gerhard Schäper. Seine Beobachtungen teilt er interessierten Gruppen gern im Bildvortrag mit.

Verhalten »nicht mehr außergewöhnlich«

Die Nisthilfe wurde 2012 von Mitarbeitern der Firma Sokratherm als Geburtstagsgeschenk für ihren Chef auf den kopflosen, 30 Meter hohen Mast der ehemaligen Windenergieanlage aufgesetzt. Das Weibchen wurde im Juni 2011 als noch flugunfähiges Küken in Berne an der Unterweser beringt. Alter und Herkunft des unberingten Männchens sind unbekannt. Möglicherweise ist es der Storch, der schon 2013 für einige Wochen auf dem Horst zu sehen war, dort jedoch keine Partnerin fand.

Das Storchenpaar hat in den vergangenen Jahren sieben Jungstörche großgezogen. Jeweils im August brachen die herangewachsenen und seit etwa drei Wochen flugfähigen Jungtiere zu ihrer ersten Reise in den Süden auf. Als Zugvögel hätten ihnen die Eltern eigentlich folgen müssen. Sie blieben jedoch jedes Jahr in ihrem Brutrevier. »Ihr unnormales Verhalten ist inzwischen nicht mehr außergewöhnlich, denn die Zahl der in Deutschland überwinternden Störche nimmt kontinuierlich zu«, sagt Schäper.

Warme Süd-West-Strömung

In den Januartagen verließ das Storchenpaar seinen Horst morgens spätestens um 8 Uhr, um im Füllenbruch oder auf Wiesen und Feldern in der Umgebung Nahrung zu suchen. Erst in der Abenddämmerung kehrten die Vögel zurück, denn die Futtersuche gestaltet sich in den kargen Wintermonaten mühsam.

Als im ohnehin recht milden Winter eine warme Süd-West-Strömung für fast frühlingshafte Temperaturen sorgte, war es nicht verwunderlich, dass das Storchenpaar schon in der letzten Januardekade nach dem Frühstück auf den Horst zurückkehrte. Nach ausgiebiger Gefiederpflege inspizierte es arbeitsteilig das Nest und das Männchen startete bereits erste Paarungsversuche.

Der Frost im Februar ließ die Frühlingsstimmung wieder abflauen. Gefrorener Boden und eine dünne Schneedecke erschwerten das Auffinden von Nahrung. Statt auf einem Bein stehend zu schlafen, wichen die Störche dem eisigen Ostwind während der Nacht aus, indem sie sich ins Nest legten.

Das Nest auf die Brut vorbereitet

Der 6. März wurde dann mit milderen Temperaturen zum eigentlichen Saisonbeginn: die Störche kehrten jetzt nach dem Frühstück regelmäßig auf den Windfriedhorst zurück, hielten dort einzeln oder gemeinsam Horstwache und wehrten erste Fremdstörche ab. Ein großer Teil der Zeit wird zu ausdauernder Gefiederpflege genutzt. Auch wird das Nest auf die Brut vorbereitet.

»Wir beobachteten mehrere Paarungen sowie das Herbeischaffen von Nistmaterial«, berichtet Gerhard Schäper. Jetzt dürfe man darauf hoffen, dass das Windfriedpaar auch 2018 wieder Jungstörche großziehen kann.

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