Landwirte-Kritik am Pflanzenschutzmittel-Verbot von Kreis und Stadt »Falsches Signal an die Bürger«

Hiddenhausen (WB). »Das Verbot, jegliche Pflanzenschutzmittel auf städtischen und kreiseigenen Flächen anzuwenden, ist inakzeptabel und sendet ein absolut falsches Signal an die Bürger«: Das haben die Vertreter der Landwirte gestern in Hiddenhausen betont.

Von Peter Schelberg
Wilhelm Brüggemeier (links), Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, und Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, fordern eine Rücknahme des Pflanzenschutzmittel-Verbots.
Wilhelm Brüggemeier (links), Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, und Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, fordern eine Rücknahme des Pflanzenschutzmittel-Verbots. Foto: Peter Schelberg

Mit scharfer Kritik reagierten Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Herford-Bielefeld, und Wilhelm Brüggemeier, Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, auf die entsprechenden Beschlüsse des Kreistages und des Bau- und Umweltausschusses der Stadt Herford. Überrascht zeigten sich beide, dass zunächst längere Zeit lediglich über ein Verbot des Unkrautvernichters Glyphosat beraten worden sei, der Kreistag dann aber nur 48 Stunden nach Einbringung des Antrags das Verbot auf alle Pflanzenschutzwirkstoffe ausgeweitet habe.

Dem war auch der städtische Bau- und Umweltausschuss gefolgt. »Zum Thema Glyphosat haben wir eine Stellungnahme beim Kreis abgegeben. Eine weitere fachliche Bearbeitung zu dem jetzt beschlossenen umfassenden Anwendungsverbot für alle Pflanzenschutzmittel war uns aber in der Kürze der Zeit nicht möglich«, stellte Dedert klar.

WLV-Vizepräsident und Kreislandwirt Brüggemeier sprach von einem »sehr ärgerlichen Schnellschuss« im Kreistag und im Ausschuss. »Man hat diese Beschlüsse gefasst, ohne zuvor bei der Landwirtschaftskammer anzufragen, die als Fachbehörde den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln kontrolliert«, kritisierte er: »Auf diese Information wurde bewusst verzichtet, es wurden weder eine Expertise eingeholt noch Fachleute oder gar Gutachter hinzugezogen. Das war ein kompletter Blindflug.«

Brüggemeier sieht mit den Verboten auch die Kompetenzen der Gremien überschritten. Welche Ziele erreicht werden sollten, bleibe mehr als unkonkret: »Ebenso wenig wird klar gesagt, was es kostet und wer das bezahlt.«

Die Politik habe sich von Emotionen leiten lassen statt von Fachinformationen, meint auch Hermann Dedert. Die Landwirtschaft werde es nicht hinnehmen, als alleiniger Sündenbock dargestellt zu werden. »Artenschwund und Insektensterben gehen uns alle an«, betonte er. Die Landwirtschaft sei dabei aber mehr der Schlüssel zur Lösung als das Problem: »Wir stellen uns unserer Verantwortung und arbeiten gerne mit an Lösungen.«

Durch das Pestizid-Verbot sei sowohl eine konventionelle als auch die ökologische Bewirtschaftung der Flächen nicht mehr möglich, da Pestizide auch im ökologischen Anbau eingesetzt würden. Überdies seien die von Landwirten verwendeten Mittel geprüft und zugelassen.

Zwar seien die betroffenen Flächen – 32 Hektar kreiseigenes und 18 Hektar städtisches Land – nicht sehr groß, sagte Kreislandwirt Brüggemeier. Durch die Signalwirkung sei aber zu befürchten, dass weitere Kommunen und Landeigentümer mit Verboten folgen. Ebenso wie Dedert forderte er Kreis und Stadt auf, »die nicht zielführenden Beschlüsse zurückzunehmen«.

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