Zwölf Hausärzte für 20.000 Einwohner – attraktive Rahmenbedingungen schaffen Gemeinde will Ärztemangel vorbeugen

Hiddenhausen (WB). Mit zwölf Hausärzten für knapp 20.000 Einwohner ist Hiddenhausen gut aufgestellt. Dieses positive Fazit zog Ansgar von der Osten von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KV) am Donnerstag im Rat. Was zu tun sei, damit dies in Zukunft so bleibt und wie die Politik dazu beitragen könne, wurde angeregt diskutiert.

Von Ruth Matthes
Noch gibt es in Hiddenhausen genügend Hausärzte. Doch wie geht es weiter, wenn in einigen Jahren die ersten in Rente gehen?
Noch gibt es in Hiddenhausen genügend Hausärzte. Doch wie geht es weiter, wenn in einigen Jahren die ersten in Rente gehen? Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Hiddenhausen liegt im Vergleich mit ganz Westfalen-Lippe in einem dünn mit Hausärzten versorgten Bereich. Die Gemeinde gehört zum Mittelbereich Herford, ebenso wie Spenge, Enger und Herford. Dessen Versorgungsquote beträgt nur 85,5 Prozent. Vor allem in der Kreisstadt sei die Überalterung der Ärzte hoch: Hier seien von 35 Allgemeinmedizinern fünf zwischen 60 und 64 Jahre alt, drei zwischen 65 und 69 und vier sogar schon 70 Jahre oder älter. Zudem fehlten jetzt schon sieben Ärzte, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten, so der Experte. In Hiddenhausen sind lediglich zwei der zwölf Mediziner zwischen 60 und 64 Jahre alt und nur einer ist zwischen 65 und 69 Jahre alt.

Gemeinschaftspraxis im Trend

»Positiv ist zu bewerten, dass Sie in Eilshausen, Oetinghausen und Sundern bereits Gemeinschaftspraxen haben«, erklärte von der Osten. Eine Umfrage unter Medizinstudenten habe nämlich ergeben, dass die 49 Prozent, die nicht in Kliniken oder in den öffentlichen Dienst wollten, eine Praxiskooperation bevorzugen würden. Gründe seien der mögliche Austausch mit Kollegen, die gegenseitige Vertretung und größere arbeitszeitliche Flexibilität wie zum Beispiel Teilzeit. Erfahrungsgemäß sei es daher für Gemeinschaftspraxen leichter junge Kollegen zu gewinnen.

Bei der Frage, was die angehenden Hausärzte dazu bewegen könne, in eine Kleinstadt zu ziehen, wurden Unterstützung bei der Kinderbetreuung, kostenlose Bereitstellung von Praxisräumen und Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz für den Ehepartner sowie Prämienzahlungen durch KV oder Krankenkassen genannt. Von der Osten ergänzte, die Gemeinde könne bei der Suche nach einem Bauplatz helfen, und müsse mit ihrer Lebensqualität werben.

Kontak zu Studenten

Dr. Marie-Luise Kluger, Leiterin des Gesundheitsamtes, berichtete, es sei vom Kreis geplant, eine Kooperationsstelle einzurichten, die klärt, wo Weiterbildungsassistenten unterkommen können. »Wichtig für die Nachfolgersuche ist, dass sich die Ärzte rechtzeitig in der Weiterbildung der Studenten engagieren und Praktika anbieten«, so Kluger. Das Klinikum habe vier Ausbildungsstellen für Hausärzte eingerichtet, die an Praxen angebunden sind, drei seien derzeit besetzt.

»Zudem ist es ein Glück, dass wir durch die Kooperation von Herford und Minden jetzt Studenten vor Ort haben, die Blockpraktika in heimischen Praxen machen«, so die Kinderärztin und Amtsleiterin. Die Hiddenhauser seien bei der Ausbildung von Studenten bereits sehr aktiv.

Kritik an KV

Kritik an der Rolle der Kassenärztlichen Vereinigung übte Ernoe Mehnert, Allgemeinmediziner aus Oetinghausen, der mit mehreren Kollegen zur Sitzung gekommen war. Er warf der KV vor, zum Beispiel durch die Reglementierung der zu verschreibenden Medikamente Ärzte dazu zu verdonnern, schlechtere Arznei zu verordnen. Zudem wehrte er sich gegen nicht bezahlte Hausbesuche. Dies wirke sich abschreckend auf junge Leute aus, die sich wie er den älteren Patienten widmen möchten, die nicht vom entlegenen Bauernhof in die Praxis kommen könnten.

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