Aquiles Rösner baut seit acht Jahren an Zweimaster für Reise nach Chile Elf-Tonnen-Boot zieht um

Hiddenhausen (WB). Ganz langsam zieht der Kran die Gurte an, das Schiff hebt sich. Es schwenkt zur Seite und wird auf dem Anhänger abgeladen. Das Boot von Aquiles Rösner »zieht um«. An anderer Stelle wird der Hiddenhauser daran weiterbauen.

Von Karin Koteras-Pietsch

Vor fast acht Jahren hat der heute 70-Jährige auf dem Gelände der Firma Gebrüder Scheidt Kartonagen in Herford damit begonnen, auf eigene Kosten ein Segelboot zu bauen (HK berichtete). Und eigentlich wollte er damit schon in diesem Frühjahr in See stechen. Doch daraus wurde vorerst nicht. »Am Ende des Geldes war noch so viel Boot zu bauen da«, erzählte er gestern. »Ich muss erst wieder sparen.« Deshalb habe er sich noch ein Jahr mehr Zeit geben müssen. Die Firma allerdings konnte ihm soviel Zeit nicht mehr geben, sie brauchte die Fläche auf ihrem Firmengelände selbst. So musste sich Rösner zwangsläufig einen neuen Platz suchen, an dem er seinen fast fertigen Zweimaster unterstellen und daran weiter bauen kann. In Falkendiek ist er fündig geworden. Und gestern stand nun der Transport an. Am Vormittag rollte Uli Faltus, dessen Firma auf Transporte von Booten spezialisiert ist, aus Delmenhorst mit seinem riesigen Transporter an.

Gleichzeitig war auch Holger Meyer aus Spenge mit seinem Kran vor Ort. »Die haben’s echt drauf. Da sitzt jeder Handgriff«, bewunderte Rösner die Arbeit der Männer, die er wie selbstverständlich tatkräftig unterstützte. Dicke, stabile Gurte wurden zunächst um den Schiffsrumpf gezogen. Daran zog der Kran das fast zwölf Meter lange Boot in die Höhe. 11,2 Tonnen hingen nun an Ketten und Schlaufen. »Doch so viel«, wunderte sich Rösner ein bisschen. Auf etwa neun Tonnen Gewicht hatte er sein Boot bis heute geschätzt. Ganz sachte schwebt das Boot hinüber zum Transporter und ebenso sachte wird es abgeladen. Immer wieder muss nur wenige Zentimeter nachgebessert werden. Etwas nach rechts, etwas mehr nach links. Dann endlich steht das Boot in der richtigen Position auf dem Anhänger. Bevor es los in Richtung Falkendiek gehen kann, muss das Schiff noch ausreichend gesichert werden.

Auf dem Hof eines Freundes in Falkendiek angekommen, musste das Schiff mit gleichem Aufwand wieder abgeladen werden. Nun kann es mit der Fertigstellung weitergehen. Aquiles Rösner möchte sein Boot, an dem er dann neun Jahre lang ganz allein gebaut hat, im Frühjahr in Lübbecke zu Wasser lassen.

»Von dort aus geht’s über die Kanäle in Richtung Ostsee«, erzählte er. »Dort werde ich erst einmal ein bisschen üben.« Ein erstes Ziel soll anschließend St. Petersburg sein. Und wenn das gut klappt, dann geht’s über den Atlantik nach Chile, der Heimat von Aquiles Rösner. Angst vor dieser Herausforderung habe er keine, »die bewältige ich bereits beim Bauen.«

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