Bürgerinitiative informiert über die neue Trasse durch Schweicheln Der Kampf um den Tunnel

Hiddenhausen(WB). In Schweicheln hat der Kampf um den Tunnel begonnen. Die Trassenführung einer neuen B 239 entlang der Bahnlinie, die mit dem Abriss von vermutlich 20 Häusern verbunden wäre, wird von den Anwohnern abgelehnt. Das ist das – wenig überraschende – Ergebnis einer Bürgerversammlung, zu der die Initiative »Wir für den Tunnel« eingeladen hatte.

Von Curd Paetzke
Foto: Bürgerinitiative

Der Platz im Treffpunkt Am Kartel reichte am Montagabend für die Zuhörer nicht aus, immer wieder mussten weitere Stühle hereingetragen werden. Wolfgang Schmidt, Sprecher der vor vier Jahren gegründeten Bürgerinitiative, die sich für ein nachhaltiges Verkehrskonzept für ganz Hiddenhausen einsetzt, wunderte sich: »Sonst kommen zu unseren Treffen nicht so viele Leute.«

»Zeitnahe Realisierung möglich«

Doch das ist jetzt anders. Seit der neue Bundesverkehrswegeplan vorliegt, geht es für Schweicheln – rundheraus gesagt – um Sekt (weniger Verkehr) oder Selters (noch mehr Verkehr). In dem jüngst veröffentlichten Entwurf des Bundesverkehrsministeriums ist eine 6,1 Kilometer lange und 36 Millionen Euro teure (neue) Bundesstraße 239 angedacht, die in Oberbehme auf Kirchlengeraner Gebiet beginnt und dann im weiteren Verlauf entlang der Bahntrasse durch Schweicheln geführt wird. Von einer Tunnelvariante durch den Schweichelner Berg ist in dem Bundesverkehrswegeplan überhaupt keine Rede mehr.

Das kann und will die Bürgerinitiative nicht hinnehmen. Deren Sprecher Wolfgang Schmidt erklärte am Montagabend auf der Versammlung: »Die Bahntrasse ist für Schweicheln die schlechteste Lösung. Dann rollt nämlich noch mehr Verkehr durch den Ort.« Eine dauerhafte Entlastung sei nur mit einem Tunnel zu erreichen. In einer Umweltverträglichkeitsstudie, die aus dem Jahr 2012 datiert, wird bestätigt, dass eine Tunnelvariante den geringsten Eingriff in die dicht bebaute Gemeinde bedeutet. Wolfgang Schmidt: »Ein Tunnel kann vor allem zeitnah realisiert werden.«

20 Häuser müssten weichen

Das kann von der Bahntrasse nicht gerade gesagt werden. Wie ein Anwohner ermittelt hat, müssten im Falle einer Realisierung vermutlich 20 Häuser abgerissen werden, 60 weitere Grundstücke seien davon betroffen. Zudem würden die Anlieger ihren Grund und Boden nicht freiwillig hergeben, sie müssten also enteignet werden. Wolfgang Schmidt: »Das dürfte daher zu etlichen Klagen vor Gericht führen – und die Verfahren würden sich über Jahre hinziehen.«

Natürlich: Der Bau eines Tunnels durch den Schweichelner Berg wäre eine überaus kostspielige Angelegenheit. Die Bürgerinitiative geht von 60 Millionen Euro aus, der Landesbetrieb Straßen NRW veranschlagt sogar 150 Millionen Euro, wie Wolfgang Schmidt erläuterte. Der Vorteil der Tunnelvariante lässt sich nach Einschätzung der Initiative in diesem Satz zusammenfassen: »Hierbei gibt es keine Verlierer.«

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.