Diskussion um Benennung des Archäologischen Fensters: Andreas Gorsler favorisiert Heilige, Mathias Polster nennt Gertrud II.
„Hardcore-Katholiken befürworten Pusinna“

Herford (WB) -

Die Realisierung des Archäologischen Fensters am Münster rückt näher. Im Frühjahr 2022 soll es fertig sein. Unterdessen gehen die Diskussionen über die Benennung weiter. Das Ganze erhält zunehmend den Charakter eines Glaubenskampfes.

Sonntag, 07.03.2021, 21:00 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 10:12 Uhr
Pusinna und Maria, umrahmt von zwei Bischöfen: Diese Darstellung findet sich im Münster. Die Frage: Soll nach der Heiligen Pusinna auch das Archäologische Fenster benannt werden?

Die Realisierung des Archäologischen Fensters am Münster rückt näher. Im Frühjahr 2022 soll es fertig sein. Unterdessen gehen die Diskussionen über die Benennung weiter. Vertreter des Geschichtsvereins favorisieren den Namen der Heiligen Pusinna. Doch es gibt auch Kritik. Stellvertretend für das Pro und Contra stehen zwei Stellungnahmen – eine vom Ratsherrn Andreas Gorsler, die andere vom Stadtführer Mathias Polster.

Gorsler, Christdemokrat und Katholik, räumt gegenüber den Kritikern ein: „Der Einwurf, dass das Leben der Heiligen Pusinna uns Heutigen nichts mehr sagt, trifft zu.“ Der Einwand betreffe aber alle mittelalterlichen Menschen. Diskussionswürdig ist für Gorsler, ob der Name alleine für sich stehen solle wie beim Marta oder ob ein Attribut – zum Beispiel „Denkmal am Pusinna-Stift“ oder „Archäologisches Fenster Reichsstift St. Pusinna“ – hinzutrete. Gerade der Verweis auf Reichsabtei oder Reichsstift werde Fremde neugierig machen.

Der geschichtskundige Ratsherr beschäftigt sich in seinem Pusinna-Plädoyer auch mit dem Kritiker-Argument, die Heilige sei uns zu fern geworden: „Die Gegenargumente lassen sich auch für den Vorschlag Pusinna wenden. Durch ihr Nachleben entfaltet sie durchaus jahrhundertelange Wirkung in Herford. Insofern irrt der verdienstvolle Polster. Sowohl das tausendjährige Stift wie auch seine Hauptkirche, besser als das Münster bekannt, tragen ihren Namen.“

Google führt stets nach Herford

Anschließend betont Andreas Gorsler den Aspekt des Alleinstellungsmerkmals: „Die weltweite (Google-)Suche nach Pusinna wird im Gegensatz zu Museum am Münster oder Stiftskirche oder Reichsabtei immer nach Herford führen.“ Allerdings nur fast, wie der Pusinna-Befürworter hinzufügt – denn sie verbinde uns mit ihrer Heimat in Nordfrankreich: „Ihr Geburtsort Corbie verweist auf Kloster Corvey („Neu-Corbie“), das Pendant zum Herforder Frauenstift.“ Danach wird der Christdemokrat zum Völkerverständiger: „Pusinna ist also nicht nur heute ein Politikum: Vive l‘amitié franco-allemande!“

In der Stellungnahme wird Stadtführer Mathias Polster erwähnt. Der Angesprochene nimmt die Angelegenheit sportlich – auch die Tatsache, dass Gorsler bei der Namensnennung auf einen Vornamen verzichtet: „Der Polster.“

In der Position Gorslers sieht er eine Tendenz, die von Herfords „Hardcore-Katholiken“ geteilt werde. Diese Haltung habe mit dem Glauben an die Kraft der Reliquien zu tun – und dass diese bis heute eine Bedeutung hätten: „Dass es nicht einfach nur Knochen sind, die irgendwann durch Europa geschleppt worden sind.“

Polster: „Ich glaube nicht an Wunder“

In den vergangenen Tagen hat Mathias Polster nach eigenen Angaben mit etwa 20 Personen wegen der Namensdiskussion Kontakt gehabt: „Es waren Leute, die sich von sich aus an mich gewandt haben.“ Laut Stadtführer ist der Tenor der Gespräche und E-Mails recht eindeutig – fast alle sprechen sich gegen den Namen Pusinna aus – mit Ausnahme der Katholiken.

Als ein Argument dagegen nennt Polster, kein Mensch kenne Pusinna. Von ihr sei nichts geblieben und an Wunder glaube er sowieso nicht. Er empfiehlt, sich von den Reliquien zu lösen und lieber nach Personen zu suchen, die Herford aktiv gestaltet hätten.

An erster Stelle fällt dem Stadtführer die Äbtissin Gertrud II. zur Lippe (erste Hälfte des 13. Jahrhunderts) ein: „Sie war die Gründerin der Stadt. Sie hat das Münster erbauen lassen.“

Wie Gorsler begrüßt Polster die Namens-Diskussion. Der Stadtführer fordert: „Man muss mehr Leute und Gruppen einbeziehen. Vor allem junge Menschen könnten so motiviert werden, im Geschichtsverein mitzumachen.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7855084?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Machtkampf zwischen Laschet und Söder spitzt sich zu
Markus Söder (r) und Armin Laschet kommen zu einer Pressekonferenz in Berlin.
Nachrichten-Ticker