Fälle in Minden-Lübbecke bestätigt – Bürger werden gebeten, tot aufgefundene Wasser- und Greifvögel zu melden
Gefahr von Geflügelpest im Kreis Herford steigt

Herford (WB) -

In einem Geflügelbestand in Preußisch Oldendorf im Kreis Minden-Lübbecke ist die Geflügelpest ausgebrochen. Das hat das Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit am Samstag bestätigt. Das hat auch Auswirkungen auf den Kreis Herford.

Sonntag, 07.03.2021, 16:06 Uhr aktualisiert: 07.03.2021, 19:24 Uhr
Für Geflügel gilt seit 3. März absolute Stallpflicht – auch bei Privatleuten. Foto: Raphael Steffen

Es handelt sich um die für Geflügel hochansteckende Form, der auch als Vogelgrippe bezeichneten Tierseuche (Influenza Virus A Subtyp H5N8).

Das Veterinäramt des Kreises Minden-Lübbecke hat die Tötung des Bestandes und alle weiteren notwendigen Maßnahmen veranlasst, um eine weitere Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern. So wurde dort ein Sperrbezirk (mindestens drei Kilometer Radius) und ein Beobachtungsgebiet (zehn Kilometer Radius) rund um den Ausbruchsbetrieb eingerichtet, in denen weitgehende Beschränkungen gelten. Der Sperrbezirk umfasst ausschließlich Gebiete des Kreises Minden-Lübbecke.

Das Beobachtungsgebiet berührt auch den Kreis Herford – und zwar Teile der Gemeinde Rödinghausen. Wie auch beim Sperrgebiet ist diese Zone nicht kreisrund, sondern folgt unter anderem Straßenzügen. Hier sind nach derzeitigem Wissenstand elf Geflügelhaltungen mit rund 400 Tieren ansässig – überwiegend Hobbyhaltungen.

Unabhängig von aktueller Seuchenlage und Standort der Tierhaltung sind alle Geflügelhalter grundsätzlich verpflichtet, ihre Tierhaltung bei der Tierseuchenkasse NRW und im Veterinäramt zu melden. Nur wenn diese Meldungen erfolgen, ist eine reibungslose Tierseuchenbekämpfung möglich und es besteht im Ernstfall Anspruch auf Leistungen der Tierseuchenkasse. Ein Meldeformular ist auf den Internetseiten der Tierseuchenkasse NRW und des Kreises Herford abrufbar.

Im Beobachtungsgebiet gelten Einschränkungen für Halter und Vermarkter von Geflügel, so darf zum Beispiel lebendes Geflügel weder in einen noch aus einem Bestand verbracht werden. Das gilt auch für Geflügelprodukte wie Fleisch und Eier aus Beständen dieser Zone. Für das Betreten von Ställen gibt es zahlreiche Hygieneauflagen. Sämtliche Regeln sind der Allgemeinverfügung im Internet zu entnehmen www.kreis-herford.de. Eine Karte, aus der ersichtlich ist, ob ein Gebäude oder eine Hofstelle in dem Beobachtungsgebiet liegt, findet sich ebenfalls im Internet. Das Beobachtungsgebiet wird durch die schraffierte Fläche dargestellt.

Die am 3. März erlassene Aufstallpflicht für den gesamten Kreis Herford gilt unberührt davon weiter und sollte zwingend beachtet werden. „Vergleichbar zur Corona-Pandemie, geht es auch bei der Vogelgrippe darum, direkte und indirekte Kontakte von gesundem Geflügel zu infizierten (Wild-)Vögeln und Beständen zu unterbinden, das Seuchengeschehen in den betroffenen Regionen einzudämmen und damit eine Weiterverbreitung zu verhindern“, erklärt Dr. Tanja Hochstetter, Leiterin vom Kreisveterinäramt.

Vor allem im norddeutschen Raum sind zwischenzeitlich tausende Wildvögel an dieser Virusvariante verendet. Von den aktuellen Ausbrüchen der Geflügelpest in Nutztierbeständen ist derzeit in erster Linie der Regierungsbezirk Detmold betroffen, so auch die Kreise Gütersloh und Paderborn.

Aufgrund der derzeitigen Seuchenlage ist auch bei Hobbyhaltungen eine tägliche Kontrolle der Tiere erforderlich. „Behalten Sie Ihre Tiere genau im Blick und wenden Sie sich bei Krankheitserscheinungen und plötzlichen Todesfällen rechtzeitig an eine Tierarztpraxis.“, so Hochstetter weiter.

Erhöhte Sterblichkeitsraten (mehr als zwei Prozent des Bestandes innerhalb von 24 Stunden) sowie rückläufige Legeleistungen sind unverzüglich dem Veterinäramt Herford zu melden. Von dort werden dann die labordiagnostischen Untersuchungen und alle weiteren tierseuchenrechtlichen Maßnahmen eingeleitet.

Theoretisch können alle Influenza-A-Viren, die beim Menschen auch für die Auslösung der saisonalen Grippe verantwortlich sind, auch vom Tier auf den Menschen übertragen werden. In Deutschland ist es jedoch bisher nicht zu einer Übertragung des aktuellen Geflügelpest-Virus vom Subtyp H5N8 auf den Menschen gekommen. Es handelt sich um einen Virustyp, der bereits seit Monaten in der Wildvogelpopulation kursiert und über den Vogelzug bereits zu Beginn des Winters nach Deutschland eingetragen wurde.

Für Personen, die keinen unmittelbaren Kontakt zu infizierten Tieren haben, ist das Geflügelpest-Virus keine Gefahr. Geflügelfleisch wird vor dem Verzehr erhitzt, so dass auch hier kein Übertragungsrisiko besteht.

Alle Bürger werden gebeten, tot aufgefundene Wasser- und Greifvögel zu melden. Diese Vogelarten gelten als Indikatortiere für die Tierseuche und werden zur Früherkennung labordiagnostisch auf das Virus untersucht.

Das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz des Kreises Herford ist bei Meldungen und Nachfragen zur Geflügelpest per E-Mail unter veterinaeramt@kreis-herford.de oder telefonisch unter der Nummer 05221/131641 erreichbar.

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