Herfords größter Drogenprozess: Geständige Angeklagte können auf Strafrabatt hoffen – „Butter“ liefert aus Holland
„Ja, die Vorwürfe stimmen“

Bielefeld/Herford (WB) -

Statt der ursprünglich angesetzten 17 Verhandlungstage könnte jetzt alles ganz schnell gehen: Im größten Drogenprozess der Herforder Geschichte sind alle drei Angeklagten geständig, 2019 und 2020 über das Dark­net mit Drogen gehandelt zu haben.

Donnerstag, 04.03.2021, 05:39 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 09:18 Uhr
Geständig: Hinten, hinter einem Aktenordner versteckt, der Kopf (31) des Trios mit seinen Verteidigern Frank Botterbusch (l.) und Martin Mauntel (r.), vorne ein Komplize (30) mit den Anwälten Franziska Janßen und Jerrit Schöll. Foto: Bexte

Mit ihrer Einlassung erhoffen sich die drei Herforder (31, 30, 28) einen Strafrabatt. Einer entsprechenden Verständigung stimmten sie und ihre Anwälte am Mittwoch, dem zweiten Prozesstag, zu, ebenso die Staatsanwaltschaft. Dennoch steht ihnen ein langer Gefängnisaufenthalt bevor. Der Vorsitzende Richter der 21. Großen Strafkammer am Landgericht Bielefeld, Marc Brüning, hatte individuelle Haftstrafen zwischen drei Jahren und neun Monaten bis zu sieben Jahren und drei Monaten in Aussicht gestellt – „wenn Sie hier ein glaubhaftes Geständnis ablegen“.

Als Erster machte der Drahtzieher des Online-Drogenhandels reinen Tisch. „Ja, die Vorwürfe der Anklage stimmen“, sagte der 31-Jährige. Er sei selbst Drogenkonsument gewesen, als er Anfang 2019 begonnen habe, über das Darknet Rauschgift zu verschicken. Sein Dealer aus Holland habe ihm das vorgeschlagen. Er habe als System-Techniker nicht so viel verdient, um die Sucht dauerhaft finanzieren zu können. Der Holländer, den er persönlich nur einmal getroffen haben will und der in der Szene unter dem Spitznamen „Butter“ agierte, habe ihn auf Kommission mit Drogen beliefert, die er dann über das Netz weiterverkauft habe.

Für Kokain habe „Butter“ 38.000 Euro pro Kilo in Rechnung gestellt, für Heroin 19.000 Euro, eben so viel für Chrystal Meth. „Ich war eigentlich immer in den Miesen.“ Über den Weiterverkauf habe er die Schulden abgetragen und dabei auch verdient. Richter Brüning beziffert seinen Gewinn von Frühjahr 2019 bis Februar 2020 auf 65.000 Euro. Davon, aber auch mit Drogen, habe er dann seine Komplizen bezahlt. Alle Drei sitzen seit Mai in U-Haft.

Auch wenn es bezüglich der Haftstrafen zu einer Verständigung kommt, geht es auch um viel Geld. Schließlich sollen die Dealer etwa 600.000 Euro eingenommen haben. Beträchtliche Summen konnten die Ermittler sicherstellen – etwa 50.000 Euro in Bitcoin beim Kopf der Bande. Aber dürfen die jetzt einbehalten werden? „Die Zurechenbarkeit jeder Teilsumme zum jeweiligen Angeklagten dürfte schwierig werden“, sagte Richter Brüning. Die Staatsanwaltschaft lehnt eine Einbeziehung dieser strittigen Frage in die Verständigung ab.

Der Haupttäter will die Einnahmen aus dem Drogenversand komplett in Bitcoin an seinen Lieferanten in die Niederlande transferiert haben und mit Bargeld bezahlt worden sein. Aussagen eines ermittelnden Finanzexperten sowie die Einlassungen der Angeklagten dürften für die Bewertung letztlich maßgeblich sein.

Durch sieben Testkäufe war das BKA dem Trio auf die Spur gekommen . Verteidiger Jerrit Schöll gab zu bedenken, dass zwei Drittel der mehr als 2750 angeklagten Taten unter Beobachtung der Ermittlungsbehörden stattgefunden hätten. „Man hätte viele Taten vorzeitig verhindern können.“ Der Prozess wird am 24. März fortgesetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7847984?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Heftiger Schlagabtausch über Corona-Notbremse im Bundestag
Kanzlerin Angela Merkel möchte im Bundestag die Corona-Notbremse beschließen.
Nachrichten-Ticker