Herforderin soll Service-/Trainer- und Verwaltungspauschale zahlen – Verbraucherzentrale: „Forderung genau prüfen“
Ärger mit dem Fitness-Studio

Herford (WB) -

Silke Schrader-Schulz ärgert sich über das Fitness-Studio im Altstadt-Center. „Ich habe eine Mahnung bekommen, obwohl ich ja gar nicht trainieren kann.“

Donnerstag, 25.02.2021, 06:00 Uhr
Silke Schrader-Schulz hat ihre Mitgliedschaft nach zwei Jahren gekündigt – so sehr ärgert sie der Brief des Fitness-Studios. „So geht man doch nicht mit Kunden um. Wir haben in der Pandemie alle zu kämpfen“, sagt die 44-Jährige. Foto: Moritz Winde

Denn wegen der Pandemie müssen Hanteln und Stepper seit Wochen ungenutzt bleiben – so sehen es die behördlichen Anordnungen vor. Klar, dass Fitness-Studios zu den größten wirtschaftlichen Corona-Verlieren gehören und vermutlich einige Einrichtungen vor der Insolvenz stehen.

Für Silke Schrader-Schulz sei das aber kein Grund, Beiträge weiter abzubuchen. Deshalb habe sie die Einzugsermächtigung gestoppt.

Vor wenigen Tagen flatterte ihr dann ein Schreiben der Mucki-Bude ins Haus, das bei ihr für große Verwunderung sorgte – und die 44-Jährige ordentlich in Rage brachte. „Zahlungserinnerung“ stand dort in fetten Lettern im Briefkopf. Und im Text: „Im Rahmen der Service-/Trainer- und Verwaltungspauschale wird aktuell ein deutlich höherer Service- und Verwaltungsaufwand im Hintergrund geleistet. Daher wird diese, wie vertraglich vereinbart, abgebucht und ist nicht erstattungsfähig.“

Es sei ein deutlich höherer Service- und Verwaltungsaufwand im Hintergrund geleistet worden, heißt es in der Zahlungserinnerung.

Es sei ein deutlich höherer Service- und Verwaltungsaufwand im Hintergrund geleistet worden, heißt es in der Zahlungserinnerung. Foto: Moritz Winde

Die Herforderin wird aufgefordert, 19,99 Euro – davon sollen 10 Euro Stornogebühren sein – innerhalb von fünf Tagen zu überweisen.

Welcher „deutlich höhere Service- und Verwaltungsaufwand“ werde denn erbracht?, möchte die Mitarbeiterin im Paritätischen Wohlfahrtsverband gerne wissen. Eine telefonische Antwort sei nicht zu bekommen gewesen, auf Mails werde nicht reagiert. Auch Anfragen dieser Zeitung ließ Geschäftsführer Christian Pullen bislang stets unbeantwortet.

Carolin Semmler, Juristin bei der NRW-Verbraucherzentrale, rät Fitness-Studio-Mitgliedern, solche Forderungen genau zu prüfen. „Beziehen sich die Pauschalen auf Zeiträume, in denen das Studio geschlossen war, dann wurden in dieser Zeit keine Leistungen seitens des Studios erbracht, die bezahlt werden müssten. Und wenn doch, wäre es interessant zu wissen, welche das konkret sein sollen.“

Die Anwältin empfiehlt Betreibern, das Gespräch mit den Kunden zu suchen. „Wenn man sich mit Augenmaß begegnet, wird man in den meisten Fällen sicher eine Lösung finden, mit der beide Seiten leben können.“

Unklar ist, ob das Studio im Altstadt-Center bleibt. Der Eigentümer hatte noch Anfang Januar gesagt, der Auflösungsvertrag zu Ende März sei unterschrieben. Hat diese Aussage Bestand? Dazu wollte er sich in dieser Woche nicht äußern.

Bleibt das Fitness-Studio? Zum aktuellen Stand wollte sich der Eigentümer des Altstadt-Centers nicht äußern.

Bleibt das Fitness-Studio? Zum aktuellen Stand wollte sich der Eigentümer des Altstadt-Centers nicht äußern. Foto: Moritz Winde

Das rät die Verbraucherzentrale

Wer sein Fitness-Studio wegen Corona nicht nutzen kann, weil es ganz geschlossen ist, der muss für die Zeit nicht zahlen, sagt die NRW-Verbraucherzentrale. Grundsätzlich müssen nur für die Zeiten Beiträge in voller Höhe gezahlt werden, in denen der per Vertrag versprochene Service auch in vollem Umfang nutzbar war.Wurde der Vertrag jedoch vor dem 8. März 2020 geschlossen und der Beitrag bereits bezahlt, gilt die so genannte „Gutscheinlösung“. Verbraucher müssen dann – an Stelle der direkten Rückerstattung der Beiträge – alternativ einen Wertgutschein in Höhe der Beiträge akzeptieren.Manche Studios bemühen sich aber auch konstruktiv um Lösungen, wie beispielsweise ein Online-Fitness-Angebot oder eine kostenlose Verlängerung des Vertrags im Gegenzug für die ausgefallenen Corona-Monate. Sollte es finanziell machbar sein, sind solche Angebote durchaus akzeptabel. Es gibt aus Sicht der Verbraucherzentrale jedoch keine Verpflichtung für die Kunden, auf solche Offerten einzugehen.Ordentliche Kündigungen zum Ende der jeweiligen Vertragslaufzeit sind weiterhin möglich. Wichtig ist hierbei, dass die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist eingehalten und auch nachgewiesen werden kann.

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