Herfords Hauptwache muss um- oder neugebaut, Personal soll aufgestockt werden
Feuerwehr braucht Millionen

Herford (WB) -

Herford muss massiv in die Feuerwehr investieren. Um die Schutzziele im neuen Brandschutzbedarfsplan erreichen zu können, sind personelle, materielle und bauliche Veränderungen unumgänglich. Das kostet Millionen.

Samstag, 06.02.2021, 06:00 Uhr
Die Hauptwache in der Werrestraße liegt in einem Überschwemmungsgebiet. Laut Gutachten gibt es jede Menge bauliche Mängel, die es zu beseitigen gelte. Foto: Moritz Winde

Was bereits durchgesickert und von dieser Zeitung berichtet, ist nun offiziell: Die Feuerwehr kann die vorgegebenen Hilfsfristen nicht dauerhaft sicherstellen – weder in der Innenstadt, noch in den Außenbezirken. Zwar sei festzustellen, dass die 160 aktiven ehrenamtlichen Kräfte gut aufgestellt seien, heißt es. Aber: Aus beruflichen Gründen – oft liegen die Arbeitsplätze außerhalb Herfords – und durch verändertes Freizeitverhalten, komme es zu geringen Unterdeckungen.

Deshalb soll die hauptamtliche Wache kurzfristig von sieben auf neun Funktionsstellen aufgestockt werden. Das heißt: 50 statt 40 Feuerwehrleute würden dann Dienst tun – und müssten natürlich bezahlt werden. 2020 beliefen sich die Personalkosten auf 4,1 Millionen Euro. „Es käme dann eine halbe Million dazu. Gut angelegtes Geld. Es geht um die Sicherheit der Menschen“, sagt Bürgermeister Tim Kähler.

Weil damit das Problem in den Außenbereichen aber nicht gelöst wäre, drängt der 52-Jährige weiter auf eine interkommunale Zusammenarbeit mit Bielefeld. Die dortige Wache Nord an der Herforder Straße in Baumheide soll weiter Einsätze in Stedefreund übernehmen. Doch eine solche vertragliche Vereinbarung und die Beteiligung an den Betriebskosten hatte die Bezirksregierung abgelehnt, weil sich jede Kommune selbst um den Brandschutz kümmern müsse.

Tim Kähler hat kein Verständnis für diese Rechtsauslegung und will dagegen vorgehen: „Eine eigene Wache in Stedefreund zu bauen, das wäre Steuerverschwendung.“ In Stedefreund hatte es im letzten Jahr lediglich zwei Brände gegeben – einen brennenden Misthaufen und ein Auto in Flammen.

Generell stellt der Bürgermeister „seiner“ Feuerwehr ein gutes Zeugnis aus. „Der Brandschutz ist sichergestellt. Wir wollen nur noch besser werden.“ Versäumnisse habe es nicht gegeben, betont er auf Nachfrage.

Allerdings: In der Hauptwache, in der auch die Löschgruppe Mitte zu Hause ist, listet das Gutachten, das lange unter Verschluss gehalten wurde , etliche Defizite auf: kritische Zuwegung zum Innenbereich (führt maßgeblich zu einer Verlängerung der Ausrückzeiten), keine Abgasanlage für Kleinfahrzeuge, Laufwege zu Fahrzeugen sind nicht frei von Stolperfallen, fehlende Werkstatt- und Büroräume sowie Lagerkapazitäten, Kfz-Werkstatt sanierungsbedürftig, Brandschutzmängel im Gebäude, bei Hochwasser Überschwemmungsgefahr, diverse funktionale und hygienische Mängel in den Umkleiden. Und der Keller stand bei Starkregen regelmäßig unter Abwasser, weil die Kanäle überliefen.

Es besteht also dringender Handlungsbedarf. Die wichtigste Frage, mit der sich die Politik nun beschäftigen muss: Soll die Hauptwache saniert, umgebaut oder an einem anderen Standort neu gebaut werden? Letztlich wird diese Entscheidung aber auch von den Ergebnissen des Rettungsdienstbedarfsplans abhängen. Die Bestandsaufnahme wird im Laufe des Jahres erwartet. Dann wird klar, was baulich in Elverdissen – in der Wache gibt‘s Platz-Probleme – getan werden muss.

Wachleiter Michael Stiegelmeier hält die Werrestraße als Feuerwehr-Zentrale für geeignet. Ein Neubau sei aus seiner Sicht nicht wirtschaftlich zu vertreten. „Wir reden von ein bis zwei Minuten, die uns in die Außenbereiche fehlen.“ Um diese Lücken mit Freiwilligen zu schließen, will die Verwaltung eine Image-Kampagne starten und stellt Vergünstigungen in Aussicht.

Zudem sollen die Jugendfeuerwehr ausgebaut und eine Kinderfeuerwehr gegründet werden. Trotz aller Anreize dürfte es schwierig werden, viele neue Mitglieder zu gewinnen. „Wir werden uns in den nächsten Jahren über eine Berufsfeuerwehr unterhalten müssen“, prognostiziert Kähler.

Kommentar von Moritz Winde

 

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In vier Löschgruppen sind 160 Freiwillige. Die Stadt Herford will verstärkt in die Anwerbung neuer Mitglieder investieren.

In vier Löschgruppen sind 160 Freiwillige. Die Stadt Herford will verstärkt in die Anwerbung neuer Mitglieder investieren. Foto: Moritz Winde

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