Mann gerät offenbar zufällig in „Montags-Spaziergang“ und wird von Polizei „eingekesselt“
„Ich wollte doch nur Deo kaufen“

Herford (WB) -

Klassischer Fall von zur falschen Zeit am falschen Ort: Ein Herforder ist nach eigenen Angaben von Polizei und Ordnungsamt in der Innenstadt eingekesselt worden.

Donnerstag, 04.02.2021, 05:54 Uhr aktualisiert: 04.02.2021, 06:00 Uhr
Auf dieser Höhe der Lübberstraße haben Polizei und Ordnungsamt den Protestzug aufgelöst. Foto: Moritz Winde

„Sie warfen mir vor, zu einer illegalen Versammlung zu gehören. Dabei war ich nur auf dem Weg zum Rossmann, um Deo zu kaufen.“

Offenbar geriet der 51-Jährige, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, durch Zufall zwischen die Fronten. Er sei am Montagabend gegen 18 Uhr auf der Lübberstraße in Richtung Altstadt-Center unterwegs gewesen.

In Höhe des Kiosks hätten ihn plötzlich die Scheinwerfer eines Autos – es war wohl ein Streifenwagen – geblendet. „Dann kamen sechs Uniformierte auf mich zu. Auch von der anderen Seite sah ich Polizisten. Die riegelten die Straße ab.“

Er sei völlig perplex gewesen, habe nicht gewusst, was los sei. Hatte er Angst? „Angst nicht unbedingt. Aber ein schönes Gefühl war es ganz bestimmt auch nicht.“ Auf die Frage, was er denn gemacht haben soll, habe ihm eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes unterstellt, an einer illegalen Versammlung teilzunehmen. In dem Bereich seien noch geschätzt zehn andere Leute gewesen. Einige hätten Laternen getragen. „Die haben Klamauk gemacht. Aber ich kannte die gar nicht.“

Wie sich später auf Nachfrage bei der Polizei herausstellte, haben die Behörden den so genannten Montags-Spaziergang aufgelöst. Seit einigen Wochen zieht montags etwa ein Dutzend mutmaßlicher Corona-Leugner durch die Herforder Innenstadt. Nach Informationen dieser Zeitung soll der jüngste Protestzug von einem AfD-Mitglied organisiert worden sein.

Bereits eine Woche zuvor sei gegen mehrere Teilnehmer auf dem Rathausplatz ein Bußgeld wegen des Verstoßes gegen das Versammlungsverbot verhängt worden, sagt Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier. So weit sei es diesmal nicht gekommen, weil eine Gruppe nicht zweifelsfrei auszumachen gewesen sei. Das Ordnungsamt aber habe neun Ordnungswidrigkeiten-Anzeigen wegen Nicht-Einhaltung der Corona-Schutzverordnung geschrieben, sprich: Sie hätten keine Maske getragen und den Abstand nicht eingehalten.

Auch der 51-Jährige, der offenbar zufällig in die Kontrolle geriet, wird wohl ein Knöllchen bekommen. „Ich hatte in der Tat vergessen, meinen Mundschutz zu tragen, hatte ihn aber griffbereit.“ Er sei davon ausgegangen, die Maskenpflicht in der Fußgängerzone sei am 31. Januar ausgelaufen. Und ein Schild sei ihm nicht aufgefallen.

Pikant: Der Mann sagt, er sei von der Berliner Straße über den Hinterhof der Kneipe Töff Töff auf die Lübberstraße gelangt. Tatsächlich hängt an diesem Zugang kein Hinweis darauf, dass Passanten Mund und Nase bedecken müssen. Der 51-Jährige überlege nun, ob er sich juristisch beraten lasse. Prinzipiell fühle er sich von den Behörden überrumpelt. Das habe er auch Bürgermeister Tim Kähler wissen lassen. Für ihn stehe fest: „Mein Deo kaufe ich nun woanders.“

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