Sanierungskonzept sieht gute Chancen für einen Neustart
Archimedes: Die Töchter sollen es richten

Herford (WB) -

Die Archimedes Facility Management GmbH hat trotz Kündigung des wichtigsten Großkunden und einer Insolvenz in Eigenverantwortung gute Chancen, weiter am Markt bestehen zu können. Zu diesem Ergebnis kommt ein Sanierungskonzept unabhängiger Wirtschaftsberater.

Mittwoch, 03.02.2021, 05:12 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 05:20 Uhr
Die Archimedes-Flaggen wehen weiter im Wind. Wirtschaftsprüfer attestieren dem Unternehmen gute Chancen. Foto: Moritz Winde

Es basiert auf der Jahresbilanz 2019, dem letzten Jahr vor der fristlosen Vertragskündigung durch die Westfalen Weser Netz GmbH (WWN). In diesem Jahr schloss die Holding bei einem von 132 Mitarbeitern erzielten Jahresumsatz in Höhe von 24,6 Millionen Euro mit einem Gewinn von 774.830 Euro ab – der fiel damit sogar um 16,7 Prozent höher aus als im Vorjahr.

Corona und Kündigung zogen dem florierenden Unternehmen ein Jahr später den Boden unter den Füßen weg. Geschäftsführer Marc Euscher möchte sich gegenwärtig nicht zum schwelenden Verfahren mit der WWN äußern und verweist auf eine gerichtliche Prüfung, für die es allerdings noch keinen Termin gebe. In zwei „Nachtragsberichten“ lassen jedoch sowohl das Unternehmen als auch die Wirtschaftsprüfer keinen Zweifel an der „existenzbedrohenden Schieflage“ aufkommen, die durch die Kündigung hervorgerufen worden sei.

Mit dem Ausfall der WWN büße die Archimedes GmbH drei Viertel ihres Jahresumsatzes ein. Vor Gericht würde es also um einen Streitwert in Höhe von 18,5 Millionen Euro gehen. Archimedes möchte das Insolvenzverfahren in diesem Jahr abschließen. Im sanierten Unternehmen soll das operative Geschäft komplett auf die fünf Tochterunternehmen übertragen werden – das wären die Momente GmbH (Herford), die Greve Ingenieure Gmbh (Osnabrück), die Sander Ingenieure GmbH (Paderborn), die Archimedes Industriebau GmbH (Herford) und die Archimedes Technik GmbH (Herford). Wegen Corona und den Restrukturierungskosten geht Marc Euscher in der Jahresbilanz von zwei weiteren Verlustjahren aus, die ihn jeweils 2,7 Millionen Euro kosten werden. Die Defizite sollen durch weitere Sparmaßnahmen im laufenden Betrieb und die Veräußerung nicht mehr benötigten Anlagevermögens finanziert werden, nicht durch Kredite. Dank einer 35 Prozent hohen Eigenkapitalquote ist Archimedes mit einem äußerst stabilen Immunsystem in das Insolvenzverfahren gegangen.

Die von der WWN monierte Aufsplittung der Aufträge auf verschiedene Tochterunternehmen wird bei Archimedes bereits seit dem Jahr 2017 praktiziert und ist in jeder seitdem veröffentlichten Jahresbilanz nachzulesen. Mit der Teilausgliederung des operativen Geschäftes versuchte die Archimedes GmbH eine Bürde zu stemmen, die sie seit der Firmengründung 1998 mit sich herumträgt. Denn Archimedes hat damals nicht nur das für ein Facility-Management erforderliche Fachpersonal von den Elektrizitätswerken Minden Ravensberg (EMR) übernommen, sondern auch deren Pensionsansprüche. Die schlagen aktuell mit 9,7 Millionen Euro zu Buche, das entspricht 28,5 Prozent der Bilanzsumme.

Um sie stemmen zu können, musste Archimedes im Jahr 2019 1,7 Millionen Euro aus dem Finanzergebnis abzwacken. Das sind 925.170 Euro mehr als der erwirtschaftete Gewinn.

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