BKA fasst mutmaßliche Dealer-Bande aus Herford – im Darknet 600.000 Euro umgesetzt – Prozess ab 10. Februar
22,7 Kilo Drogen per Post versandt

Herford (WB/bex) -

Die Drogen verschickten sie auf Bestellung per Post: 1,6 Kilo Heroin, 3,7 Kilo Kokain, 4 Kilo Amphetamine, knapp 8 Kilo Haschisch, fast 7000 Ecstasy-Pillen, mehr als 1400 LSD-Trips und, und, und...

Dienstag, 02.02.2021, 05:06 Uhr
Der Drogenhandel wurde auch über einen Server in einer ehemaligen Bundeswehrkaserne an der Mosel abgewickelt. Foto: Frey

Drei Männer aus Herford müssen sich von kommender Woche an wegen bandenmäßigen Drogenhandels vor dem Landgericht Bielefeld verantworten. Mit Blick auf die Mengen handelt es sich um einen der größten Drogenprozesse in der Herforder Geschichte, wenn nicht gar um den allergrößten.

Dabei ist der Herforder Tatkomplex nur ein kleiner Teil eines riesigen Drogenhandels im Darknet, den das BKA 2019 ausgehoben hatte und der zu Prozessen auch an anderen Gerichten führt(e). Zentrale Plattform im Darknet war der sogenannte Wall Street Market. Er wurde vom holländischen Internet-Provider CyberBunker von einem unterirdischen Rechenzentrum in der ehemaligen Bundeswehr-Kaserne Mont Royal in Rheinland-Pfalz aus betrieben. Über diese Website, später dann über andere Darknet-Plattformen, soll das Herforder Trio 2019/20 mit so gut wie sämtlichen auf dem Markt verfügbaren Drogen einen Versandhandel betrieben haben.

Die in Holland eingekaufte Ware soll in einer Herforder Wohnung gelagert und verpackt worden sein. Im Angebot war neben den üblichen Rauschgift-Arten auch das verschreibungspflichtige Arzneimittel Ketamin sowie die neue Psycho-Droge 2-CB.

Haupttäter war laut Anklage ein 31-jähriger Herforder. Er soll die Drogen und das Verpackungsmaterial beschafft und das mit dem Onlineshop erwirtschaftete Geld (Bitcoins) verwaltet haben. Er habe die Arbeiten der anderen Angeklagten überwacht, diesen die eingegangenen Bestellungen übersandt und die fertigen Päckchen dann mit seinem Auto zum Briefzentrum an die Bielefelder Straße gebracht. In der Ablage der Fahrertür soll dabei stets eine Schreckschusswaffe mit Magazin griffbereit gelegen haben.

Ein zweiter Angeklagter soll seine Herforder Wohnung für die Lagerung und Kommissionierung der Drogen zur Verfügung gestellt haben. Die Bestellungen brachte der 30-Jährige dann teilweise selbst zum Briefzentrum. Zum Schutz vor Diebstahl soll er einen Revolver mit Munition in seinem Kleiderschrank im Schlafzimmer aufbewahrt haben. Bei einer Durchsuchung waren auch Drogen sichergestellt worden.

Der Dritte im Bunde, ein 28 Jahre alter Herforder, soll Ende Oktober 2019 in den Drogenhandel eingestiegen sein. Er hat sich laut Anklage um die Verwaltung des Versandhandels und die Kundenbetreuung gekümmert. Er habe die Nachrichten und Beschwerden von Käufern beantwortet und entgegengenommen und die Bestelllisten in der Wohnung des 30-jährigen Komplizen abgearbeitet, also dort die Betäubungsmittel verpackt. Auch er soll Bestellungen zum Briefzentrum gebracht haben. Alle Drei sitzen seit Mai 2020 in U-Haft. Beim illegalen Handel soll das Trio von zwei Mittätern unterstützt worden sein. Sie werden gesondert verfolgt.

Die Anklage listet für den Zeitraum von Ende August 2019 bis Ende Februar 2020 2756 Einzelverkäufe mit einer Gesamtmenge von mehr als 22,7 Kilogramm Drogen auf. Durch den Verkauf sollen die Angeklagten 211.642 Euro eingenommen haben, der mutmaßliche Kopf der Bande mit einem gesondert verfolgten Mann weitere 374.719 Euro.

Der Prozess am Landgericht beginnt am 10. Februar.

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