Kommentar zum geplanten Umzug der Hochschule für Kirchenmusik von Herford nach Bochum
Die Stunde der Protestanten

Herford (WB) -

Die Vision einer Einbettung der kirchenmusikalischen Ausbildung in den Campus der größten evangelischen Hochschule in Deutschland hat Charme, das wird auch in Herford niemand in Frage stellen. Doch die damit verbundenen Kosten dürften hier schmerzhafter zu spüren sein als irgendwo sonst.

Montag, 01.02.2021, 07:30 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 13:36 Uhr
Wenn die Herforder Protestanten die Hochschule für Kirchenmusik in ihrer Stadt behalten wollen, müssen sie der Landeskirche von Westfalen ein Angebot unterbreiten, das sie nicht ablehnen kann, meint unser Auto im Kommentar. Foto: Jürgen Gebhard

Die Impulse der Hochschule für Kirchenmusik sind Sonntag für Sonntag in den Gottesdiensten hörbar, wenn sie virusbedingt nicht gerade geschlossen sind. Und zwar nicht nur in den evangelischen Kirchen des Kreises Herford, sondern auch in jenen Lippes, Minden-Lübbeckes, Bielefelds, Halles, Güterslohs, Paderborns und Höxters. Überall dort, wo Studenten der Hochschule einspringen, wenn bei Trauungen, Beerdigungen oder Konzerten klassische Kirchenstücke erklingen sollen.

Wenn die Landeskirche den Hochschulstandort Herford schließt, dann wird es über kurz oder lang leise in den Kirchen unserer Region – mit allen daraus folgenden Konsequenzen.

Ebenso nachvollziehbar wie die Herforder Einwände sind die Motive, die zu den Umzugsplänen der Evangelischen Landeskirche von Westfalen geführt haben. Als eine von drei oder vier Landeskirchen in Deutschland hält sie trotz schrumpfender Kassenbestände überhaupt an der Ausbildung in klassischer Kirchenmusik fest.

Falls sie dem Antrag des Herforder Pfarrers Bodo Ries folgt und sich noch ein wenig Zeit vor einer Entscheidung nimmt, wäre das die Stunde der Herforder Protestanten. So wie beim Erhalt der Paulskirche in Bünde oder der Rettung der historischen Kirchen in Gütersloh sind jetzt Bürger gefragt, die klassische Musik in der Kirche nicht nur genießen, sondern sie auch fördern, vielleicht in Form einer Stiftungsprofessur.

Der Kirchenkreis wiederum könnte prüfen, ob er einen Teil seines Vermögens nicht in einer denkmalgeschützten Immobilie anlegen möchte. Stadt und Kreis sind bei der Suche nach alternativen Standorten gefordert.

Solch einen Posaunenstoß aus Herford dürfte die Landeskirche kaum überhören.

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