Eine Zusammenlegung mit der Pop-Akademie Witten wird schon seit drei Jahren geprüft
Herford kämpft um die Hochschule

Herford (WB) -

Ohne die Synode des evangelischen Kirchenkreises wüssten die 25 angehörenden Gemeinden gar nicht, dass die seit 1949 in Herford ansässige Hochschule für Kirchenmusik akut bedroht ist. Doch es gibt noch eine Rettungsmöglichkeit.

Montag, 01.02.2021, 05:30 Uhr aktualisiert: 01.02.2021, 12:06 Uhr
Seit 1949 werden an der Parkstraße Kirchenmusiker ausgebildet. Das möchte die Landeskirche von Westfalen jetzt ändern Foto: Moritz Winde

Superintendent Dr. Olaf Reinmuth hat die Umzugspläne der Landeskirche von Westfalen auf die Tagesordnung setzen lassen – und ermöglichte es den Gemeinden so überhaupt erst einmal, einem Neubau in Bochum zu widersprechen.

Bodo Ries plädiert für einen Erhalt der kirchenmusikalischen Ausbildung in Herford.

Bodo Ries plädiert für einen Erhalt der kirchenmusikalischen Ausbildung in Herford. Foto: Moritz Winde

Von Kirchenmusikdezernent Dr. Vicco von Bülow erfuhren sie erstmals, dass schon seit drei Jahren über eine Zusammenlegung mit der 2016 geschaffenen Pop-Akademie in Witten beraten wird. Die Stadt Herford habe der Landeskirche schon vor einem Jahr angeboten, die Hochschule auf den Bildungscampus zu verlegen. Das aber sei gescheitert, weil für einen 13 bis 16 Millionen Euro teuren Neubau keine Fördermittel hätten gewonnen werden können.

Die Hochschule für Kirchenmusik zählt zum Sondervermögen der Evangelischen Landeskirche von Westfalen, sie betreibt die Schule auch. So teuer wie in Herford würde wohl auch ein Neubau auf dem Campus der evangelischen Fachhochschule in Bochum, inklusive Auf- und Abbau der Orgelinstrumente. Zu den Kosten einer Renovierung der Herforder Immobilie wurde während der Synode nichts mitgeteilt.

Der Kirchenkreis hat auch schon auf die Pläne reagiert. In einem Schreiben an die Landeskirche hatte der Vorstand vor hohen „Kollateralschäden“ im Falle einer Verlegung der Herforder Hochschule gewarnt.

Dr. Vicco von Bülow erläutert die Vorteile eines Umzugs der Hochschule in einen Neubau in Bochum.

Dr. Vicco von Bülow erläutert die Vorteile eines Umzugs der Hochschule in einen Neubau in Bochum. Foto: Moritz Winde

Superintendent Dr. Olaf Reinmuth: „Die Auflösung der Herforder Hochschule würde gut fünf Jahre dauern, der Aufbau einer völlig neuen Hochschule auf der grünen Wiese würde fünf bis zehn Jahre in Anspruch nehmen. In dieser Zeit des Umbruchs würde sich kein Student mehr bei uns einschreiben.“

Diesen Gedanken vertiefte der Herforder Pfarrer Bodo Ries in einem neun Punkte umfassenden Plädoyer, die Hochschule in Herford zu belassen. Er zeigte am Beispiel des aus Wuppertal stammenden, in Herford ausgebildeten und mittlerweile als Kantor in Paderborn arbeitenden Tim Gärtner auf, wie intensiv sich die Arbeit der Hochschule auf die Gemeinden in der Region auswirke: „Wenn die Hochschule umzieht, gibt es bald Kirchenmusik in den Gottesdiensten in Bochum, aber keine Kirchenmusik mehr in den Gottesdiensten in Herford und Umgebung.“

Zwei im Online-Chat von Gemeindemitgliedern an von Bülow gestellte Fragen ließen den Handlungsspielraum aufblitzen, den es jetzt noch gibt. Nein, die Landeskirche habe bisher keine Idee, mit welchen anderen „landeskirchlichen Aktivitäten“ der Verlust der Hochschule im Kreis Herford zu kompensieren sei. Und, ja, falls der Kirchenkreis der Landeskirche ein „ernst gemeintes“ Angebot zur Fortführung der Hochschule in Herford unterbreite, das über einen günstigen Kredit hinausgehe, werde ein Umzug sicher noch einmal geprüft.

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