Recyclingbörse Herford baut alten Kaufland um – Bonitas will Mutterhaus an der Heidestraße kaufen
Second-Hand-Kaufhaus eröffnet am 3. März

Herford (WB) -

Die Tage der Recyclingbörse an der Heidestraße sind gezählt – zumindest was Annahme und Verkauf angeht. In fünf Wochen, am 3. März, schlägt der Verein ein neues Kapitel auf. Dann öffnet das Second-Hand-Kaufhaus im alten Kaufland an der Kiebitzstraße seine Türen.

Montag, 25.01.2021, 06:00 Uhr
Willkommen in der neuen Börse: Geschäftsführer Claudio Vendramin rollt die ersten Waren in den ehemaligen Supermarkt an der Kiebitzstraße. Foto: Moritz Winde

Geschäftsführer Claudio Vendramin freut sich diebisch auf diesen Termin. Seit Oktober dreht er mit seinem Team den seit Langem leer stehenden Supermarkt auf links. „Alles wird heller, großzügiger, moderner und endlich barrierefrei“, sagt der 61-Jährige. Die Treppen haben im Stammsitz immer wieder für missmutige Kunden gesorgt – oder ließen sie ganz wegbleiben. Klar, dass die Börse mit der Ebenerdigkeit auf dem 4500-Quadratmeter-Areal gehörig punktet.

Die neue Ausstellungsfläche ist mit 1400 Quadratmetern fast doppelt so groß wie die jetzige, sodass die Waren angemessen präsentiert werden können. Aus der eher provisorisch wirkenden Fundgrube wird ein Shopping-Paradies für Preis- und Umweltbewusste. Auch das zeitweilige Verkehrschaos wird es am neuen Standort nicht mehr geben. „Wir haben 75 Parkplätze. Und die Container sind wir ja auch los“, sagt Claudio Vendramin.

Um das Altpapier kümmert sich zukünftig ausschließlich die SWK. Bekanntlich zieht der Wertstoffhof auf dasselbe Grundstück an der B239. Bis die beiden jedoch Nachbarn sind und voneinander profitieren können, dauert es sicher noch ein Jahr. Die Stadt hatte die Immobilie inklusive Grundstück für drei Millionen Euro gekauft.

Die Umkleiden sind bereits fertig. Hier können die Kunden die Kleidung anprobieren.

Die Umkleiden sind bereits fertig. Hier können die Kunden die Kleidung anprobieren. Foto: Moritz Winde

Der Arbeitskreis bleibt bei der Renovierung der eigenen vier Wände seiner Philosophie – der Wiederverwendung aussortierter Dinge – treu. So stammen die Bodenbeläge aus Hotels, Büros und Flughäfen, 120 Fenster und 25 Türen wurden aus den Kasernen auf dem Stiftberg übernommen. Trotzdem verschlingt die Sanierung eine Viertel Million Euro. Wände müssen gezogen, Fluchttunnel geschaffen und Kabel verlegt werden: Arbeiten, die laut Vorschrift Profis erledigen müssen.

In der Heidestraße 7 entstand 1984 die erste Recyclingbörse. Kernziele der Gründer, zu denen auch Grünen-Politiker Vendramin gehört, sind bis heute nicht nur die Vermeidung von Müll durch Re- und Upcycling, sondern auch die Reintegration von Langzeitarbeitslosen.

Mittlerweile ist die Börse in sechs Städten vertreten und gibt 150 Menschen einen Job. Im vergangenen Jahr sank der Umsatz coronabedingt zwar auf 469.604 Euro (2019 waren es 503.491 Euro). Doch der Trend zu nachhaltigem Einkaufen sei ungebrochen, sagt Vendramin. Trotz der Pandemie besuchten 2020 den Herforder Standort 46.136 Kunden.

Auch beim eigenen Umbau wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. Die Fenster stammen aus der Kaserne auf dem Stiftberg.

Auch beim eigenen Umbau wird auf Nachhaltigkeit gesetzt. Die Fenster stammen aus der Kaserne auf dem Stiftberg. Foto: Moritz Winde

Ob der Verein das Mutterhaus behält, ist offen. Bonitas-Gesellschafter Lars Uhlen – der Hauptsitz des Pflegedienstes ist nebenan – will es kaufen. Er hatte bereits der Börse das gegenüberliegende Gebäude abgekauft. Ob Uhlen wieder zum Zug kommt, darüber sollen die Mitglieder am 4. Februar abstimmen.

Claudio Vendramin: „Einerseits macht es sicher Sinn, alles an einem Standort zu bündeln. Andererseits fällt das Haus dann als Refinanzierung weg.“ Die Pacht in der Kiebitzstraße kostet monatlich 9500 Euro.

Seit Jahren fordert der Verein, vom Kreis bezuschusst zu werden. „Die Vorbereitung zur Wiederverwertung – also das, was wir hier machen – ist Teil des Abfallwirtschaftskonzeptes. Dieser Auftrag muss ausgeschrieben werden“, sagt Claudio Vendramin. Sollte die Recyclingbörse den Zuschlag erhalten (sehr wahrscheinlich mangels Konkurrenz), würde sie ein bis zwei Euro pro Jahr pro Einwohner erhalten. Doch der Kreis Herford mache bislang keine Anstalten, sich dieses Themas anzunehmen. Die Verwaltung äußerte sich auf Anfrage nicht.

Das Mutterhaus: Der Pflegedienst Bonitas hat für die Immobilie ein Kaufangebot abgegeben.

Das Mutterhaus: Der Pflegedienst Bonitas hat für die Immobilie ein Kaufangebot abgegeben. Foto: Moritz Winde

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