Diskussion um Gottesdienst in Neuapostolischer Kirche trotz Corona-Pandemie
Vorsteher schlägt Verzicht vor

Herford (WB) -

Die Herforder Gemeinde der Neuapostolischen Kirche wird am 17. Januar aller Voraussicht nach keinen Präsenzgottesdienst abhalten. Dies hat Gemeindevorsteher Dirk Pfau gegenüber dem HERFORDER KREISBLATT erklärt. Eine definitive Entscheidung solle am Mittwochabend fallen.

Montag, 11.01.2021, 17:22 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 18:10 Uhr
Die Neuapostolische Kirche an der Hermannstraße in Herford: Während die Bezirksleitung Gottesdienste für den 17. Januar ankündigt, will die Gemeinde erst am Mittwoch entscheiden. Foto: Hartmut Horstmann

Die Herforder Gemeinde, die ihren Sitz an der Hermannstraße hat, gehört zum Bezirk Herford. Dieser ist weitgehend identisch mit den Grenzen des Kreises Herford – allerdings gehören noch Gemeinden aus Bad Oeynhausen und Bad Salzuflen dazu.

Auf der Homepage der Neuapostolischen Kirche liest sich die Haltung zu Präsenzgottesdiensten allerdings anders. So schreibt Bezirksvorsteher Michael Block: „Nach dem freiwilligen Verzicht auf die Durchführung von Gottesdiensten seit Weihnachten finden ab dem 17. Januar in allen Gemeinden des Kirchenbezirks Herford sonntags wieder Präsenzgottesdienste statt.“

Aufgrund dieser Aussage hatte das HK am Montag berichtet, an der Hermannstraße finde am Sonntag ein Präsenzgottesdienst statt.

Allerdings hat die Vorgabe, so schnell wie möglich wieder Präsenzgottesdienste zu veranstalten, für die einzelnen Gemeinden offenbar keinen verpflichtenden Charakter. „Ich gehe davon aus, dass wir uns anders entscheiden“, sagt Dirk Pfau. Dabei führt er an erster Stelle den ökumenischen Gedanken an: „Es wäre komisch, wenn wir das machen und die evangelischen und katholischen Gemeinden nicht.“ In der aktuellen Situation gebe es kein richtig oder falsch, zudem habe die Neuapostolische Gemeinde ein sehr anspruchsvolles Sicherheitskonzept, erklärt Evangelist Pfau. Doch sei sein Eindruck, dass die Herforder Gemeinde mehrheitlich dafür sei, keinen Präsenzgottesdienst zu veranstalten.

Ich gehe davon aus, dass wir uns anders entscheiden.

Evangelist Dirk Pfau, Vorsteher der Herforder Gemeinde

Seit 2014 ist Pfau Vorsteher der Herforder Gemeinde. Diese verfüge über insgesamt 500 Mitglieder – darunter 140 bis 150 aktive. Das Gotteshaus an der Hermannstraße verfügt über etwa 1100 Plätze. Unter Corona-Bedingungen durften an den Gottesdiensten bis zu 140 Personen teilnehmen.

Die Gemeinde Enger/Spenge hat sich laut Pfau bereits gegen einen Präsenzgottesdienst am 17. Januar ausgesprochen. Die Herforder wollen morgen noch einmal beraten. Neben dem ökumenischen Gedanken spielt auch die Entwicklung des Inzidenzwertes eine entscheidende Rolle. Pfau: „Wenn der 200er-Wert erreicht wird, wird es bei uns keinen Gottesdienst geben.“

Ein anderer Aspekt, der bei den Überlegungen eine Rolle spielt, hat mit den Vorfällen in der Freikirchlichen Gemeinde Jesu Christie in Falkendiek zu tun. Hier hatte die Polizei einen Gottesdienst aufgelöst – mit der Begründung, die Teilnehmer hätten gegen die Corona-Bestimmungen verstoßen. Pfau sieht die Gefahr, dass alle Kirchen in der öffentlichen Wahrnehmung über einen Kamm geschoren werden – für ihn ein weiteres Argument, den Verzicht auf einen Präsenzgottesdienst am kommenden Sonntag zu favorisieren.

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