Landwirte sind sauer: Winterfans rodeln und bauen Schneemänner auf Feldern am Sender – Polizei vor Ort
„Das gefährdet unsere Ernte“

Herford (WB) -

Die Straße am Herforder Sender ist zugeparkt. Etliche Schnee-Fans sind am Wochenende auf den Feldern unterwegs, rodeln und bauen Schneemänner. Die Überreste davon sind trotz Tauwetters noch am Montag zu erkennen. Das Verhalten der Bürger ärgert die Landwirte, denn die Böden und Pflanzen leiden. Schließlich rufen sie sogar die Polizei.

Montag, 11.01.2021, 19:05 Uhr aktualisiert: 11.01.2021, 19:11 Uhr
Jede Menge Schneemänner stehen auf den Feldern am Sender. Landwirte machen jetzt mit Schildern darauf aufmerksam, dass das verboten ist. Foto: Kathrin Weege

„Ich kann wirklich gut verstehen, dass die Leute angesichts der ganzen Einschränkungen raus in die Natur wollen. Es kann aber nicht sein, dass sie dabei Privatgrundstücke und Felder betreten und die Ernte gefährden“, ärgert sich Hermann Dedert, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Herford/Bielefeld. Am Wochenende hätten ihn vier, fünf Berufskollegen angerufen, dass zahlreiche Bürger auf den Feldern Schneemänner bauen . Besonders stark betroffen war der Bereich um den Sender. Einige Bauern haben sich direkt am Wochenende auf den Weg gemacht und Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen, dass das Betreten, Rodeln, Schneemannbauen oder Hundausführen strengstens verboten ist.

Dedert ärgert sich über das rücksichtslose Verhalten: „Die Bürger schrecken die Tiere auf den Flächen auf und vertreiben sie. Außerdem beschädigen sie die Pflanzen in dem weichen Boden und lassen zu allem Überfluss dann auch noch ihren Müll liegen.“

Zig Schneemänner stehen auf diesem Feld.

Zig Schneemänner stehen auf diesem Feld. Foto: Kathrin Weege

Es sei durchaus denkbar, dass das Wintergetreide so stark beschädigt worden ist, dass das Feld neu eingesät werden muss. „Aktuell ist es dafür aber viel zu nass und die eigentlich geplante Frucht kann dann sowieso nicht mehr gesetzt werden. Für einen Hektar kommen da schnell 300 Euro zusammen“, sagt Dedert, der selber einen landwirtschaftlichen Betrieb in Hiddenhausen hat.

In den vergangenen Jahren habe er von solchen Vorkommnissen nichts mitbekommen. Zum einen wohl, weil es wenig Schnee gab, zum anderen aber auch, weil es die Leute da nicht so stark nach draußen gezogen habe wie jetzt in der Pandemie.

Anwohner und Landwirte riefen sogar die Polizei. „Wir waren im Bereich des Senders vor Ort. Wir haben die Bürger auf den Feldern darauf angesprochen, dass sie sich auf Privatgelände befinden. Im Gespräch konnte die Angelegenheit geregelt werden, die Bürger waren einsichtig“, sagt Polizeisprecherin Julia Dowe. Sie bestätigt, dass die Straßen stark zugeparkt waren. „Man konnte aber noch durchkommen.“

Die Ausflügler kamen nicht nur aus dem Kreis Herford, Autos mit Osnabrücker und anderen Kennzeichen wurden ebenfalls am Straßenrand abgestellt. Im Internet in einer Herforder Facebook-Gruppe kursierte ein Drohnen-Video – Titel: „Winterwonderland direkt vor der Haustür #nowinterberg“.

Kommentar

Ja, es ist verständlich, dass die Bürger ganz besonders im Corona-Winter raus in die Natur wollen und den Schnee genießen möchten. Es ist gut, dass sie nicht in die Wintersportgebiete wie das Sauerland fahren. Doch bestellte Felder zu betreten und die Ernte der heimischen Landwirte zu gefährden, das geht gar nicht! Die Flächen sind Privateigentum. Was würden Sie sagen, wenn plötzlich die Nachbarschaft käme und den eigenen Garten inklusive der Beete zum Wintersport nutzen würde? Das möchte auch niemand.

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