Prozess um Schüsse auf Bordell: Freier (64) soll gezündelt haben, um Prostituierte zum Auszug zu drängen
Aus Liebesfrust auch Feuer gelegt?

Herford (WB) -

Es scheint ein ganz spezielles Verhältnis zwischen dem Detmolder Renter und der Prostituierten der „Moonlight“-Bar gewesen zu sein.

Dienstag, 12.01.2021, 05:45 Uhr aktualisiert: 12.01.2021, 05:50 Uhr
Der Rentner sitzt seit vergangenem Juni in Untersuchungshaft. Am Landgericht wird ihm der Prozess gemacht. Foto: Bexte

Im Prozess vor dem Landgericht Bielefeld wegen der Schüsse auf das Bordell stand am Montag ein zweiter Tatkomplex im Mittelpunkt: eine mutmaßliche Brandstiftung am Haus in Bünde, in dem die heute 49 Jahre alte Bardame damals wohnte.

Der 64 Jahre alte Lipper ist angeklagt, Ende 2018 auf das Bordell an der Lübbecker Straße in Herford geschossen zu haben. Bei konkret zwei Schüssen steht der Vorwurf eines möglichen Tötungsdeliktes im Raum. Motiv soll die verschmähte Liebe des Landwirts zu der Rumänin gewesen sein. Wenige Tage zuvor soll der Freier ausgerastet sein, als er bei einem Besuch im „Moonlight“ erfahren habe, dass sich „seine“ Bardame mit drei anderen Männern in ein Zimmer zurückgezogen habe. Weil bei dem Wutanfall unter anderem Gläser zu Bruch gingen, erhielt er Hausverbot.

Zwei Monate zuvor war die Prostituierte in ein Haus in Bünde-Ennigloh eingezogen, das der Rentner für seine Söhne gekauft haben will. Dort wohnte sie mit ihrem Bruder, zwischenzeitlich auch mit einer anderen Bardame aus Rumänien. Anfang 2019 gab es immer wieder Polizeieinsätze vor Ort, weil die Bewohner offenbar Streit mit ihrem Vermieter hatten.

200 Euro und regelmäßiger Sex: So habe sie die Miete bezahlt, hatte die Prostituierte angegeben. Zuneigung sei nicht im Spiel gewesen. „Er hat uns eingesperrt und mehrfach mit einem langen Messer bedroht.“ Damit soll er auch Jalousiengurte durchgeschnitten haben.

Bei einer dieser Drohsituationen habe er ihr gestanden, die Schüsse auf das Bordell in Laar abgegeben zu haben. „Er hat gesagt, wenn ich nicht gehorche, werde es mir ergehen wie dem Gewehr, mit dem er auf die Bar geschossen habe: Das habe er mit der Flex zersägt und ins Wasser geworfen.“ In einer Drohsituation sei sie gemeinsam mit ihrer rumänischen Kollegin durch ein Fenster geflüchtet.

Am 6. März 2019 soll er ihnen dann die Kündigung überreicht haben. Möglicherweise um dem Nachdruck zu verleihen, soll er laut Anklage vier Tage später Feuer in einer der beiden Garagen am Haus gelegt haben. Holz und alte Putzlappen waren in Flammen aufgegangen, die Feuerwehr konnte eine weitere Ausbreitung verhindern. „Eine technischer Defekt kann ausgeschlossen werden“, sagte ein Brandermittler der Herforder Polizei als Zeuge. Er habe vor Ort Benzingeruch wahrgenommen. Ein unscharfes Video auf dem Handy des Bruders der Prostituierten soll den Rentner in Tatortnähe zeigen. Bei einer anschließenden Fahndung wurde er in Lippe aufgegriffen – mit einem geöffneten Benzinkanister und aufgeschraubtem Einfüllstutzen in seinem Auto.

Am 24. März 2019 drangen Polizisten dann durch ein Fenster in das Haus in Bünde ein, da die Tür verbarrikadiert war. In einem Topf auf der Küchenarbeitsplatte stand eine brennende Kerze. Ein Versuch, eine Explosion herbeizuführen? Ausströmendes Gas konnte nicht festgestellt werden. Die Rümänin und ihr Bruder zogen kurz danach aus.

Der Rentner bestreitet die Schüsse und die Brandstiftung. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt.

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