Jessica Koppes Zeichnungen sind demnächst auf einem Bildschirm in der Innenstadt zu sehen
Nacktheit sorgt für Aufregung

Herford (WB) -

Der Herforder Verein Kulturbeutel lädt die Innenstadt-Besucher zum Schaufenster-Fernsehen ein.

Samstag, 09.01.2021, 05:05 Uhr aktualisiert: 09.01.2021, 05:10 Uhr
Jessica Koppe beim Aufhängen einer Zeichnung in der Treppenhaus-Galerie: Die Ausstellung ist beendet, doch einige Arbeiten werden bald an anderer Stelle in der Herforder Innenstadt gezeigt. Foto: Horstmann

 

Wer sich ärgert, dass er die Präsentation „Mit Gefühl“ nicht gesehen hat, kann das Versäumte bald nachholen. Derzeit sei sie dabei, einige Bilder für die Videopräsentation einzuscannen, sagt die Mindenerin.

Für Gesprächsstoff hatten im Elsbachhaus ihre Zeichnungen nackter Frauenkörper gesorgt. Es gebe Menschen, die dies als Pornografie bezeichnen, sagt sie. Als verstörend werde möglicherweise die Behandlung des Themas Schwangerschaft angesehen. Aber Koppe kann daran nichts Verwerfliches entdecken: „Die Vagina ist für mich ein Teil des Frau- und Mutterseins.“ Dass sich eine werdende Mutter neugierig mit ihren körperlichen Bedingungen beschäftige, sieht sie als Schritt zu einem selbstbestimmten Leben.

Andere gingen mit der Thematik nicht so selbstverständlich um. Die Zeichnungen hingen in der Treppenhausgalerie im Elsbachhaus – und Roger Oldemeyer vom Verein Kulturbeutel weiß von einigem Ärger und erzählt, immer wieder seien Bilder umgedreht worden: „Ich habe sie dann wieder richtig aufgehängt.“

Die Künstlerin, die diese Zeichnungen erstmals öffentlich gezeigt hat, betont: „Ich hätte mit den Leuten, die sich ärgern, gerne diskutiert.“ Auch der Kulturbeutel sieht das so – doch seien wegen Corona keine Veranstaltungen möglich gewesen, bedauert Oldemeyer.

Vom 23. Oktober bis zum Jahresende waren die Arbeiten im Elsbachhaus zu sehen. Hausherr und WWS-Geschäftsführer Magnus Kasner bestätigt, dass die Zeichnungen „dem einen oder anderen nicht so gut gefallen haben“. Es habe mehr kritische Stimmen als sonst gegeben, aber: „Wir hatten auch positives Feedback.“

Dass Kunst Reaktionen hervorrufe, sei Teil des Konzeptes, für inhaltlich problematisch habe er die Bilder nicht erachtet: „Was ich gesehen habe, wird durch die Kunstfreiheit gedeckt.“ Einen Grund, die Zeichnungen vorzeitig abhängen zu lassen, sah Kasner daher nicht.

Und der Kulturbeutel bietet der Künstlerin die Möglichkeit, die kontrovers diskutierten Zeichnungen ein weiteres Mal zu präsentieren – und zwar im Rahmen der Aktion Roter Punkt. Derzeit sind die Initiatoren damit beschäftigt, Innenstadt-Schaufenster mit Bildschirmen auszustatten. In Zeiten, in denen die Museen geschlossen sind, erhalten die Künstler in den Fenstern der Geschäfte ein neues Forum.

Wie für die Treppenhausgalerie ist der Verein Kulturbeutel auch für den Roten Punkt verantwortlich. Für den Fall, dass es hinsichtlich der Koppe-Zeichnungen Diskussionsbedarf geben sollte, sagt Roger Oldemeyer: „Wenn Corona es zulässt, werden wir ein öffentliches Künstlergespräch anbieten.“ In der nächsten Woche will der Kulturbeutel die Schaufenster-Route auf einem Flyer vorstellen.

Eine der Zeichnungen, die mehrfach umgedreht oder abgehängt wurden.

Eine der Zeichnungen, die mehrfach umgedreht oder abgehängt wurden.

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