Von der kommenden Woche an sitzen Herforder Schüler wieder nur zu Hause an ihren Rechnern
Erst mal aus dem Bett kommen

Herford -

Zum Schulstart in der kommenden Woche rechnet Realschuldirektor Karsten Heumann erst einmal mit einem Datenstau in der Breitbandleitung. Im Distanzunterricht klicken nicht nur 7000 Schüler aus den Grund- und weiterführenden Schulen Herfords auf die verschiedenen Lernplattformen im Internet ein, sondern alle Schüler in Nordrhein-Westfalen und darüber hinaus.

Donnerstag, 07.01.2021, 19:30 Uhr
Zurück an den Laptop. Das Foto zeigt Herforder Otto-Hahn-Realschüler in einem „Quarks“-Beitrag vom 10. Dezember aus der WDR-Mediathek. Foto: WDR

Zoom, Teamer, das Landesprogramm Logineo oder Big Blue Button - seit dem ersten Lockdown im März sind an den Herforder Schulen verschiedene Plattform-Varianten installiert worden, die Distanz-Unterricht von der ersten Klasse bis zum letzten Leistungskurs ermöglichen sollen. Heikel-ster Punkt ist und bleibt dabei der Datenschutz. Heumann: „In ihrer Pressekonferenz hat Bildungsministerin Yvonne Gebauer ja festgestellt, dass es besser sei, gewisse Risiken beim Datenschutz einzugehen als komplett auf digitalen Fernunterricht zu verzichten. Ich denke, dass ist eine pragmatische Sichtweise.“

Unter den verschiedenen Plattform-Varianten genießt die des Koblenzer Start-Up-Unternehmens „Sdui“ in Herford den höchsten Zuspruch - elf Schulen haben dafür inzwischen Lizenzen beantragt.

Hoher Datenschutzstandard, geschützte Einzel- und Gruppenkommunikation, versendbare Anhänge, Chatfunktion, Einbeziehung der Eltern und all‘ das auch über das Handy - eine Schule zahlt 500 Euro für die Lizenz, ein Schüler 1,45 Euro für das Herunterladen der App. Dafür verzichtet „Sdui“ auf jede Form von Werbung. Die Stadt Solingen hat gleich sämtliche 42 Schulen der Kommune damit ausgerü-stet.

Der Erfolg könnte im zweiten Lockdown zum Problem werden. Unternehmensangaben zufolge arbeiten inzwischen bundesweit 2500 Schulen mit der Plattform. Ob der Server ab Montag mit dem gleichzeitigen Zugriff aus allen Landesteilen zurechtkommt, wird nicht nur in Herford mit Spannung erwartet.

Falls es haken sollte, wird das nicht an den Richtfunk- und Breitbandanschlüssen der Herforder Schulen zum Rathaus liegen. Kai Wilkening hat im Bildungsdezernat der Stadt den Stand der Digitalisierung an Schulen im Blick: „Diese Verbindungen sind nur für Lehrer und Lerngruppen wichtig, die weiter von ihren Schulen aus im Distanzunterricht arbeiten. Für die Schüler dürfte die Qualität der eigenen Hausanschlüsse entscheidend sein.“

Ebenso wichtig für den Lernerfolg im Distanzunterricht ist für Rektor Heumann aber auch, dass sich seine Schüler überhaupt morgens früh zur ersten Stunde an ihre Rechner setzen. Darum halte die Otto-Hahn-Realschule am regulären Stundenplan fest. Das heißt, am Morgen fragt der Lehrer in einer Daumen-hoch-Abfrage erst einmal ab, ob auch alle da sind. Falls jemand krank ist, müssen ihn die Eltern nach wie vor telefonisch morgens im Schulsekretariat vom Unterricht abmelden - ansonsten fragt das Sekretariat bei den Eltern nach. Heumann: „Damit es in der Abfrage nicht langweilig wird, bekommen alle zunächst eine Warm-Up-Aufgabe. Danach geht es dann richtig los.“

Die Schulen fragen in diesen Tagen ab, wie viele Schüler das Betreuungsangebot nutzen wollen. Über das Ergebnis wird die Stadt laut Auskunft von Sprecherin Susanne Körner erst in der kommenden Woche informieren können. Das Friedrichs-Gymnasium weist auf seiner Homepage darauf hin, dass Lehrer nur im Distanzunterricht, nicht aber in der Notbetreuung von Fünft- und Sechstklässlern eingesetzt werden.

Als kleine Aufsteh-Motivation kann die Geschichte der Sdui-Gründer dienen. Die Schüler haben die App erfunden und entwickelt, um früh morgens rechtzeitig informiert zu werden, falls mal wieder Unterricht ausfällt. Um in diesem Fall länger schlafen zu können...

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