Nach aufgelöstem Gottesdienst soll Gemeinde hohe Strafen zahlen
Herforder Freikirche wehrt sich gegen Bußgeld

Herford (WB) -

Es geht um 32.750 Euro. So viel Bußgeld fordert die Stadt Herford von der Gemeinde Jesu Christie und ihren Mitgliedern. Die Freikirche will die Corona-Strafen allerdings nicht bezahlen.

Donnerstag, 07.01.2021, 03:00 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 07:42 Uhr
Pastor Andrej Kukshaus sagt: „Wir haben alle Masken getragen und Abstände eingehalten.“ Foto: Moritz Winde

Zwar sind die 112 Bescheide noch nicht zugestellt, der Bielefelder Anwalt Dr. Lutz Klose kündigt jedoch an: „Wir werden Einspruch einlegen.“ Der Jurist machte sich am Mittwochmorgen einen Eindruck von den Räumlichkeiten auf dem Homberghof – das Gebetshaus liegt etwas versteckt in einem Wald – und hörte sich die Version der deutsch-russischen Gemeinde an.

Die weicht gänzlich von den Darstellungen der Behörden ab. Anders als von der Polizei behauptet, habe man zwar einen Gottesdienst gefeiert, sich dabei aber an die Infektionsschutzregeln gehalten, sagt Pastor Andrej Kukshaus. Alle 156 Teilnehmer hätten Maske getragen – und auch die Sicherheitsabstände seien jederzeit eingehalten worden.

Um die Menge zu entzerren, sei die Predigt in einen zusätzlichen Raum übertragen worden. Die Musik sei vom Band gekommen, man habe nicht lauthals gesungen.

Können Fotos oder Videos diese Darstellung belegen? „Während der Gottesdienste sind Handys verboten“, sagt Mit-Organisator Aleksandr Spenst. Allerdings gibt der 36-Jährige zu, dass formell einige Dinge sicher nicht richtig gelaufen seien. „Wir hatten keine Anwesenheitsliste und kein angemeldetes Hygienekonzept. Das bedauern wir im Nachhinein sehr.“

Mehr als 20 Polizisten hatten am Samstagabend die Versammlung aufgelöst, nachdem die Leitstelle einen Hinweis aus der Nachbarschaft erhalten hatte.

Die Freikirche kritisiert den Einsatz der Beamten. „Plötzlich wurde wie wild an die Fensterscheiben gehämmert. Wir wussten gar nicht, was los war, glaubten zunächst an einen Überfall. Unsere Kinder und Frauen hatten große Angst“, sagt Aleksandr Spenst.

Gemeinsam mit dem Pastor sei er dann nach draußen gegangen und habe versucht, die emotionale Situation zu klären. „Dabei wurde unser Prediger mehrfach von einem Polizisten geschubst.“ Solche Szenen sind tatsächlich auf Bildern der Überwachungskamera zu sehen. Anwalt Lutz Klose sagt, er wolle prüfen, ob man rechtliche Schritte einleiten werde. Herfords Polizeisprecher Uwe Maser sagt, der Polizist habe lediglich die Abstandsregeln durchgesetzt.

Pastor Kukshaus will sich für die Durchführung des Gottesdienstes zwar nicht entschuldigen, schlägt aber versöhnliche Töne an: „Wir bedauern es, dass wir vielen Menschen Angst gemacht haben. Uns ist an einem friedlichen Miteinander gelegen.“

Ob die Gemeinde (5000 Euro) sowie die 111 Mitglieder (je 250 Euro) das verhängte Bußgeld wirklich bezahlen müssen, wird wohl ein Gericht entscheiden.

Anwalt Dr. Lutz Klose im Gespräch mit Aleksandr Spenst, Mit-Organisator des Gottesdienstes.

Anwalt Dr. Lutz Klose im Gespräch mit Aleksandr Spenst, Mit-Organisator des Gottesdienstes. Foto: Moritz Winde

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