Land weist nitratbelastete Agrarflächen aus: Weil Grenzwerte überschritten sind, darf nur bedingt gedüngt werden
Viele Landwirte im Kreis sehen plötzlich rot

Herford (WB) -

Bis zum 30. Dezember war für die Ackerbauern die Welt noch in Ordnung. „Dann haben wir diese neue Karte gesehen und waren völlig überrascht“, sagt Kreislandwirt Hermann Dedert aus Hiddenhausen.

Mittwoch, 06.01.2021, 05:45 Uhr aktualisiert: 06.01.2021, 10:10 Uhr
Die Düngung mit Stickstoff – zum großen Teil geschieht dies über den Austrag von Gülle – ist in den rot markierten Gebieten nur noch eingeschränkt möglich. Auch der Kreis Herford ist davon erheblich betroffen. Die Landwirtschaftskammer wird die Einhaltung der neuen Düngeordnung überwachen. Foto: Lanuv

Wie angekündigt, hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) zum Jahresende mit Blick auf die Nitratbelastung eine Gebietskulisse für die neue Düngeverordnung vorgelegt. „Anders als bei allen anderen Karten zuvor waren plötzlich große Bereiche im Kreis Herford rot markiert, vor allem in Bünde, Kirchlengern, Löhne und Vlotho“, erläutert Dedert.

Rot bedeutet: hohe Belastung des Grundwassers mit stickstoffhaltigem Nitrat. Dazu muss an einer Messstelle der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter überschritten sein. Ist dies der Fall, darf künftig nur noch begrenzt gedüngt werden. „Ja, es gibt eine Messstelle in Bünde, wo der Wert knapp über 50 liegt, aber mit sinkender Tendenz. Auch an der Warmenau in Spenge gab es leicht erhöhte Werte. Warum jetzt ein so großer Bereich rot markiert ist, verstehen wir jedoch nicht“, sagt Dedert. „Wir sind uns der Nitrat-Problematik bewusst und wollen an der Lösung mitwirken, aber diese Gebietsauweisung erscheint uns nicht plausibel.“ Er sei in der Kooperation Landwirtschaft-Wasserwirtschaft im Kreis Herford aktiv. „Da war von dieser angeblich großflächigen Belastung nie die Rede.“

Die heimischen Landwirte wollten jetzt recherchieren, wie das Lanuv zu diesem Ergebnis gekommen ist. Er selbst sei zwar nicht betroffen, aber für viele Kollegen könnte die Ausweisung als nitratbelastetes Gebiet gravierende Folgen haben. Denn die jetzt festgelegte Kulisse ist vorläufig bindend. Unter anderem darf in den markierten Gebieten künftig nur noch mit 80 Prozent der laut Bedarfsermittlung erforderlichen Stickstoffmenge gedüngt werden – mit Auswirkungen auf Menge und Qualität des Ernteertrages. Auch die Düngung nach der Ernte im Herbst für Zwischenfrüchte ist weitgehend untersagt.

Das NRW-Umweltministerium macht auf Anfrage keine Angaben zur konkreten Situation im Kreis Herford. Ein Sprecher hat aber eine mögliche Erklärung, warum weite Teile des Kreises auf der Karte plötzlich rot gefärbt sind. Ursache ist eine neue Forderung der EU-Kommission: Erstmals sind auch Teilflächen in bislang unbeanstandeten Grundwasserkörpern als belastet auszuweisen, wenn an einer einzelnen Messstelle Grenzwertüberschreitungen auftreten. „Auf diese Weite sind 70.000 Hektar belastete Gebiete neu in die Karte aufgenommen worden“, heißt es aus dem Umweltministerium – darunter vermutlich auch größere Flächen im Kreis Herford.

Kurios: Die als nitratbelastet ausgewiesene Gesamtfläche in NRW hat sich gegenüber einer Ermittlung von Anfang 2020 nach der Neuberechnung um 70 Prozent auf nur noch 350.000 Hektar verringert – knapp ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Hoffnung auf schnelle Veränderung gibt es für die betroffenen Landwirte nicht. „An den jetzt veröffentlichten Karten wird sich bis zur Düngesaison nicht mehr viel ändern“, erklärt Staatssekretär Dr. Heinrich Bottermann. Bis spätestens Ende Februar würden alle Details feldblockscharf ausgewiesen.

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