Der Herforder Denis Kudat hilft der Jugend dabei, die Corona-Maßnahmen zu verstehen – 1,3 Millionen Follower
Ein Bundespolizist als TikTok-Star

Herford (WB) -

„Influencer“ nennt Denis Kudat sich selbst nicht. Um den Einfluss, den er auf seine mehr als eine Million Follower auf der sozialen Plattform TikTok hat, weiß er aber und versucht verantwortungsvoll damit umzugehen. Der aus Herford stammende Bundespolizist hilft der Genration Z dabei, die Corona-Maßnahmen und andere Ereignisse wahrzunehmen und zu verstehen – in zugänglichen Kurzvideos.

Montag, 04.01.2021, 11:04 Uhr aktualisiert: 05.01.2021, 11:06 Uhr
Dieses Gesicht wird auf der Straße erkannt. Dem aus Herford stammenden Denis Kudat folgen seit Dezember auf TikTok 1,3 Millionen junge Menschen. Seine Videos drehen sich um die Polizei, Corona oder auch Sport.

„Viele Jugendliche wollen informiert werden, finden aber keine altersgerechten Quellen“, erklärt Denis Kudat sich seinen rasanten Erfolg auf TikTok. Mit Informationsvideos hat der Bundespolizist innerhalb eines Jahres eine unglaubliche Reichweite aufgebaut: 1,3 Millionen Follower. Zunächst sprach er in den 15- bis 60-sekündigen Clips auf der Video-Plattform über seinen Beruf, etwa die Anforderungen und die Ausbildung, oder auch seine sportlichen Hobbys. Einfach das, „was Schüler und Absolventen so interessiert“, wie Kudat meint. Ihre Interessen behielt er auch im Blick, als er beim Ausbruch der Corona-Pandemie begann, Maßnahmen zu erklären. Damit eroberte der gebürtige Herforder eine Leerstelle der deutschen TikTok-Szene.

Als die Plattform für Kurzvideos 2014 unter dem Namen musical.ly online ging, lag der Schwerpunkt noch auf Musik. Nutzer tanzten und sangen Playback zu bekannten Songs. Die App wurde schnell beliebt, vor allem bei 14- bis 27-Jährigen. Repertoire und Name änderten sich, als 2017 ein chinesischer Konzern übernahm. TikTok war gesetzt und zog mit den großen Netzwerken gleich.

Inzwischen sind mehrere hundert Millionen Nutzer und eine Vielzahl von Inhalten in der App beheimatet. Sie ist eine Chance für junge Content-Creator mit guten Ideen und passendem Timing. Wie Denis Kudat.

„Wer auf TikTok Erfolg haben möchte, der muss eine Nische bedienen oder ein Alleinstellungsmerkmal haben“, so der 24-jährige Kudat. Der richtige Zeitpunkt sei wichtig, aber auch Durchhaltevermögen und Glück. Das habe er gehabt, als er im Dezember 2019 unter dem Nutzernamen Kudat96 gestartet sei . Bei den deutschen TikTokern hätten da noch die Musikvideos dominiert, dicht gefolgt von Comedy-Clips, erinnert sich Kudat. Im Bereich Information sei er „einer der Ersten in Deutschland gewesen“.

Seine Polizei-Inhalte waren beliebt, wegen der nahen Einblicke durch eine reale Person. Aber erst die Clips über Schulschließungen und Maskenpflicht im Unterricht haben zu der enormen Reichweite geführt. Mit 1,3 Millionen Followern ist der Bundespolizist inzwischen unter den 100 meist abonnierten TikTokern Deutschlands.

Zum Vergleich: Durchschnittlich 260.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 29 Jahren haben nach Angaben des NDR 2019 die Tagesschau täglich im TV gesehen. Auf TikTok folgen der ältesten deutschen Nachrichtensendung fast 740 000 Nutzer. 233 hochgeladene Videos sind dort zu finden. Kudat hat 1690 (Stand 12/2020).

Auch die Art der Clips unterscheidet sich. Wo die Tagesschau professionell ist, wirkt Kudat wie der Freund von nebenan. Einer, der mehr Ahnung hat als die Nutzer selbst, aber trotzdem einer von ihnen ist und ihre Themen kennt.

Nicht immer sind die Clips gesellschaftlich relevant, nicht zwingend politisch. Es tauchen TikTok-Klatsch und Kuriositäten auf, ebenso Geschichten aus Kudats Alltag. Er sieht sich als News-TikToker, aber vor allem als jemand, der gerne viel erzählt.

Alle seine Inhalte bringt er auf den Punkt und in einen „Sprech“, dem die Jugendlichen zuhören mögen. Er redet frei, meistens etwas schneller und aufgeregter als normal. Seine Sätze sind einfach, der Ton locker, seine Gesten spielerisch. Die Schrift in den Clips rot markiert, leise Gruselmusik ist sein Markenzeichen.

„Wer TikTok nicht kennt, den schrecken meine Videos wohl ab“, weiß Kudat. Aber es wäre vorschnell von der Form auf den Inhalt zu schließen.

Der Mensch hinter dem Profil, Denis Kudat, ist sich der Verantwortung, die mit der Reichweite und seinen Themen kommt, bewusst. Der Bundespolizist recherchiert, prüft seine Infos und zeigt Quellen. „Die Nutzer kennen mich, deswegen vertrauen sie mir“, resümiert Kudat.

Mit Nahbarkeit und Integrität erreicht der TikToker erfolgreich 1,3 Millionen junge Menschen.

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