Reaktionen anderer Herforder Kirchengemeinden auf die Geschehnisse in Falkendiek
„Das ist verantwortungslos“

Herford WB -

Mit Fassungslosigkeit und Unverständnis reagiert die Evangelisch- Freikirchliche Gemeinde (EFG) Herford auf die Missachtung der Hygieneregeln bei dem Gottesdienst am Samstag der christlichen Freikirche Jesu Christie in Falkendiek.

Montag, 04.01.2021, 19:29 Uhr aktualisiert: 04.01.2021, 20:56 Uhr
Das Verhalten der Freikirche Jesu Christie werfe auch ein schlechtes Licht auf andere Freikirchliche Gemeinden, befürchtet Lars Schwesinger Foto: Moritz Winde

„Wir bedauern, dass durch das Fehlverhalten einzelner Gemeinden nicht nur der weiteren Ausbreitung des Coronavirus kein Einhalt geboten wird, sondern darüber hinaus alle (Frei-)Kirchen, die sehr genau abwägen, wie Gottesdienste und Gemeindeleben zurzeit angemessen gestaltet oder eben ausgesetzt werden sollten, ebenfalls in ein schlechtes Licht gerückt werden“, schreibt Pastor Lars Schwesinger von der EFG Herford.

Seine Gemeinde teile die Verwunderung und Empörung angesichts der Berichte über die Freikirche in Falkendiek. Die Freikirche Jesu Christie sei eine eigenständige Gemeinde und gehöre nicht zu den Gemeinden im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, zu denen die EFG Herford zählt. „Auch wenn wir von der Glaubenstradition her alle Baptistengemeinden eine gemeinsame Wurzel haben, sind wir jedoch durch die fast 200-jährige Geschichte unterschiedliche Wege gegangen“, sagt Schwesinger.

Die EFG hatte bereits am 17. Dezember erklärt, dass sie vom 20. Dezember bis einschließlich 10. Januar auf Präsenzgottesdienste verzichtet, ebenso wie dies die evangelischen und katholischen Gemeinden in Herford tun, mit denen man eine „gute ökumenische Partnerschaft pflege“, wie Schwesinger betont.

Der Pastor der EFG Herford zitiert in seinem Schreiben auch den Generalsekretär des Bundes der Ev.-Freikirchlichen Gemeinden, Christoph Stiba. Auch wenn unter Auflagen möglich sei, Gottesdienste zu feiern, „geht es jetzt gerade um die große Herausforderung, die Pandemie einzudämmen, die Anzahl der Infizierten und Toten zu reduzieren sowie das Gesundheitssystem zu entlasten. Kontakte müssen dazu minimiert werden. Wie alle anderen tragen Christen und christliche Kirchen hier eine Verantwortung. In diesem Dilemma könnte ein freiwilliger Verzicht von Gemeinden, Präsenz-Gottesdienste durchzuführen, ein verantwortliches Signal der Solidarität sein.“

Peter Janzen, Pastor der Freikirche Lebendige Hoffnung, bittet auf Facebook darum, jetzt nicht alle Freikirchen über einen Kamm zu scheren. Auch seine Gemeinde verzichte derzeit auf Präsenzgottesdienste. Gottesdienste würden ausschließlich per Livestream übertragen. Er kenne eine ganze Reihe von Freikirchen in OWL, die sich strikt an die Vorschriften des Landes halten und im ständigen Kontakt mit den lokalen Gesundheitsämtern seien. Janzen hatte bereits tags zuvor betont, dass er das Verhalten der Freikirche in Falkendiek für verantwortungslos hält.

Auf die notwendige Differenzierung legt auch Superintendent Dr. Olaf Reinmuth Wert. Er verweist auf die ökumenisch orientierte Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen. Hier nehme aus Herford auch die EFG teil, zu der es gute Kontakte gebe. Anders sieht es laut Reinmuth aus mit anderen christlichen Freikirchen, deren Zahl er für Herford auf mehr als 20 schätzt. Hier habe er trotz Gesprächsangebotes keine Kontakte.

Der Superintendent sieht die Gefahr, dass der Eindruck entsteht, die vom Grundgesetz gesicherte Religionsfreiheit werde ausgenutzt. Das Abhalten des Gottesdienstes in Falkendiek mit Gesang und ohne Maske bezeichnet er als „verantwortungslos“: „Diese normalen Gottesdienste haben wir seit März nicht mehr.“ Entsprechend verteidigt Reinmuth noch einmal den Verzicht der Evangelischen Kirche auf Präsenzgottesdienste auch zur Weihnachtszeit. Die Idee der offenen Kirche sei ein gutes Angebot gewesen – „mit Ansprechpartnern, falls jemand Hintergrundgespräche führen wollte“. Dabei hätten alle Beteiligten auf die Einhaltung der Bestimmungen geachtet.

Kein Verständnis für die Falkendieker hat auch Gerald Haringhaus, Leiter des Pastoralen Raumes Wittekindsland: „Wenn jemand meint, Gottesdienste feiern zu müssen, dann muss er sich an die gegebenen Regeln und Auflagen halten.“ Ob es für die Freikirchler theologische Gründe gebe, sich so zu verhalten, könne er nicht sagen: „Ich kenne diese Menschen nicht.“

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