Die Geschichte der Friedhöfe: Sie dienen sind nicht nur als Orte der Trauer, sondern auch der Erholung
Herfords letzte Ruhestätten

Herford (WB) -

Den einzigen Friedhof in Deutschland, der nach einer realen Person benannt wurde, gibt es in Herford. Dies hat Stadtführer Mathias Polster herausgefunden, der sich für sein nächstes Buch auch mit den Herforder Begräbnisstätten beschäftigt.

Sonntag, 03.01.2021, 21:22 Uhr aktualisiert: 03.01.2021, 21:30 Uhr
Der Friedhof Eisgrabenstraße diente von 1808 bis 1874 als Begräbnisstätte. Jahrzehnte später kam das Kriegerdenkmal Heinrich Wefings hinzu, das bis 1964 auf dem Alten Markt stand. Foto: Hartmut Horstmann

 

Im Mittelpunkt der Publikation, an der Polster gemeinsam mit dem Historiker Dr. Rainer Pape arbeitet, stehen Straßen und Plätze. Und zu den öffentlichen Flächen zählen auch Friedhöfe. Insofern bietet das Buch eine komprimierte Zusammenfassung über die Geschichte der Herforder Bestattungsorte.

Interessanterweise ist Polster bei seinen Recherchen auch auf einen gänzlich unbekannten Friedhofgestoßen, von dem keine Reste mehr erhalten sind. Dieser befand sich am Wilhelmsplatz und diente der Bestattung von Gefangenen. Das Entstehen des Friedhofs vor 200 Jahren steht im Zusammenhang mit einer Verordnung von 1804, wonach Friedhöfe vor den Stadttoren – also außerhalb des Walls – anzulegen sind.

Neben dem Gefangenenfriedhof markierte der Friedhof Eisgrabenstraßediese neue Ära. Im Jahr 1808 fand dort die erste Beerdigung statt. Doch nach zwei Generationen reichte der Platz nicht mehr aus, sodass dort ab 1874 nicht mehr bestattet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus dem Friedhof eine Grünanlage – samt Kriegerdenkmal. Die Arbeit des Bildhauers Heinrich Wefing, die seit 1879 auf dem Alten Markt gestanden hatte, fand dort einen neuen Platz.

Auf der anderen Straßenseite entstand derFriedhof Hermannstraße,der 1873 eingeweiht wurde und bis heute genutzt wird. Es war die Zeit der Industrialisierung – und viele repräsentative Grabstellen erinnern an den einstmaligen Wohlstand. Doch schon zum Ende des 19. Jahrhunderts galt der mehrfach erweiterte Friedhof als nahezu belegt. Und so schlug die Stunde des Friedhofs Ewiger Frieden. Allerdings: Als die Stadt 1971 beschloss, den Friedhof Hermannstraße in einen Park zu verwandeln und keine Beerdigungen mehr zuzulassen, protestierten viele Bürger. Die Stadt lenkte ein.

Im Jahr 1910 hatte die Suche nach neuen Flächen begonnen. Die Entscheidung fiel auf den Bereich des heutigen Ewigen Friedens– ab 1924 waren dort Bestattungen erlaubt. Mit 26,5 Hektar sei es der größte Friedhof der Stadt, schreibt Polster. Eine große Rolle spielten von Anfang an die Aspekte Landschaft und Erholung. So hieß es in den Verwaltungsakten, der Friedhof solle eine Zierde für die Stadt sein: „Keine Stätte der Trauer, sondern eine Stätte der Erbauung und Erholung.“

Der älteste Herforder Friedhof, auf dem heute noch beerdigt wird, ist der Jüdische Friedhof am Eisgraben. Dessen ältester Grabstein stammt aus dem Jahr 1679. Erstmals erwähnt wurden Menschen jüdischen Glaubens in Herford Anfang des 14. Jahrhunderts.

Deutlich älter ist der Friedhof an der Marienkirche (spätestens 11. Jahrhundert). Dabei gibt die heutige Fläche nur noch einen verkleinerten Eindruck wieder – Grund ist der Straßenausbau an der Kirche.

Im Jahr 1870 legte die Gemeinde den Marienfriedhof (Marienstraße) an. Doch die Attraktivität des Wohnens auf dem Stiftberg bewirkte, dass der Begräbnisort schnell zu klein wurde. Und so wurde 1914 derErika-Friedhof (Vlothoer Straße) eingeweiht. Namensgeberin wurde ein zwölfjähriges Mädchen namens Erika Goldlücke, die im April 1914 gestorben war. Kurz vor ihrem Tod soll sie ihren Vater gefragt haben, wer wohl als erstes auf dem neuen Friedhof beerdigt würde...

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