Yves Abel verabschiedet sich – Konzert wird für Online-Version aufgezeichnet
Seine letzte Probe als Chefdirigent

Herford (WB) -

Keine langen Abschiedsreden, keine Live-Aufführung, kein Publikum, das sich in Herford zum finalen Applaus von den Plätzen erhebt: Yves Abels letztes Konzert als Chefdirigent wird in die NWD-Geschichtsbücher eingehen.

Mittwoch, 09.12.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 08:04 Uhr
Yves Abel bei seiner letzten Probe im NWD-Studio. Weil das Konzert ohne Publikum stattfindet, soll nach Corona ein weiteres folgen. Ein Termin steht noch nicht fest, aber der scheidende Chefdirigent soll die Möglichkeit haben, sich angemessen zu verabschieden. Foto: Hartmut Horstmann

 

„It‘s so sad“, sagt der gebürtige Kanadier (57), der im nächsten Jahr eine Stelle am Opernhaus in San Diego antritt. An diesem Mittwoch wollen die Musiker ein Konzert in der Paderborner Paderhalle einspielen – ab Freitag soll es ab 18 Uhr als Stream auf der NWD-Internetseite abrufbar sein.

Doch das soll es noch nicht gewesen sein. Man habe sich darauf geeinigt, dass er noch einmal für einen gebührenden Abschied zurückkommen und ein Konzert dirigieren werden, erklärt Yves Abel. Ein Termin stehe noch nicht fest: „Das Wichtigste ist, dass Corona dann vorbei ist.“

Mit Spannung blickt der Dirigent auf das Konzert, welches heute aufgezeichnet wird. Live-Performances, die übertragen werden, sind für ihn nichts Neues – aber stets mit Publikum. Eine Situation wie die in Paderborn stellt auch für den erfahrenen Dirigenten ein Experiment dar. Das Orchester in Konzertkleidung, aber kein Publikum, sondern nur Kameras – es sind ungewöhnliche Zeiten.

Zu Gehör gebracht werden das Klavierkonzert a-Moll op.17 von Ignaz Jan Paderewski und die Sinfonie C-Dur von Georges Bizet. Mit dem Verlauf der Proben scheint Abel mehr als zufrieden. „Excellent“ lobt er das Zusammenspiel des Orchesters. Und: „Very good!“

Im September 2010 hatte der Frankokanadier, der Wohnsitze in New York und Florenz hat, die NWD zum ersten Mal dirigiert. „Er hat uns sofort mit seinem Temperament gefangen genommen“, erinnert sich Friedrich Luchterhandt, damals Musiker, heute Künstlerischer Betriebsdirektor.

2013 kam es zu einem erneuten gemeinsamen Konzert – und die Euphorie war groß, aber auch der Respekt. „Yves Abel ist in der großen Welt der Oper zu Hause. Wir hätten nie gedacht, dass so jemand nach Herford kommt“, sagt Luchterhandt.

Doch Abel wusste, was er an der NWD hatte. Sechs Jahre war er deren Chefdirigent. Der Anfang 2015 einsetzende Vertrag, der eine Laufzeit von drei Jahren hatte, wurde einmal verlängert. Vier bis fünf Abo-Konzerte hat der Chefdirigent pro Saison gegeben.

Wenn der 57-Jährige von der NWD spricht, dann von einem Orchester, dass immer besser geworden sei. „Energy“ und „Nice feeling“, sind Worte, die ihm einfallen. Hinzu kommt die musikalische Neugierde, die sich in einem breit gefächerten Repertoire ausdrückt.

Ein großes Lob hat er auch für die NWD-Freunde und für das Publikum. Die Liebe zur Kultur, zur Musik, aber auch zur Literatur, sei etwas, das erhalten werden müsse. Viele Traditionen gingen in Europa verloren, in Deutschland sei das zum Glück anders. Zum Schluss macht Abel mit Blick auf seine künftige Wirkungsstätte keinen Hehl daraus, dass er über die Ergebnisse der US-Präsidentenwahl „very, very much“ erfreut ist. Joe Biden könne etwas mehr Demokratie wiederherstellen.

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