Wo sollen mehrfach kranke Obdachlose unterkommen?
Werrestraße: Kreis Herford sucht mit nach einer Lösung

Herford (WB) -

Die Diakoniestiftung hat einfach einen Wachdienst für die Obdachlosenunterkunft an der Werrestraße 117d bestellt, ohne dessen „Konzept“ mit der Stadt abzustimmen. Das moniert Sozialdezernentin Birgit Froese-Kindermann, die im Sozialausschuss auch sonst keinen Grund sieht, die Stadt mit den Kosten des dort eingesetzten Sicherheitsdienstes zu behelligen.

Dienstag, 08.12.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 09.12.2020, 10:18 Uhr
Hinter den Fenstern im Obdachlosenheim an der Werrestraße rumort es. Stadt und Stiftung wollen entlasten.

Zum einen werde das Wohnheim nur zu einem Drittel von Obdachlosen genutzt, die von der Stadt dort untergebracht würden: „Die von der Presse dargestellten Spannungen haben sich in und an den Wohnungen der Diakoniestiftung abgespielt.“ Zum anderen werde längst nach einer neuen, interkommunalen Lösung für den Umgang mit Obdachlosen gesucht, die unter „multiplen Problemlagen“ leiden. Hinter dem soziologischen Fachbegriff verbergen sich Menschen, die alkoholabhängig oder drogensüchtig sind, unter Wahnvorstellungen leiden, keinen festen Tagesrhythmus mehr haben und eben auch kein Dach über dem Kopf.

Inzwischen führten der Landrat und die Bürgermeister Gespräche darüber, wie diesen Menschen am besten geholfen werden könne. In diese Gespräche sei auch die Diakoniestiftung eingebunden, die bereits zwei Mitarbeiter für die Umsetzung des Wohnnothilfeprojektes „Obdach Plus“ einsetze, ein dritter komme vom Kreis.

Eine Datenerhebung zum Stand der Prävention, Unterbringung, Versorgung und Betreuung der Obdachlosen, zur Akquise und Vermittlung von Wohnungen und zur nachhaltigen Sicherung der Eingliederungsbemühungen sei abgeschlossen, aber noch nicht ausgewertet. Das empfindet Johannes Ridderbusch (Grüne) im Sozialausschuss als etwas seltsam: „Seit Mitte 2019 sprechen wir über dieses Projekt. Seitdem wurden Dutzende Videokonferenzen abgehalten, nur nicht zu diesem Thema. Jetzt steht der Winter vor der Tür und wir können den Menschen immer noch nicht helfen. Das finde ich ein bisschen schade.“ Birgit Froese-Kindermanns Antwort: „Das finden wir auch schade.“

Gegenüber dem Ausschuss betont Froese-Kindermann ausdrücklich, dass es keine Kommunikationsprobleme zwischen Stadt und Stiftung gebe. Bettina Schelkle, Einrichtungsleiterin des Heimes an der Werrestraße, sei nicht extra in den Ausschuss eingeladen worden, weil sie ohnehin an so gut wie jeder Sitzung teilnehme. Ob in der wirtschaftlichen Prävention, der aufsuchenden Sozialarbeit oder in der Wohnungsakquise - auf allen Hilfsebenen sei die Diakonische Stiftung in die Arbeit, in Konferenzen und Fallbesprechungen eingebunden.

Das größte Hindernis sei der Herforder Immobilienmarkt. Bis heute sei es nicht gelungen, ausreichend Wohnraum zu finden, um die Situation an der Werrestraße zu entspannen. Die Suche nach einem geeigneten Objekt für das interkommunale Nothilfeprojekt gestalte sich ebenfalls „weiterhin zäh.“

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