Geschäftsführender Gesellschafter Marc Euscher begründet Schritt mit gekündigten WWN-Verträgen
Insolvenzverfahren bei Archimedes

Das Zerwürfnis zwischen der Westfalen Weser Netz und der Firma Archimedes hat Konsequenzen für das Herforder Unternehmen. Das Insolvenzgericht Bielefeld hat die vorläufige Eigenverwaltung für die Holdinggesellschaft, die Archimedes Facility-Management sowie die beiden Tochtergesellschaften Archimedes Industriebau und Archimedes Technik angeordnet. Betroffen sind 90 Mitarbeiter am Standort Herford.

Donnerstag, 03.12.2020, 20:45 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 20:50 Uhr
Marc Euscher (links) ist Geschäftsführender Gesellschafter der Archimedes Facility Management GmbH. Sein Vater Ulrich ist Geschäftsführer der Archimedes Technik GmbH. Foto: Archimedes

„Wir mussten diesen Schritt gehen, nachdem die Westfalen Weser Netz als Hauptkunde im Mai die Dienstleistungsverträge und die Verträge für das Projektgeschäft gekündigt hat“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter der Unternehmensgruppe, Marc Euscher.

Allein die Umsätze aus dem Dienstleistungsgeschäft mit WWN haben für Archimedes einen Betrag von 9,8 Millionen Euro pro Jahr bedeutet. Aus dem Projektgeschäft seien es noch einmal Umsätze in einer Größenordnung von 6 bis 8 Millionen Euro gewesen. Eigentlich wären die Verträge mit dem Netzbetreiber noch bis 2025 gelaufen.

Doch WWN warf dem Herforder Unternehmen intransparente Rechnungsführung und vertragswidriges Verhalten vor. Der kommunale Netzbetreiber wollte konkret wissen, welche Leistungen zu welchem Zeitpunkt von Archimedes abgerechnet worden sind.

Das Herforder Unternehmen hatte sich seit 2005 quasi wie ein Hausmeisterservice um die Bewirtschaftung der 150 eigenen und gemieteten Immobilien des kommunalen Netzbetreibers gekümmert. Im Projektgeschäft ging es auch um Bauleistungen für Umspannwerke oder die Sanierung von Trafostationen.

Marc Euscher betont, dass es für alle drei Gesellschaften, für die nun das Insolvenzverfahren eingeleitet worden ist, eine gute Prognose gebe. „Für die Mitarbeiter ändert sich im Moment erst einmal nichts“, sagt er.

Zugleich macht er deutlich, dass er gegen die Kündigung durch die WWN klagen werde. Durch die Kündigung und die mit dem Rahmenvertrag verbundene Kostenstruktur, insbesondere im Personalbereich, bei zeitgleichem Wegfall der Umsatzerlöse habe die Gefahr bestanden, dass „das Unternehmen im kommenden Jahr in eine existenzvernichtende Schieflage“ gebracht worden wäre.

Mit dem Instrument der Eigenverwaltung will Archimedes die notwendige Neuausrichtung schaffen. Als vorläufigen Sachwalter hat das Insolvenzgericht Bielefeld Rechtsanwalt Hans-Achim Ernst (Herford) bestellt.

Marc Euscher geht davon aus, dass es zu einem langwierigen Rechtsstreit mit WWN kommen werde. Archimedes will Schadenersatzforderungen aufgrund entgangener Gewinne aus dem Dienstleistungs- und Projektgeschäft geltend machen. Die Pressemitteilungen, die der Netzbetreiber in den vergangenen Monaten verbreitet hatte, seien aus seiner Sicht außerdem rufschädigend für Archimedes gewesen.

Der Geschäftsführer hatte gestern bereits das Gespräch mit dem Betriebsrat der Unternehmensgruppe gesucht. Heute sollen in einer Mitarbeiterversammlung auch die Beschäftigten am Herforder Standort, Engerstraße 3, informiert werden.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7707412?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Iran: «Terrorakt» in Atomanlage Natans
Dieses von der iranischen Atomorganisation (AEOI) veröffentlichte Bild zeigt Zentrifugen in der Urananreicherungsanlage Natans.
Nachrichten-Ticker