Erneut Prozess um Bordell-Schüsse – Rentner schweigt zu Vorwurf
Diesmal geht es um versuchten Mord

Herford (WB/bex) -

Im Februar ging es vor dem Amtsgericht „nur“ um versuchte gefährliche Körperverletzung. Jetzt steht der Vorwurf des versuchten Mordes im Raum.

Freitag, 04.12.2020, 06:00 Uhr
Der 64 Jahre alte Detmolder steht seit Donnerstag vor dem Landgericht, hier mit seinem Verteidiger Martin Rother. Foto: Bexte

Seit Donnerstag muss sich ein 64 Jahre alter Mann vor dem Landgericht Bielefeld verantworten, der Ende 2018 mehrfach auf das Bordell „Moonlight“ geschossen haben soll.

Der Rentner aus Detmold hatte sich vor dem Amtsgericht noch auskunftsfreudig gezeigt und als Opfer bezeichnet. Weil der Stammgast der Rotlichtbar sich dort ein Krätze eingefangen haben will und dies angezeigt habe, wolle man sich an ihm rächen und ihm die Schüsse unterschieben. Das Amtsgericht hatte den Fall wegen einer möglichen größeren Tragweite an das Landgericht verwiesen. Damals war als Motiv die von einer Prostituierten (48) aus Rumänien verschmähte Zuneigung des Detmolders als Tatmotiv genannt worden.

Beim Prozessauftakt am Landgericht kündigte Verteidiger Martin Rother an, dass sein Mandant, der seit Juni in U-Haft sitzt, keine Angaben zum Tatvorwurf machen werde. Schließlich hatte der Vorsitzende Richter der 1. Strafkammer, Georg Zimmermann, gleich zu Beginn klar gemacht, dass eine Verurteilung wegen versuchten Mordes in Betracht komme. Und: „Jeder Schuss könnte jeweils ein weiterer Tötungsversuch gewesen sein.“

Staatsanwältin Marlin Tauch wirft dem Senior vor, am 30. und 31. Dezember 2018 mehrfach auf das Etablissement an der Lübbecker/Laarer Straße geschossen zu haben. Die Schüsse aus einer Schrotflinte am ersten Tattag stehen dabei nicht im Mittelpunkt. Sie hatten nur Sachschäden an Fenstern und Jalousien verursacht.

Entscheidend sind die mindestens sechs Kleinkaliber-Geschosse, die am Tag darauf am frühen Morgen auf die Bar abgegeben wurden. Einige durchschlugen Rolläden, die Doppelverglasung, ja sogar die Zimmertür und landeten im Flur. Da in mindestens einem Zimmer eine Bardame schlief, könnte es sich hier um einen vorsätzlichen Tötungsversuch handeln.

Hinzu kommen weitere Vorwürfe: Der frühere Kfz-Mechaniker soll am 10. März 2019 versucht haben, Mieter eines Hauses in Bünde, das er gekauft und ihnen überlassen hatte, durch eine Brandstiftung in der Garage zu vertreiben. Bei einer Mieterin handelte es sich um die von ihm umworbene Prostituierte. 200 Euro und regelmäßiger Sex: So habe sie die Miete bezahlt, hatte sie vor dem Amtsgericht angegeben. Das Feuer konnte rasch gelöscht werden.

Zudem geht die Anklage davon aus, dass der Detmolder Anfang 2019 ein nicht angemeldetes Auto mit den Kennzeichen eines auf seinen Sohn zugelassenen Pkws versehen habe. Der Führerschein ist ihm mittlerweile entzogen worden. Seine Frau hat sich nach 30 Jahren Ehe von ihm scheiden lassen. Der Prozess wird Mittwoch fortgesetzt.

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