Stadt Herford erteilt Lobo Platzverweis – neue Bleibe im Wohnwagen
Familie nimmt Obdachlosen auf

Herford (WB) -

Für Familie Schuster war sofort klar: „Wir müssen Lobo helfen.“ Nachdem Herfords bekanntester Stadtstreicher seinen Stammplatz in der Unterführung am Bahnhof räumen musste, fand er ruckzuck eine Bleibe. Es gab eine Welle der Anteilnahme und Hilfsbereitschaft.

Donnerstag, 03.12.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 03.12.2020, 06:10 Uhr
„Herzlich willkommen“: Tanja Schuster (42) und Sohn Elias (15) begrüßen Lobo an ihrem Zuhause an der Mindener Straße. Die Familie stellt dem Obdachlosen einen Wohnwagen zur Verfügung – kostenlos wohlgemerkt. Der 63-Jährige darf mit Hund „Krümel“ so lange bleiben wie er möchte. Foto: Moritz Winde

Seit Mitte September gehört der 63-Jährige nun schon zum Stadtbild. Der „einsame Wolf“ trinkt keinen Alkohol, nimmt keine Drogen und schnorrt die Leute nicht an.

„Er ist ein so liebenswerter Mensch, der keiner Fliege etwas zu Leide tut und inzwischen zum Freund geworden ist“, sagt eine Herforderin, die den Obdachlosen jeden Morgen und Abend im Tunnel besucht hat. Dann brachte sie Essen mit, plauderte eine Weile mit ihm und ging mit seinem Hund „Krümel“ eine Runde um den Wall.

Am Mittwochmittag dann ließ die Stadt Herford Lobo sozusagen vor die Tür setzen – und zwar durch die Polizei. „Plötzlich standen drei Polizistinnen vor mir und forderten mich auf, innerhalb von zwei Stunden, den Platz zu verlassen. Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt der 63-Jährige, der gerne noch eine Weile geblieben wäre.

Ordnungsamtschefin Petra Stender erklärt, weshalb dies nicht gehe: „Wir haben mehrere Beschwerden erhalten – vor allem, weil es in der Unterführung zu eng ist.“ In der Tat nahm der „Hausstand“ des Stadtstreichers einen gewissen Raum ein, vorbei kam man aber ohne Schwierigkeiten.

Als Tanja Schuster bei Facebook von Lobos Schicksal erfuhr, zögerte sie nicht. „Es war für uns selbstverständlich, Lobo in dieser Notsituation nicht im Stich zu lassen – vor allem jetzt, wo es draußen so kalt ist.“ Normalerweise verleiht die Familie Wohnwagen, doch in der Corona-Zeit stehen die beiden ausgebauten Oldtimer auf dem Hof. „Ellie“ – so wird ein Modell genannt – ist nun das neue Zuhause des gebürtigen Rheinländers. „Strom und Wasser zahlen wir natürlich“, sagt Tanja Schuster.

Lobo ist dankbar für diese Gastfreundschaft. Die vielen Wohnungsangebote der Herforder lehnte er ab. „Darin bekomme ich Platzangst. Der Wohnwagen aber ist ideal, da bin ich schnell an der frischen Luft“, sagt der Obdachlose, der seit mehr als 40 Jahren auf der Straße lebt. Nach den aufregenden und kräftezehrenden Ereignissen will sich Lobo nun erst einmal ausruhen. Tanja Schuster: „Er kann so lange bleiben, wie er möchte.“

Freiwillige helfen Lobo dabei, sein Hab und Gut zusammen zu packen. Mit einem Lieferwagen wird das Gepäck des Stadtstreichers zur neuen Bleibe transportiert.

Freiwillige helfen Lobo dabei, sein Hab und Gut zusammen zu packen. Mit einem Lieferwagen wird das Gepäck des Stadtstreichers zur neuen Bleibe transportiert. Foto: Moritz Winde

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7705355?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
EU-Staaten wollen Corona-Schnelltests gegenseitig anerkennen
Die EU-Staats- und Regierungschef wollen sich bei ihrem Videogipfel zum Vorgehen gegen neue Varianten des neuartigen Coronavirus abstimmen.
Nachrichten-Ticker