Begräbnisstätte am Wilhelmsplatz für Strafgefangene – in der Nähe stand ein Gefängnis
Herfords unbekannter Friedhof

Herford -

Es begann mit einer alten Skizze. „Gefangenenfriedhof“ war darauf zu lesen – doch wo sollte dieser gewesen sein? Eine derartige Frage ist ein Fall für Mathias Polster. Und der Stadtführer fand heraus, dass am Wilhelmsplatz vor 200 Jahren tatsächlich ein Friedhof angelegt worden war. Und dass das erste Begräbnis mit einer Hinrichtung zu tun hatte.

Donnerstag, 26.11.2020, 06:00 Uhr
Ein Ort mit einer besonderen Geschichte: An der Stelle, an der sich Mathias Polster hier auf ein Spielgerät stützt, befand sich einst ein Friedhof. Foto: Hartmut Horstmann

 

Also startete der Stadtführer recherchemäßig durch – und entdeckte zum Beispiel in alten Kirchenbüchern, dass in ihnen die Sterbefälle von Strafgefangenen der Jahre 1808 bis 1869 aufgelistet wurden.

Johann Henrich Tappe aus Spenge hat dort als erster Beerdigter Friedhofsgeschichte geschrieben – wenn auch unfreiwillig. Denn der „Tagelöhner und Musikant“ wurde hingerichtet. Er galt als Chef einer Räuberbande, die im Februar 1809 in Osnabrück in die Fänge der Polizei geraten war. 29 Räuber wurden ins 1804 errichtete Zuchthaus am Wilhelmsplatz eingeliefert, Tappe wurde zum Tode verurteilt.

Dass die Neuanlage eines Friedhofs notwendig geworden war, hat mit einem Dekret Napoleons zu tun, wonach Friedhöfe ab 1804 nur außerhalb der Stadtmauern angelegt werden durften – so auch in Herford. In der Nähe des alten Walls, dort wo auch das neue Gefängnis stand, fiel die Wahl auf einen Bereich, der laut Polster eine Größe von etwa 14 mal 14 Metern hatte.

Entsprechend habe das Areal um die heutige Oberhausschule die Bezeichnung „Zuchthauskamp“ erhalten, sagt der Stadtführer. Gefangene seien nicht auf den städtischen Friedhöfen beerdigt worden. Für das Ende der Friedhofsgeschichte am Wilhelmsplatz sorgten die Gefangnen selbst. Polster erklärt: „Nach einer Brandstiftung durch einen Häftling brannte das Zuchthaus am 23. Juni 1873 ab.“

Was folgte, war der Neubau an der Eimterstraße, der bis heute genutzt wird. Auch für diese Strafanstalt entstand ein eigener Friedhof, der bis 1903 belegt wurde, später aber Straßenbaumaßnahmen zum Opfer gefallen ist. Während die Leichen im zweiten Fall umgebettet wurden, sind sie am Wilhelmsplatz im Erdreich geblieben. „Also gibt es den Friedhof bis heute“, sagt Polster abschließend.

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