Geschäftsführer des Modehauses erwartet coronabedingt größten Verlust in der Nachkriegszeit
Klingenthal fordert Steuersenkungen

Herford/Paderborn -

Ferdinand Klingenthal ist eigentlich ein eher zurückhaltender Mensch, niemand der die Öffentlichkeit sucht. Doch die Auswirkungen der Corona-Krise lassen ihn nun Alarm schlagen: Der Geschäftsführer des bekannten Modehauses rechnet mit einem „signifikanten Verlust“ – und fordert finanzielle Unterstützung.

Samstag, 21.11.2020, 06:04 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 07:36 Uhr
Der Klingenthal-Haupteingang am Herforder Gehrenberg: Die Kundenfrequenz sei im November stark eingebrochen Foto: Moritz Winde

Im Interview mit dieser Zeitung bringt er Steuersenkungen für einen Teil des Einzelhandels ins Spiel. Schließlich hätten nicht alle Branchen unter den Folgen der Pandemie zu leiden. „Baumärkte, Lebensmittelläden und Drogerien haben doch das Geschäft ihres Lebens gemacht.“ Seine Bekleidungsgeschäfte dagegen seien durch die Corona-Bestimmungen inklusive Lockdown gravierend eingeschränkt worden.

Zur Erinnerung: Im Frühling mussten die Klingenthal-Häuser in Herford, Gütersloh, Salzkotten und Paderborn zwischenzeitlich sogar ganz schließen, weil sie flächenmäßig zu groß sind. Erst nach massivem Protest – das Familienunternehmen startete eine Aufsehen erregenden Plakataktion – durften Teilbereiche wieder öffnen.

Die Einkaufslaune, sagt der gebürtige Paderborner, halte sich mit Maske, Abstand und Hygieneregeln aber stark in Grenzen. „Im November verzeichnen wir eine Kundenfrequenz von höchstens 50 Prozent. Vielleicht wird der Dezember etwas besser.“

Ferdinand Klingenthal führt das Modehaus bereits in der fünften Generation. Seit mehr als 40 Jahren leitet er die Geschicke. Eine solche wirtschaftliche Krise habe es in der Nachkriegszeit aber noch nicht gegeben. „Das ist tiefgreifend, eine Zäsur.“

Ferdinand Klingenthal, Modeunternehmer aus Paderborn.

Ferdinand Klingenthal, Modeunternehmer aus Paderborn. Foto: Oliver Schwabe

Der Unternehmer sagt, er habe kein Verständnis dafür, nichts aus dem Billionen-Topf der Hilfspakete zu bekommen. „Na klar, das Kurzarbeitergeld hat geholfen. Insgesamt aber fühlen wir uns benachteiligt.“ Der 68-Jährige wünscht sich von der Politik ein Handeln mit Weitsicht. Modehäuser und Schuhgeschäfte seien charakteristisch für die Fußgängerzonen.

Deshalb schlägt er Steuererleichterungen für den innerstädtischen Fachhandel vor. „Ich bin kein Steuerexperte, aber denkbar sind neben der Senkung der Mehrwertsteuer auch direkte Hilfen von den Kommunen – zum Beispiel in Form einer Reduzierung der Grundsteuer.“

Während die Erhebung der Mehrwertsteuer Sache des Bundes ist, liegt die Entscheidung zur Höhe der Grundsteuer in den Rathäusern. Eine Verringerung würde nicht nur den Geschäftsleuten helfen, die Eigentümer der Immobilien sind – wie im Falle Klingenthal, sondern auch den Mietern.

Überfällig sei zudem, dass „die Regierung die großen Online-Player endlich mal richtig besteuert“. Denn: „Sie benutzen schließlich auch unsere Infrastruktur, beteiligen sich aber nicht am Gemeinwesen. Ich verstehe nicht, weshalb die Politik dies seit Jahren nicht schafft“, klagt Ferdinand Klingenthal.

Trotz der zu erwartenden drastischen Umsatzeinbußen plant das Textil-Unternehmen nach eigenen Angaben – Stand jetzt – keinen der 570 Mitarbeiter zu entlassen. Und auch die Standorte sollen so bleiben wie sie sind. „Wir bleiben auf jeden Fall am Markt“, kündigt Ferdinand Klingenthal an.

Ein Foto, das in der Vor-Corona-Zeit entstand, also zu besseren Zeiten: Es zeigt Katrin Düsediekerbäumer im Beratungsgespräch.

Ein Foto, das in der Vor-Corona-Zeit entstand, also zu besseren Zeiten: Es zeigt Katrin Düsediekerbäumer im Beratungsgespräch. Foto: Moritz Winde

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