Am Tag des Reichspogroms 1938 wird die Herforder Synagoge zerstört
Die befohlene Brandstiftung

Herford (HK). Das Ende des deutschen Kaiserreiches und der Beginn der Weimarer Republik 1918, der Hitlerputsch 1923, die Reichspogromnacht 1938 sowie der Mauerfall 1989: All diese Schlüsselereignisse deutscher Geschichte eint eine Tatsache: Sie alle ereigneten sich an einem 9. November. Dabei stellen die Ausschreitungen gegen jüdische Deutsche in der „Reichskristallnacht“ 1938 ein besonders dunkles Kapitel dar. Deswegen wird am 9. November ihrer Opfer gedacht.

Montag, 09.11.2020, 05:00 Uhr
Die alte Synagoge (links) in der Komturstraße wurde während der Reichspogromnacht 1938 zerstört. Kein Feuerwehrmann rückte damals aus, um sie retten. Die neue Synagoge eröffnete 2009, 71 Jahre nach der Brandstiftung. Foto: Stadtarchiv Herford

Da das dieses Jahr nicht kollektiv möglich ist, erklärt Christoph Laue dem HERFORDER KREISBLATT, welche Bedeutung dieses besondere Datum für die Geschichte der Stadt hat.

Die prekäre Versorgungslage mit Lebensmitteln während des Ersten Weltkriegs führte unter anderem zum Ende des Kaiserreiches. „Verhungert ist hier in Herford niemand, dennoch wurden ab August 1916 wöchentlich knapp 15.000 Rationen in der neu gebauten Markthalle ausgegeben,“ erklärt Laue. Ab dem 30. Oktober 1918 wurde das Reich von einer Welle der Unmut überflutet, als Marinesoldaten in Kiel wegen eines letzten Auslaufbefehls meuterten. Überall im Land bildeten sich Arbeiter- und Soldatenräte, die die Kontrolle über einzelne Städte übernahmen, am 9. November dankte Wilhelm II. ab. Während in Bielefeld das Entwaffnen der kaiserlichen Soldaten durch Revolutionäre fast zur Katastrophe führte, ging es in Herford deutlich ruhiger zu. „Der lokale Arbeiter- und Soldatenrat übernahm zwar die Stadtverwaltung, ließ sie, sowie den Bürgermeister aber im Amt,“ so Laue. Die Wahlen im Januar 1919 hätten den Rat in Herford abgelöst, erklärt er weiter, die SPD habe 20 Sitze bekommen, die KPD nur einen. Ein klares Zeichen: Die Herforder Bürger entschieden sich für eine parlamentarische Republik, die Verfassung trat am 11. August 1919 in Kraft.

1934 wurde noch gelöscht

Nach ihrem tragischen Ende durch die Machtübernahme der Nazis veränderte sich auch in Herford das politische Klima. Laue schildert, dass es bereits 1925 hier eine Ortsgruppe der NSDAP gab: „Besonders antisemitisch war Herford wohl nicht, dennoch gab es einen kleinen Kaffeesatz, der wohl für den Brand in der Synagoge 1934 verantwortlich war. Damals kam die Feuerwehr aber noch sofort und löschte den Brand.“ Die Synagoge wurde wieder repariert und konnte weiter genutzt werden, bis am 9. November 1938 um 23.55 Uhr ein Telegramm aus Berlin in der Polizeidirektion eintraf: „Es werden in kürzester Frist in ganz Deutschland Aktionen gegen Juden insbesondere gegen deren Synagogen stattfinden“ hieß es darin. Es war der Startschuss für das Pogrom. So wurde die Synagoge komplett abgebrannt. Laue merkt an: „Es ist unklar, wie die Täter zusammengesetzt waren. Als 1947 der Vorfall wiederaufgearbeitet wurde, sagte ein Mann aus, er habe gehört, dass den Hitlerjungen brennbare Flüssigkeiten ausgegeben wurden. Nur ein Täter ist namentlich bekannt: Fritz Georg soll den Davidstern am nächsten Tag vom Giebel geschlagen haben.“ In jener Nacht seien zwar keine Juden in Herford ermordet, dennoch etwa 30 verhaftet und deportiert worden, so Laue.

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