Antigen-Verfahren wird fortan vorgeschrieben – Engpass bei den Test-Kits
Altenheime sollen schneller testen

Herford (HK). Aus einer Coronatest-Alternative wird plötzlich eine vom Land verordnete Pflicht: Vom 9. November an müssen die 32 Altenheime und Kurzzeitpflegeeinrichtungen im Kreis Herford sowie die ambulanten Dienste Antigen-Schnelltestverfahren durchführen.

Samstag, 07.11.2020, 05:29 Uhr
Krankenhäuser und Altenheime sollen fortan Corona-Schnelltests mit der Antigen-Methode einsetzen. Foto: dpa

Statt zwei Tage oder länger auf das Ergebnis aus einem Labor zu warten, sollen die Schnelltests wie bei einem Schwangerschaftstest das Resultat in 20 Minuten liefern. Sensible Betriebe wie Kliniken und Seniorenheime hätten schneller Gewissheit, die unter Hochlast arbeitenden Labore würden entlastet. Doch diese Hoffnungen staatlicher Gesundheitsmanager stoßen auf praktische Hindernisse.

Der gesetzlich angefachte Verkauf hat die Zahl der verfügbaren Test-Kits extrem verknappt. Bei Anbietern wie dem Darmstädter Hersteller R-Biopharm sind die Zulassungsprüfungen eben erst abgeschlossen, da werden schon millionenhohe Stückzahlen bestellt. Der Kreis Herford prüft derzeit die Möglichkeit, selber Test-Sets zu kaufen, um Engpässe ausgleichen zu können.

Fachkraft im Schutzanzug

In den Seniorenheimen wird gefragt, wer die Besucher eigentlich testen soll. Der Landesverordnung zufolge muss es sich dabei um eine Fachkraft im Schutzanzug handeln, die gelernt hat, wie die schwierigen Nasen-Rachen-Abstriche vorzunehmen sind. Läuft dabei etwa schief, fällt das Testergebnis falsch aus. „Soll ich eine ausgebildete Fachkraft aus der Pflege abziehen, um Besucher testen zu lassen?“, fragt Manuela Schock, Leiterin des Hauses Stephanus in Hiddenhausen. Zumal es mit nur einer Fachkraft auch nicht getan sei. Sie fürchtet außerdem, dass viele Besucher diese kostenlose Testmöglichkeit nur allzu gern in Anspruch nehmen könnten.

Hinzu kommen professionelle Einwände gegen die Testqualität. Prof. Dr. Franz-Josef Schmitz leitet das auch für das Kreisklinikum Herford zuständige Labor der Mühlenkreiskliniken in Minden: „Ich bin persönlich nicht von der Spezifität und Sensitivität der Schnelltests überzeugt.“

Andere Methode

In seinem Labor werden die Proben nach der „PCR-Methode“ untersucht, eine Bezeichnung, die sich aus dem Begriff „Polymerase Kettenreaktion“ ableitet. Mit dieser Methode wird nach zwei Zielgenen im abgestrichenen Erbmaterial gefahndet – sind sie vorhanden, ist der Proband zu 98 Prozent infiziert. Beim Antigen-Schnelltest wird stattdessen nach Spuren auf der Oberfläche des Virus gesucht. Schmitz schätzt die Fehlrate der Methode auf zehn Prozent.

In den Testläufen des Darmstädter Schnelltest-Herstellers wurde dagegen eine Treffergenauigkeit von 95 Prozent ermittelt. Diese Zahl entspricht auch der Erfahrung, die Geschäftsführer Peter Hutmacher in den vergangenen 14 Tagen am Kreisklinikum Herford gesammelt hat: „In keinem Fall ist das Ergebnis eines Schnelltests bisher durch die PCR-Methode widerlegt worden.“

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