„Ich war fast tot“: Rentner verlässt Herforder Intensivpflege nach einem Jahr
Zurück im Leben

Herford (WB). Dekanülierung: Dieser medizinische Fachbegriff klingt kompliziert, bedeutet für Klaus Büsching aber der Schritt zurück ins Leben. Fast eineinhalb Jahre musste er künstlich beatmet werden, jetzt konnte der Schlauch aus seinem Hals entfernt werden. Der Rentner ist ein Kämpfer mit schier unbändigem Überlebenswillen.

Samstag, 07.11.2020, 06:00 Uhr
Klaus Büsching kann wieder lachen: Selbst für die erfahrenen Pflegerinnen Laura Küthe (links) und Ella Badner ist diese Geschichte ein kleines Wunder. Im Haus Jasper wurde der todkranke Mann ein Jahr lang gepflegt. Jetzt darf er nach Hause. Foto: Moritz Winde

Die Tatsache, dass Klaus Büsching wieder selbstständig sprechen, essen und laufen kann, ist nichts anderes als ein kleines Wunder. „Ich war ja fast tot und musste wiederbelebt werden“, sagt der 79-Jährige. Erinnerungen an diese dramatische Zeit, in der sein Gesundheitszustand über Monate Spitz auf Knopf stand, hat der Bad Oeynhausener keine. Und bis heute kann er sich nicht erklären, wie es überhaupt so weit kommen konnte. „Ich fühlte mich doch fit, habe im Garten meine Bäume geschnitten.“

Doch im März 2019 ändert sich alles mit einem Schlag. Im Herzzentrum bekommt der 79-Jährige drei Bypässe und eine neue Klappe. Obwohl am offenen Herzen operiert wird, ist dies eigentlich ein Routineeingriff. Meist können die Patienten die Klinik schon nach kurzem Aufenthalt wieder verlassen. Nicht so Klaus Büsching: Die Operation ist der Anfang einer langen Leidenszeit.

Sein Herz entzündet sich, seine Lunge ebenfalls, die Blutwerte sind so schlecht, dass selbst erfahrene Ärzte keine Prognose wagen. Nach längeren Krankenhaus-Aufenthalten wird der Vater zweier Kinder und Großvater von vier Enkeln im Oktober ins Herforder Haus Jasper eingeliefert. Das Bonitas-Tochterunternehmen in der Praxisklinik an der Hansastraße ist eine Mischung aus Altenheim und Intensivstation – sozusagen eine Wohngemeinschaft für 18 schwerste Pflegefälle.

Erst einmal das Auto putzen

Pflegedienstleiterin Laura Küthe erinnert sich noch an Klaus Büschings Ankunft: „Sein Zustand war schlimm“, bringt es die 31-Jährige auf den Punkt, die in ihrer beruflichen Laufbahn schon viele Menschen hat sterben sehen. Denn für die allermeisten Patienten ist das Haus Jasper die letzte Station.

Zur Philosophie der Einrichtung gehört es allerdings, niemanden aufzugeben – mag er oder sie auch noch so todkrank sein. Schon winzig kleine Fortschritte sind von großer Bedeutung. „Als Herr Büsching zum ersten Mal den Arm alleine heben konnte, war dies einer jener Momente, die man nie vergisst“, sagt Laura Küthe. Es gilt aber auch, immer wieder mit Rückschlägen umzugehen. So entwickelt Klaus Büsching zwischenzeitlich hohes Fieber.

Der Weg zurück ins Leben verläuft nach einer solch schweren Krankheit nie geradeaus. „Ich musste neu sprechen lernen. Meine Tochter hat mir eine Tafel mit Buchstaben gezeigt“, sagt der 79-Jährige, der das Haus Jasper in der vergangenen Woche tatsächlich verlassen kann.

In der Reha wird er nun noch ein paar Wochen aufgepäppelt, dann geht es endlich zurück nach Hause, das er so lange nicht gesehen hat. Dort will er als erstes sein Auto putzen – und natürlich Zeit mit der Familie verbringen. Mit Groll blicke er nicht zurück, sagt er. „Mir geht es gut. Was will ich mehr?“

Mit Schwester Ella Badner auf der Terrasse: Das Foto zeigt Klaus Büsching im Sommer, damals noch mit Beatmungsschlauch.

Mit Schwester Ella Badner auf der Terrasse: Das Foto zeigt Klaus Büsching im Sommer, damals noch mit Beatmungsschlauch.

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