Probe, aber keine Premiere: Interview mit Regisseur Steinkamp zur Udo-Jürgens-Revue
Der Mann im Bademantel

Herford (WB). Eine Udo-Jürgens-Revue in Herford: Was als Uraufführung für den 14. November geplant war, muss coronabedingt ausfallen. Zu den Proben kommen die Akteure vom Euro-Studio Landgraf in der kommenden Woche trotzdem nach Herford. Hartmut Horstmann hat daher vorab ein Interview mit dem Regisseur Rainer Steinkamp geführt.

Freitag, 06.11.2020, 05:20 Uhr
So kannten und liebten die Fans Udo Jürgens (1934 – 2014). An den Mann, der seine Zugaben im Bademantel gab, erinnert eine Hommage, für die die Akteure vom Euro-Studio Landgraf in Herford proben. Die geplante Premiere fällt aber aus. Foto: Britta Pedersen/dpa

 

Proben ohne Premiere, macht das Sinn?

Steinkamp: Ja, auf jeden Fall! Aufführungen vor Publikum sind nach der neuen Verordnung zwar nicht erlaubt, aber wir dürfen immerhin proben. Den Abschluss soll die Generalprobe bilden, die wir aufzeichnen werden. Im April soll das Stück dann uraufgeführt werden – wo auch immer.

 

Welche Voraussetzungen muss ein Theater mitbringen, um als Bühne für eine Premiere in Frage zu kommen – auch wenn diese jetzt nicht stattfinden kann?

Steinkamp: Da gibt es einige Kriterien. Zum einen muss das Bühnenbild aufgebaut werden können. Zum anderen müssen die licht- und tontechnischen Voraussetzungen gegeben sein. Und wir brauchen einen bestimmten Zeitraum für die Proben. Das alles passt beim Stadttheater, das ich auch von früher her kenne. Die Herforder können wirklich stolz auf ihr Theater sein.

Das wird die Herforder freuen – jetzt aber zu Udo Jürgens: Kein deutschsprachiger Sänger und Entertainer erreicht seinen Bekanntheitsgrad. Was reizt Sie, einen derart populären Stoff auf die Bühne zu bringen?

Steinkamp : Es sind zwei Dinge. Zum einen die grandiose Musik, die Udo Jürgens geschrieben hat, zum anderen die Texte. Nehmen Sie „Ein ehrenwertes Haus”, ein Lied mit einer sozialkritischen Botschaft. Es beruht auf den Erfahrungen seines Bruders, der in Wien ohne Trauschein mit einer Frau zusammengelebt hat. Oder „Griechischer Wein“, ein Text über Migration, verpackt in eine eingängige Melodie. Man kann sagen, dass sich in den Liedern von Udo Jürgens die Themen der Bundesrepublik widerspiegeln.

 

Jeder Theaterbesucher hat seine eigene Vorstellung von dem Musiker – sei es als Interpret vieler Hits, als Frauenheld oder als der Mann, der seine Zugaben im Bademantel gibt: Welches Bild dominiert in Ihrer Inszenierung?

Steinkamp : Die Musik steht an dem Abend im Mittelpunkt. Aber auch der Frauenheld wird kurz angerissen – und es wird erzählt, wie es zu dem Bademantel kam. Aber wir beleuchten auch Seiten, die nicht so bekannt sind. So geht es zum Beispiel auch um seine Steuerschulden. Oder kaum jemand weiß, dass Udo Jürgens mal nah am Alkoholismus war.

 

Ob „Merci Cherie“ oder „Griechischer Wein“: Welcher der zahlreichen Ohrwürmer, die mit dem Namen Udo Jürgens verbunden sind, hat sich bei Ihnen am stärksten im Kopf festgesetzt?

Steinkamp: Mein Lieblingslied ist ein eher Unbekanntes: „Der gekaufte Drache.“ Es handelt von einem Vater, der keine Zeit für seinen Sohn hat. Der viel arbeitet und sagt, das tue er nur für seinen Sohn. Doch der Sohn sagt: „Ich möchte mit dir lieber Drachen steigen lassen.“ Aber ich mag natürlich auch die Hits wie „Griechischer Wein“ oder „Ich war noch niemals in New York“.

 

In einem Kinofilm über Udo Lindenberg hat der Hauptdarsteller versucht, die Originalstimme eins zu eins zu imitieren. Wie halten Sie das mit Udo Jürgens? Doubles wirken oft unfreiwillig komisch.

Steinkamp : Mit den Doubles, da haben Sie recht. Unser Sänger Christian Mädler wird deshalb auch nicht aussehen wie Udo Jürgens. Und er wird die Lieder auch nicht imitieren, sondern interpretieren. Bei Udo Lindenberg wäre das Imitieren wegen der nasalen Stimme leichter. Der Gesang von Udo Jürgens ist da deutlich anspruchsvoller.

 

Besteht die Hommage ausschließlich aus Gesang oder gibt es auch Schauspielparts?

Steinkamp : Die Aufführung besteht aus Musik und Texten. Es gibt einen großen musikalischen Teil und erläuternde Texte zum Leben von Udo Jürgens.

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