Die Schneiderin Filomena Cerkez-Muscato leidet unter der Krise, will aber nicht aufgeben
Die Weitermacherin

Herford(HK). Wer lässt sich ein Kleid für eine rauschende Party umnähen, wenn gerade keine rauschenden Partys stattfinden dürfen? Die Änderungsschneiderin Filomena Cerkez-Muscato ist etwas ratlos. Corona lässt die Kunden ausbleiben.

Donnerstag, 05.11.2020, 20:00 Uhr
Filomena Cerkez-Muscato in ihrem Geschäft in der Clarenstraße: Das Schild ist auch programmatisch zu verstehen. Obwohl die Branche der Schneiderin von Corona sehr betroffen ist und die Kunden ausbleiben, will sie auf jeden Fall weitermachen. Foto: Hartmut Horstmann

Im Frühjahr waren es Masken

Die 54-Jährige gehörte in Herford zu den ersten, die in der Krise zumindest eine kleine Chance sahen. Im großen Stil fertigte sie im Frühjahr Masken an. Doch mittlerweile gibt es diese überall und die meisten Menschen haben sich eingedeckt.

Anders als im Frühjahr dürfen beim aktuellen Teil-Lockdown die Geschäfte geöffnet bleiben. Dies gilt auch für ihr Atelier in der Clarenstraße, doch stellt die Schneiderin fest: „Es ist ja kaum noch jemand in den Geschäften.“

Auch wenn Feiern wie Abibälle oder große Hochzeiten in diesem Jahr ausfallen, hatte sich ihr Geschäft nach dem Ende des ersten Lockdowns wieder etwas normalisiert. Dass es jetzt wieder komplett einbricht, hat verschiedene Gründe: Zum einen ist es die fehlende Aussicht auf größere Veranstaltungen, auf gesellschaftliche Events.

Zum anderen ist es eine gewisse Kaufzurückhaltung, die die Textilbranche spürt. So arbeitet Cerkez-Muscato auch für einzelne Geschäfte, für die sie als Schneiderin Änderungen vornimmt. Wenn aber auch dort die Kunden fehlen, kommt niemand zu ihr, um sich eine neu gekaufte Hose kürzen zu lassen.

„Ich habe treue Kunden“

Besagte Konsumzurückhaltung erkennt die Scheiderin, die seit 2009 ihr Atelier Filo in der Clarenstraße hat, aber auch in dem Bereich, der normalerweise vor Weihnachten angesagt ist. Eine wichtige Rolle spiele in dieser Zeit das Dekorative für die eigene Wohnung, sagt sie: „Für Vorhänge zum Beispiel.“ Doch auch das sei weniger geworden.

Aufzugeben kommt für sie dennoch nicht in Frage. „Ich will unbedingt weitermachen“, betont die Geschäftsfrau – und fügt hinzu: „Ich habe sehr treue Kunden.“ Dass sie mit ihren Sorgen nicht alleine ist, sondern dass die Situation Auswirkungen auf die gesamte Branche hat, erfährt sie in Gesprächen mit anderen Schneidereien. Erst neulich habe ihr jemand am Telefon gesagt: „Ich warte auf ein Wunder.“

Auf eine Himmelsoffenbarung hofft die 54-Jährige allerdings nicht – eher auf eine zündende Idee wie im Frühjahr die mit den Masken. Wenn die Kunden gerade ausbleiben, will sie sich unter anderem an die großen Modefirmen wenden, um von ihrem Laden aus für diese tätig zu sein. Doch wie schon gesagt – auch die Textilbranche spürt Corona. Am Ende gilt für Filomena Cerkez-Muscato ein altes Durchhalte-Sprichwort: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

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