Nach Wartezeiten von zwei Stunden verdoppelt Herforder Abstrichstelle die Kapazitäten
Lange Schlangen am Test-Zentrum

Herford (WB). Wer sich auf Corona testen lassen wollte oder musste, brauchte in den vergangenen Tagen jede Menge Geduld: „Mit diesem Ansturm haben wir nicht gerechnet“, gibt Herfords Test-Zentrums-Leiter Finn Leciejewski zu. Der 23-Jährige hat reagiert und verspricht: „Jetzt wird’s besser.“

Donnerstag, 05.11.2020, 06:00 Uhr
Finn Leciejewski erklärt seinem Team die Umstrukturierung in der Abstrichstelle. Seit Mittwoch wird drinnen und draußen getestet. Foto: Moritz Winde

Die explodierenden Infektionszahlen im Kreis Herford haben naturgemäß Auswirkungen auf die Arbeit der Studenten, die in dem ehemaligen Bürogebäude in Herringhausen Abstriche im Akkord nehmen. Zwei Zahlen verdeutlichen den rasanten Anstieg: Am 26. Oktober seien es 149 Tests, am darauf folgenden Montag bereits mehr als 500 gewesen.

Und angesichts des dynamischen Pandemie-Geschehens könnten diese Zahlen weiter steigen. „Wir wurden buchstäblich überrannt. Und obwohl wir geschuftet haben wie die Tiere und uns keine Pause gegönnt haben, gab es diese extremen Wartezeiten. Das tut mir leid“, bedauert Finn Leciejewski. Die Menschenschlangen entlang der Oststraße waren so lang, dass die Enden mit bloßem Auge zwischenzeitlich nicht mehr zu erkennen gewesen seien.

Während die meisten Leute das lange Anstehen klaglos akzeptierten, tolerierten andere die Warterei nicht. „Die Stimmung war bei manchen gereizt, zum Teil sogar aggressiv“, sagt Sicherheitsmann Kemal Sahin. Und auch die Studenten berichten von Schimpf-Tiraden. Finn Leciejewski: „Das sind aber Ausnahmen. Es gibt viele, die echt dankbar sind.“ So wie Kinder und Eltern der Kita Schobeke, die ihre Anerkennung in den sozialen Netzwerken zum Ausdruck brachten.

„Wir können auch nur arbeiten“

Der Medizin-Student – er hat gerade sein zweites Staatsexamen bestanden – zeigt Verständnis für den Unmut mancher. „Ich hätte auch keine Lust, mir die Beine in den Bauch zu stehen.“ Zumal die eigentliche Prozedur gerade einmal ein paar Sekunden dauert. Gleichzeitig bittet er um Verständnis: „Wir können auch nur arbeiten.“

In anderen Test-Zentren der Region geht’s übrigens nicht schneller: Die Mühlenkreiskliniken, die neben der Abstrichstelle in Herford drei weitere in Minden, Rahden und Bünde betreiben, teilen auf ihrer Homepage mit: „Aktuell sind Wartezeiten von bis zu vier Stunden möglich.“

In Herringhausen wurden die Kapazitäten kurzfristig ausgebaut. „Wir haben jetzt doppelt so viel Personal im Einsatz und die Infrastruktur wurde erweitert“, sagt Finn Leciejewski. Das heißt: Seit Mittwoch testen mindestens sechs Mitarbeiter zeitgleich an zwei Stellen – und zwar wie gehabt im alten Bürotrakt sowie in einem Zelt vor dem Eingang.

Die provisorische Praxis hat das Gesundheitsamt sozusagen über den kurzen Dienstweg aufgebaut. Die Zusammenarbeit mit dem Kreis Herford funktioniere unkompliziert, sagt der 23-Jährige. Er möchte erreichen, dass die Wartezeit nur noch maximal eine halbe Stunde beträgt.

Ob dies klappt, hängt auch davon ab, wie schnell sich das Coronavirus verbreitet. Eine Frau ließ sich gestern in der Schlange auf einem Klappstuhl nieder und schmökerte in einem Roman. Sitzen ist eben angenehmer als stehen.

Auch am Mittwoch bildete sich eine lange Schlange vor dem Corona-Test-Zentrum an der Oststraße im Industriegebiet in Herford-Herringhausen.

Auch am Mittwoch bildete sich eine lange Schlange vor dem Corona-Test-Zentrum an der Oststraße im Industriegebiet in Herford-Herringhausen. Foto: Moritz Winde

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