Sabrina Poser aus Herford hat für 10.000 Euro eine Lüftungsanlage installieren lassen
Frischluft beim Friseurbesuch

Hiddenhausen/Herford (WB). Friseure sind vom Lockdown nicht betroffen. Aber sie müssen nach wie vor strenge Hygieneregeln einhalten. Stoßlüften – fünf bis zehn Minuten jede Stunde ist nur eine davon. Während Maske tragen, Abstand, Desinfizieren und vieles mehr zu jeder Jahreszeit gleich umzusetzen sind, sieht es beim Lüften angesichts sinkender Temperaturen schon anders aus. Welcher Friseur möchte schon gern riskieren, dass ein Kunde oder eine Kundin mit nassen Haaren dem kühlen Durchzug ausgesetzt ist.

Dienstag, 03.11.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 09:20 Uhr
Friseurmeisterin Sabrina Poser weiß, dass Lüften in der kühleren Jahreszeit immer mehr zum Problem wird. Um ihre Kunden nicht der Zugluft auszusetzen, hat sie eine Lüftungsanlage installieren lassen, die mit einer Fernbedienung zu schalten ist. Foto: Koteras-Pietsch

In Hiddenhausen und Herford gehen die Friseure ganz unterschiedlich mit der Situation um. Sabrina Poser, Inhaberin des gleichnamigen Salons an der Salzufler Straße in Herford, hat professionell vorgesorgt. Für 10.000 Euro hat sie eine Lüftungsanlage mit einem Hepa-Filter 14 nach Din-Norm unter die Decke ihres Salons einbauen lassen.

Verbrauchte Luft raus – Frischluft rein

„Der Filter ist zehnmal wirksamer, als der bekannte Hepa-13-Filter“, erklärt die Friseurmeisterin. Durch ein Rohr werde die verbrauchte Luft mit all den Aerosolen abgesaugt und nach draußen transportiert. Durch ein weiteres Rohr werde Frischluft in den Salon befördert. Der etwa ein mal ein Meter große Filter wurde in die abgehängte Decke eingebaut, die Rohre verlaufen durch die Zwischendecke nach draußen.

Natürlich wird auch im Salon Poser noch gelüftet, zum Beispiel, wenn die Mitarbeiter-Schichten wechseln. Aber durch den Filter, so sagt Sabrina Poser, spare man sich das regelmäßige Lüften, denn das sei zeitlich kaum planbar. Ihr Salon bietet nach Corona-Bedingungen zwölf Plätze, sie selbst hat entschieden, dass immer nur acht Kunden gleichzeitig dort sein können. Fast zu jeder Zeit seien Kunden im Salon. Und diese möchte sie keiner Zugluft aussetzen.

Angst vor kühlerer Jahreszeit

„Ich möchte alles tun, um meine Kunden bestmöglich zu schützen“, sagt die Friseurin, die deutschlandweit mit etlichen Kollegen vernetzt ist. „Ich habe von vielen gehört, bei denen Kunden aus Angst absagen. Und es gibt die unterschiedlichsten Ideen für die Herbst-Winter-Zeit. Das geht soweit, dass die Friseure ihren Kunden wärmende Decken zur Verfügung stellen. Angst vor dem, was die kühlere Jahreszeit und die steigenden Corona-Zahlen mit sich bringen, greift unter den Kollegen um sich. Viele von ihnen verfallen geradezu in Schockstarre. In den Facebook-Gruppen geht die Post ab“, weiß die Friseurmeisterin zu berichten.

In Herford und Hiddenhausen sind die Friseure noch eher gelassen, was das Lüften angeht. „Wir haben große Fensterfronten. Und dort, wo kein Kunde davor sitzt, können wir sehr gut lüften“, sagt Laura Stautner vom Salon Hair-Design in Herford. Hier gibt es vier Plätze. Und auch bei Denroy Cadura Hairdressing wird jede Stunde gelüftet. „Kein Problem. Unsere drei Plätze liegen so, dass die Kunden nicht im Zug sitzen. Das klappt super“, meint Friseur Denis Ignatow.

Fenster immer geöffnet

Alexandra Vollmer, die ihren kleinen Salon in Oetinghausen betreibt, holt jeden Kunden an der Tür ab und nutzt dann die Gelegenheit zum Lüften. „Und unsere Fenster sind eh immer auf. Aber die Kunden müssen nicht frieren“, betont sie.

Manuela Sales von Creative Haarmode, ebenfalls in Oetinghausen, setzt auf Stoßlüften, „auch wenn manche Kunden meckern“. Da müsse man sich eben drüber hinwegsetzen, meint sie. Allerdings komme das nicht oft vor. Der Laden sei groß und es gebe nur zwei Plätze. Außerhalb der Zugluft können auch die Kunden von Haarteam Merz in Lippinghausen sitzen.

Noch keine Absagen

„Wir lüften jede halbe Stunde“, sagt Friseurin Marion Dreier. Gleiches macht auch Sabine Philipp, die ihren Salon allein betreibt. Absagen aus Angst vor Corona oder Erkältung wegen Lüftens hat es bei allen Befragten noch nicht gegeben. Sabine Philipp erzählt aber von einem ganz anderen Hintergrund für den Verlust von Kunden. Sie habe privat Anrufe von Kunden erhalten, die während des Lockdowns angefragt hätten, ob nicht eine Behandlung privat zu Hause möglich sei.

„Ich habe das abgelehnt. Aber einige Friseure und Friseurinnen haben das gemacht und die Kunden sind dann auch dort geblieben“, ärgert sich Sabine Philipp. Sie tut jetzt alles, um ihre Kunden zu schützen und hofft wie alle ihre Kollegen, dass es nicht wieder zu Schließungen kommt.

Übrigens gibt es auch in der hiesigen Region Kontrollen durch das Ordnungsamt. „Kontrolliert werden kann zum Beispiel aber nur, ob die Maskenpflicht oder der Abstand eingehalten werden. Das Lüften kann natürlich nicht kontrolliert werden“, sagt Susanne Körner, Pressesprecherin der Stadt Herford.

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