Tim Kähler will sich beim Land für Gesetzesänderung einsetzen
Bürgermeister fordert Böllerverbot in Herford

Herford (WB). Zwei Monate vor dem Jahreswechsel überrascht Bürgermeister Tim Kähler mit der Forderung eines Böllerverbots in Herford. Der Haken an der Sache: Die Stadt hat keine rechtliche Handhabe, eine solche Anordnung durchzusetzen. „Deshalb werde ich mich an die Landesregierung wenden.“

Freitag, 30.10.2020, 06:00 Uhr
Am Neujahrsmorgen liegt auch in Herford – das Foto zeigt die Mindener Straße – immer jede Menge Böllermüll herum. Bürgermeister Tim Kähler schlägt vor, das Abbrennen von privaten Feuerwerkskörpern zu verbieten. Foto: Moritz Winde

Bevor eine Kommune das Knallen und Raketenzünden an Silvester generell untersagen kann, müsste das Parlament in Düsseldorf die Gesetze ändern. Die Städte könnten erst dann selbst entscheiden, ob sie das Abbrennen privater Feuerwerke flächendeckend genehmigen. Bislang ist es anders herum.

Allerdings muss schon jetzt ein triftiger Grund für ein Böllerverbot vorliegen. Im benachbarten Bielefeld zum Beispiel ist die Sparrenburg zum Jahreswechsel stets böllerfreie Zone. Die Maßnahme dient laut Stadt ausschließlich der Vorbeugung. Ordnungswidrigkeiten und Straftaten sollen verhindert und die archäologischen Ausgrabungen geschützt werden.

Tim Kähler geht ein teilweises Verbot nicht weit genug: „Das Abbrennen von Feuerwerk ist eine riesige Umweltbelastung und eine große Geldverschwendung. Für Tiere ist es enorm belastend. Und sehr gefährlich ist es auch.“ Der 52-Jährige sagt, er wisse, dass er sich mit einer großen Lobby anlege. Es gehöre aber zum Amt eines Bürgermeisters, auch Ideen zu entwickeln, die nicht jedem gefielen.

Mehrheit gegen Knallerei

Als Ersatz schlägt der SPD-Politiker eine Lichtshow in der Innenstadt vor – finanziert und organisiert von der Stadt. Übrigens: Eine Mehrheit der Deutschen befürwortete im Jahr 2019 das Ende der Knallerei. Laut einer repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts YouGov für das „Redaktions-Netzwerk Deutschland” waren es 57 Prozent.

Wahrscheinlicher aber als ein generelles Nein scheint ein partielles zu sein – eventuell schon in diesem Jahr. Der Herforder Rat zumindest soll am 6. November über „ein Verbot des Abbrennens von pyrotechnischen Gegenständen der Klasse 2 (Feuerwerkskörper) in der Herforder Innenstadt in der Zeit vom 31. Dezember bis zum 1. Januar“ entscheiden.

„Sollte der Weihnachtsmarkt bis zum 6. Januar stattfinden, wäre die Böllerei zwischen den Buden viel zu gefährlich. Weil auf Sylt die meisten Häuser mit Reet gedeckt sind, gilt dort ein generelles Verbot“, sagt Tim Kähler.

Angesichts der rasant steigenden Corona-Neuinfektionen ist aber kaum davon auszugehen, dass der bunte Trubel – eine Entscheidung soll heute, spätestens Anfang kommender Woche fallen – durchgezogen wird. Wird das Weihnachtslicht abgesagt, hätte sich die Diskussion ums Böllertabu vorerst erledigt.

Kommentar von Moritz Winde

Böller und Raketen gehören für viele zu einer gelungenen Silvesternacht: Tim Kähler drängt nun auf ein generelles Verbot. Das Timing des Bürgermeisters ist ungünstig. In diesen Tagen, die von Verzicht geprägt sind, soll man sich nun noch mehr einschränken?

Das rigorose Nein zum Knallen geht zu weit. Eine zeitliche Genehmigung etwa von 23 bis 2 Uhr wäre besser gewesen. Tim Kählers Motive mögen ehrenhaft sein: Jeder weiß, wie umweltschädlich und gefährlich Feuerwerk sein kann.

Und die Millionen Euro, die jedes Jahr verbrannt werden, könnten sinnvoller eingesetzt werden – nicht erst seit der Corona-Krise.

Doch auch der beste Vorschlag muss den Bürgern vermittelbar sein.

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